Ab Mitte Juni rollt der Ball in Russland und nicht nur Fußballfans, sondern auch Börsianer verfolgen die Ergebnisse mit Spannung. Lohnt es sich jetzt noch in Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas oder großen TV-Herstellern zu investieren?
Gastautor Florian Junker

Über den Satz "Deutschland ist Weltmeister" freuten sich 2014 nicht nur Millionen Fußballfans, sondern auch Sponsoren wie der fränkische Sportartikelhersteller Adidas, Ausrüster der Nationalmannschaft. Allein rund drei Millionen Trikots verkauften die Herzogenauracher, was bei einem Verkaufspreis von um die 80 Euro ein nettes Sümmchen ergibt.
Erfahrungsgemäß können erfolgreiche Sportartikelsponsoren ihre Umsätze während und ein Stück weit auch nach einer WM steigern und in der Endrunde in Russland tragen zwölf Mannschaften das Logo mit den drei Streifen auf der Brust. Also jetzt noch schnell Adidas-Aktien kaufen? "Investitionen aufgrund von Sportereignissen können sich lohnen", sagt Finanzexperte Stephan Witt von FINUM.Private Finance AG mit Niederlassung in Düsseldorf, "jedoch sollte dies eher nur etwas für risikobewusste Anleger sein."
WM: Fernseher, Sportartikel, Grillgut und Bier sind gefragt
Bier, Würstchen und Großbildfernseher, die sind in lauen WM-Sommernächten sicher gefragt, aber dieser Effekt sollte auch nicht überschätzt werden. Laut Branchenverband gfu soll hierzulande der TV-Absatz 2018 lediglich um 1,4 Prozent auf 7,12 Millionen Geräte steigen. Gefragt sein werden vor allem großflächige Fernseher im Bereich 55 Zoll und mehr, was immerhin den Umsatz um 6,9 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro ankurbeln soll. Auch Bier und Würstchen laufen erfahrungsgemäß zu WM-Zeiten besser, aber sowohl für Metzger als auch die Brauwirtschaft sind laut den Dachorganisationen hohe Temperaturen und wenig verregnete, grillfreundliche Tage noch viel entscheidender.
Auch für den Sportartikelhersteller Adidas war der WM-Erfolg unter dem Strich eher zweitrangig. "2014 war für Adidas kein gutes Jahr, denn kurz nach der WM musste das Unternehmen eine Gewinnwarnung herausgeben", erinnert FINUM-Experte Witt, "zu groß waren die anderen volkswirtschaftlichen Größen wie hohe Investitionen oder das zunehmende Geschäftsrisiko in Russland."
Fußballaktien sind eher Fanartikel
Die WM scheint diesmal weniger attraktiv zu sein, was an der Skepsis gegenüber dem Gastgeberland und dem durch Skandale ramponierten Ruf des Organisators FIFA liegen dürfte. Unternehmen wie etwa Sony, Castrol oder Continental haben sich als Sponsoren zurückgezogen, und wenige Wochen vor Turnierstart waren noch die Hälfte der 34 bei diesem Turnier angebotenen Marketingpartnerschaften nicht verkauft.
Selbst die Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufschwung im Austragungsland sind relativ überschaubar, abgesehen von den vergangenen guten Jahren in der Infrastrukturbranche. "Kurzfristig ist ein positiver Einfluss spürbar, wenn die eigene Mannschaft gut abschneidet, das verbessert die allgemeine Stimmungslage und kann positive Rückkopplungen auf die Wirtschaft haben", sagt Vermögensverwalter Dr. Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der PVV AG aus Essen: "Aber ein paar Wochen danach ist die Wirkung in aller Regel schnell wieder verpufft."
An den Märkten spürbare Folgen kann die WM auf die Wahrnehmung von Sponsoren haben. "Aber dieser Effekt ist nur einer von vielen Faktoren, der die Börsenbewertung etwa eines Sportartikelherstellers beeinflusst", mahnt Anlagefachmann Schyra, "ein Investment in Aktien sollte mit einer langfristigen Perspektive erfolgen, nicht nur wegen einer WM." Das Gleiche gilt für Fußballaktien, wie etwa von Borussia Dortmund, Juventus Turin oder Ajax Amsterdam. Wer langfristig sparen möchte, sollte nicht allein auf meist unberechenbare sportliche Erfolgshoffnungen setzen. Sonst können sich solche Investments langfristig als teure Fandevotionalien im Depot herausstellen.
Wer profitiert vor und nach der Fußball-WM
Bau: Schon Jahre vor dem Turnier werden vom Gastgeberland neue Infrastrukturgroßprojekte angeschoben. Laut dem russischen Organisationskomitee sollen die Baumaßnahmen vor der WM seit 2013 etwa ein Prozent zum Bruttosozialprodukt beigetragen haben.
Marketing: Werbeagenturen können sich über mehr Aufträge freuen und Fanartikelhersteller die Absatzchance während des Turniers nutzen, wie beispielsweise der Verlag Panini mit seinen berühmten Sammelalben. Allerdings scheint das Geschäft bisher im Vergleich zu den letzten Turnieren eher schleppend anzulaufen.
Unterhaltungselektronik: Vor den TV-Übertragungen von Sportgroßereignissen steigen die Verkäufe von hochauflösenden Fernsehern regelmäßig an. Langfristig betrachtet ist aber nicht ganz klar, ob hier nur sowieso geplante Käufe etwas vorgezogen werden, trotzdem kann sich die Branche zur WM regelmäßig über ein Umsatzplus freuen.
Tourismus: Gemäß einer vom russischen Vizeministerpräsident Arkadi Dworkowitsch vorgestellten Studie werden nach der WM in den nächsten fünf Jahren Mehreinnahmen durch Reisende von zwei bis drei Milliarden Euro erwartet. Branchenexperten halten diese Prognose aber für sehr optimistisch.
Sportartikelhersteller: Insbesondere Trikots erfolgreicher Nationalteams kurbeln während und in den Monaten nach einer WM die Umsätze an. Auch wenn das aus Investorensicht im Bezug zu den immensen Kosten bewertet werden muss, trägt eine WM unabhängig davon wesentlich zur Markenpräsenz bei. Allerdings: Nur zwei börsennotierte Sportartikelhersteller rüsten WM-Teilnehmer aus:
| Name | WKN/ ISIN | WM- Teams | Bemerkung |
| adidas | A1EWWW/ DE000A1EWWW0 | 12 | u.a. Deutschland und Spanien |
| Nike | 866993/ US6541061031 | 10 | u.a. Brasilien und Frankreich |
| Puma | 696960/ DE0006969603 | 0 | Italien, aber nicht qualifiziert |
| ASICS | 860398/ JP3118000003 | 0 | Wenig Fußballsponsoring |
| Under Armour | A0HL4V/ US9043111072 | 0 | Im Aufbau der Fußballsparte |
| VF Corporation | 857621/ US9182041080 | 0 | Marken u.a. Eastpak, Timberland |