Bayerns Wirtschaftsminister hat auf den Hilferuf der Brauereien reagiert. Bei einem Brauereigipfel wurde besprochen, was den Brauern jetzt helfen und wie ein Neustart aussehen könnte. Dafür muss allerdings Berlin mitspielen.
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat den Brauereien Unterstützung zugesagt. Nach dem bayerischen Brauereigipfel erklärte Aiwanger: "Die Brauereien stehen für ein wichtiges bayerisches Kulturgut. Sie sind unverschuldet stark von der Coronakrise betroffen worden.< strong> Die Brauer brauchen jetzt eine Perspektive durch Wiederöffnungen der Ga stronomie in Richtung Ostern, bessere Bedingungen bei der Auszahlung der Wirtschaftshilfen durch den Bund und steuerliche Erleichterungen, damit das Geld für einen guten Neustart reicht.“
Vor wenigen Tagen hatten sich Deutschlands Brauer in einem< strong> offenen Brief an die Politik gewandt und die dramatische Situation ihrer Branche geschildert.
Beim < strong> bayerischen Brauereigipfel berichteten Brauer aus allen sieben bayerischen Regierungsbezirken sowie den Verbänden Private Brauereien Bayern und Bayerischer Brauerbund dem Wirtschaftsminister über ihre schwierige wirtschaftliche Lage durch Coronakrise und Lockdown. Aiwanger: "Es stehen viele Existenzen auf dem Spiel. Die Brauer haben durch die Schließung der Ga stronomie Zukunftsängste. Mir ist wichtig, dass die < strong> enorme Vielfalt der Brauereien und Brauereigaststätten in Bayern erhalten bleibt. Deshalb braucht die Branche Perspektiven." In Richtung Ostern müssedie Ga stronomie mit guten Hygienekonzepten, klaren Abstandsregeln und dem Einsatz von Schnelltests wieder öffnen können.
Forderungen an Berlin
Im Fall der Wirtschaftshilfen durch die Bundesregierung sagte Aiwanger zu, in Berlin erneut < strong> Nachbesserungen für die Brauereigaststätten bei der Überbrückungshilfe III einzufordern. "Brauereien und Brauereigaststätten gehören genauso unterstützt wie Bäckereien mit angeschlossenen Cafés. Der Bund, vor allem der Finanzminister sollte das endlich verstehen und die Wirtschaftshilfen so anpassen, dass der Branche geholfen werden kann", erklärte Aiwanger. Wichtig sei zudem, dass wegen des Lockdowns nicht verkäufliches Fassbier als verderbliche Ware eingestuft und als Fixkosten im Rahmen der Überbrückungshilfe III erstattet wird. Mit einer solchen Lösung würde den Brauern schon aus der Patsche geholfen.
Für den < strong> Neustart nach der Coronakrise forderte der Minister eine Verbesserung der steuerlichen Rahmenbedingungen, von denen auch die Brauereibranche profitieren würde. Es brauche eine Ausweiterung des steuerlichen Verlu strücktrags auf mindestens zwei Jahre sowie eine Absenkung der Mehrwertsteuer in der Ga stronomie auf sieben Prozent auch bei Getränken. "Schankwirtschaften, Restaurants, Hotels und auch Brauer würden dadurch zusätzliche finanzielle Spielräume gewinnen, die sie brauchen, um nach der Coronakrise wieder auf die Beine zu kommen", sagte Aiwanger.
Bier vernichtet
Die Vertreter der Brauereiverbände begrüßten den Einsatz des bayerischen Wirtschaftsministers. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer Bayerischer Brauerbund, sagte: "Bayerns Brauer brauchen vor allem dreierlei: Umfassende Hilfen für ihre Brauereigasthöfe, die bislang fast alle durchs Förderraster fallen, eine angemessene Entschädigung für tausende Hektoliter Bier, die jetzt vernichtet werden müssen, weil sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen und endlich eine verlässliche Perspektive, unter welchen Bedingungen sie sich auf die Wiedereröffnung der Ga stronomie einstellen können." < strong> Die Brauereigasthöfe seienein wichtiges Stück bayerischer Brautradition und Genusskultur, aber auch touristischer Infra struktur.
Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer Private Brauereien, erklärte: "Unsere kleinen und mittelständischen Brauereien in Bayern brauchen dringend staatliche Unterstützung, um die Coronakrise bewältigen zu können und mit Perspektiven in die Zukunft zu starten. So sind Erleichterungen bei der Biersteuer ebenso unabdingbar wie eine zeitnahe und unter Hygieneaspekten verantwortbare Öffnungs strategie für die Ga stronomie." Nach wie vor fehle den Brauereigaststätten die < strong> dringend benötigte November- und Dezemberhilfe, mit der die Verluste aus der Einstellung des Gaststättenbetriebes zumindest teilweise kompensiert werden könnten.
"Fünf vor zwölf"
Der oberfränkische Brauer und Brauereigasthof-Besitzer < strong> Mike Schmitt (Pretzfeld) sagte: "Es ist fünf vor zwölf für kleine Brauereien. Ich habe dem Wirtschaftsminister meine Enttäuschung zur Situation der Brauereien im Corona-Lockdown geschildert." Er lobte Aiwangers Einsatz für die Brauereien.
< strong> In Bayern sind rund 90 Prozent der 640 Brauereien familiengeführte Betriebe. Der regionale Schwerpunkt in der bundesweiten Biererzeugung mit etwa 1.500 Betrieben liegt damit im Freistaat, wo mehr als 4.000 unterschiedliche Biersorten gebraut werden. Insgesamt wurden in Bayern 2020 annähernd 23 Millionen Hektoliter Bier hergestellt. Insgesamt sind (ohne Ga stronomie) rund 13.000 Menschen bei den bayerischen Brauereien beschäftigt. Im Jahr 2018 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 3,451 Milliarden Euro. str
