"Supergeil" und "Dressgate": Durch soziale Netzwerke verbreiten sich viele Dinge rasend schnell – manches gewollt, anderes per Zufall. Auch Handwerker können das nutzen. Die wichtigsten Tipps für virales Marketing.
Manche Dinge verbreiten sich rasend schnell. So wie das satiri sche Bewerbungs schreiben des Bäckers aus Kub schütz, der sich damit auf Facebook gegen eine Werbekampagne von Lidl auflehnte. Knapp 6.000 Mal wurde sein Beitrag geteilt, fast 9.000 Mal „geliked“. Regionale und bundesweite Medien wurden auf ihn aufmerksam. Bäckermeister Richter hat einen viralen Hit gelandet.
Drei Erfolgsfaktoren für virales Marketing
"Supergeil", das Video der Einzelhandelskette Edeka ist ein weiteres Beispiel. Es war 2014 der virale Hit unter den Videos. Auch Handwerker können die schnelle Verbreitung im Internet für ihre Marketingzwecke nutzen. Teilt man Beiträge, Videos oder Fotos über die sozialen Netzwerke, können sie über Freunde und Freundes Freunde schnell Tausende von Men schen erreichen. Marketingexperte Felix Beilharz benennt die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für virales Marketing:
Eine richtig gute Idee, die einen umhaut
Der Inhalt des Videos, Fotos oder Blogs sollte die Betrachter sehr belustigen, schockieren oder Liebgewonnenes auf den Kopf stellen. "Das ist natürlich im Vorfeld schwierig zu antizipieren", sagt Beilharz. "Man kann schauen, was bei anderen Kampagnen funktioniert hat oder seine Idee bei Freunden testen."
Die richtige Zielgruppen- und Kanalauswahl
Der Inhalt der Marketingaktion und die Zielgruppe ent scheidet, wo das Video, das Foto oder der Post veröffentlicht wird. "Das kürzlich um die Welt gegangene Foto "Dressgate" wurde beispielsweise zuerst auf Tumblr veröffentlicht. Handwerkern würde ich eher Youtube oder Facebook empfehlen", rät der Experte.
Die richtigen Multiplikatoren finden
Das sogenannte "Seeding": Die Multiplikatoren sollen den Inhalt unters Volk bringen. Das können beispielsweise Blogger, Journalisten sein oder relevante Personen sein, die in sozialen Netzwerken sehr aktiv sind. "Man sollte sich fragen, wer für die Zielgruppe einflussreich ist", so Beilharz. Denkbar sei es durchaus auch, Blogger für die Veröffentlichung zu bezahlen.
Kontrovers und emotional
Der Inhalt sollte innerhalb von wenigen Sekunden intuitiv erfassbar sein und darf den Leser oder Betrachter nicht kalt lassen. Es geht um Emotionalität. Die Ge schichte kann Staunen hervorrufen wie etwa wenn zwei Dinge miteinander kombiniert werden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Auch Bewundernswertes oder soziales Engagement eignen sich als Inhalte für eine viral angelegte Marketing-Kampagne und können bewirken, dass Inhalte geteilt und unterstützt werden.
Der Inhalt kann genauso aber kontrovers sein, um Diskussionen bei den Lesern hervorzurufen, wie beim Kub schützer Bäcker. Damit das klappt, muss die Aktion das Interesse der Zielgruppe treffen.
Laut einer Google-Studie sind virale Kampagnen zudem erfolgreicher, wenn die Unternehmen auf eine klare Werbebot schaft verzichten. Denn bei dieser Form des Marketings geht es eher darum, ein positives Image zu schaffen und den Betrieb bekannt zu machen.
Vorhandene Kontakte nützen
Um einen viralen Hit zu landen, ist außerdem das Timing wichtig. Betriebe können hierfür gesell schaftliche Trends aufgreifen, sollten dabei aber darauf achten, dass sie ihre Aktion nicht zu spät starten. Gut ist es zudem, die Posts in mehreren Netzwerken wie Facebook und Twitter gleichzeitig zu platzieren. Die vorhandenen Kontakte gilt es bestmöglich zu nützen.
Genauso wenig wie sich virale Hits voraussagen lassen, so schnell können jedoch auch Fehltritte passieren. Geht eine Marketingaktion im Netz mal nach hinten los, rät Beilharz dazu, "Shitstorms" einfach auszusitzen. "Nach zwei drei Wochen ist das wieder vergessen und es hat so gut wie nie nachhaltig negative Auswirkungen." sch