Überforderte Mitarbeiter werden nicht nur häufiger krank, sie beeinträchtigen auch die Produktivität des Betriebs. Woran Chefs erkennen, ob ihre Mitarbeiter mit ihren Aufgaben überfordert sind, ist nicht immer so einfach zu klären. Diese Anzeichen sollten stutzig machen.

Für Arbeitgeber ist es oft schwer zu erkennen, wenn ein Mitarbeiter überfordert ist. Doch Chefs sollten darauf achten – denn Überforderung kann sich langfristig negativ auf die Psyche und damit die Arbeitsleistung auswirken. Kaum ein Angestellter wird aber offen sagen, dass er sich mit der Arbeit überfordert fühlt. Vorgesetzte müssen daher bei bestimmten Warnzeichen hellhörig werden.
5 Indizien für Überforderung
1. Mitarbeiter ist häufiger krank
Die Techniker Krankenkasse meldete für 2023 einen neuen Rekord: Erwerbstätige waren im Durchschnitt 19,4 Tage krank. Das ist so viel wie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000 nicht. Nach den Erkältungskrankheiten folgen psychische Probleme als zweithäufigster Grund für eine Krankschreibung. Sie machen durchschnittlich 3,6 Tage je Erwerbsperson aus, gefolgt von Muskelskeletterkrankungen wie Rückenschmerzen mit 2,8 Fehltagen.
Arbeitgeber sollten wissen: Wenn die Zahl der Krankheitstage bei einem Mitarbeiter rasant ansteigt, kann das ein Zeichen für Überforderung sein. Welche Fehlzeiten noch als "normal" gelten, variiert von Branche zu Branche: Im Verwaltungsbetrieb sind fünf Prozent bereits besorgniserregend, im gewerblichen Bereich sind sie hingegen noch vertretbar.
2. Mitarbeiter geht häufiger zum Arzt
Gehen Mitarbeiter häufiger zum Arzt, sollten Chefs ebenfalls aufmerksam werden und das Verhalten des Angestellten beobachten. Körperliche Beschwerden treten oft vermehrt dann auf, wenn sich Beschäftigte gestresst fühlen. Doch auch hier gilt: Es kann, muss aber kein Anzeichen für Überforderung sein.
3. Projekte werden regelmäßig nicht fertig
Wenn regelmäßig Projekte nicht rechtzeitig fertig werden, kann es sein, dass sich die Arbeit beim jeweiligen Mitarbeiter staut. Haben Beschäftigte das Gefühl, immer mehr Aufgaben zu bekommen und diese nicht mehr abarbeiten zu können, wirkt das frustrierend – und hat negative Konsequenzen für die Qualität der Arbeit.
Damit die Projekte besser fertig werden, sollten Chefs überlegen, ob sie diese anders im Team verteilen können. Es kann auch helfen, eine zweite Person dazuzuholen, damit die Projekte gemeinsam vorangetrieben werden können.
4. Mitarbeiter macht viele Überstunden
Schafft der Mitarbeiter seine Aufgaben nicht in der vorgegebenen Zeit und macht laufend Überstunden, ist das ein klares Indiz, dass die Arbeitsbelastung zu hoch ist. Ist das ein Dauerzustand, fühlen sich die meisten Beschäftigten gestresst. Vorgesetzte sollten vor allem dann aufmerksam werden, wenn der Angestellte häufig angespannt wirkt.
Eine Lösung können hier Schulungen im Zeitmanagement sowie ein Plan zum Abbau der Überstunden sein. Beides sollten Chefs mit ihren Mitarbeitern offen besprechen.
5. Mitarbeiter zeigt Anzeichen für Alkohol und Drogenmissbrauch
Ein Warnhinweis ist auch Alkohol: Kommt ein Beschäftigter regelmäßig verkatert zur Arbeit, kann es sein, dass er Alkohol nach der Arbeit zur Entspannung braucht. Auch starkes Rauchen kann ein Anzeichen für Stress sein. Immer mehr Arbeitnehmer greifen auch zu Pillen, um mit Stress am Arbeitsplatz umzugehen.
Anzeichen für Alkohol- und Drogenmissbrauch können starke Stimmungsschwankungen, Unzuverlässigkeit, sozialer Rückzug oder häufige Aggressivität sein. Wer ein solches Verhalten bei seinen Mitarbeitern erkennt, kann sich an folgende Einrichtungen wenden:
- Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen
- Datenbank der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
- Sucht- und Drogen-Hotline: 01806 313 031 (24 Stunden erreichbar, 20–60 Cent pro Anruf)
- Caritas Deutschland
Der Chef ist gefragt
Nicht immer jedoch liegt es an einer Arbeitsüberlastung, wenn Mitarbeiter häufig krank oder gestresst sind. Möglich ist auch, dass er sich eine bessere Führung von seinem Vorgesetzten wünscht – oder Probleme mit Kollegen hat. Auch das sollten Arbeitgeber ernst nehmen. So könnten Chefs beispielsweise Lösungen schaffen, indem sie Probleme ansprechen, Aufgaben anders verteilen oder die Teams neu einteilen.
Manchmal liegt die Überforderung aber einfach nur an einer schlechten Selbstorganisation. Ein Workshop, in dem der Mitarbeiter Organisationsmethoden kennenlernt, kann dann schon helfen. dhz