Marketing aktuell: Handwerker in sozialen Netzwerken Facebook: Als Kleinbetrieb sichtbar werden

Wie können Kleinunternehmer auf Facebook erfolgreich sein? Diese Frage stand im Fokus des ersten Facebook-Seminars für KMU. Zwei Kleinunternehmer berichten von ihren unterschiedlichen Erfahrungen im sozialen Netzwerk.

Ulrike Schäfer

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    © Foto: Goldschmiede Arthur Müller/Facebook
    Facebook-Seite von Goldschmied Steffen Thon: "Es geht darum, Vertrauen zu schaffen."
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    © Michail Petrov - stock.adobe.com
    Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) betreiben ihr Marketing wegen mangelnder Strukturen und Ressourcen häufig nach dem Prinzip "learning-by-doing".

Bei Facebook stehen die Menschen im Mittelpunkt, sagt Arne Henne: "Gerade Handwerker können sich sympathisch und vertrauenswürdig präsentieren, indem sie beispielsweise ihre Dienstleistung vorstellen, aber eben auch die Menschen dahinter." Henne betreut bei dem sozialen Netzwerk die Marketingaktivitäten für kleine und mittelständische Unternehmen.

Und er hat die entscheidenden Kennzahlen parat: "Über 20 Millionen Deutsche auf Facebook haben rund 387 Millionen Verbindungen mit dem hiesigen Mittelstand", zitiert er eine interne Untersuchung. Das zeige deutlich Facebooks Potenzial für diese Firmen: "Die Menschen, die sie erreichen wollen, finden sie bei uns. Das Schöne ist, dass ich innerhalb dieser Menge an Leuten genau die ansprechen kann, die tatsächlich für mein Unternehmen wichtig sind."

Henne war als Gastgeber vor Ort, als Facebook Mitte November in Hamburg zu einer großen Informationsveranstaltung lud – der ersten ihrer Art. Das Netzwerk will als Marketingplattform auch bei kleinen und regionalen Firmen stärker in den Fokus rücken. Offenbar gibt es Bedarf: Das Event war schon nach drei Tagen ausgebucht.

Wenige Vorreiter im Handwerk

Von den rund 300 Teilnehmern kamen jedoch nur sehr wenige aus dem Handwerk. Einer von ihnen: Nils Greese. Der Tischlermeister aus Rostock hat den Eindruck, "dass viele meiner Kollegen im Handwerk das Thema Facebook noch stiefmütterlich behandeln".

Er dagegen möchte Vorreiter sein: Seit sechs Monaten hat Greese eine Fanseite und postet mindestens zwei- bis dreimal in der Woche neue Beiträge. "Die Ziele sind für mich klar: Kundengewinnung, Auftragsgenerierung und mehr Umsatz."

Auf seiner Seite zeigt der 45-Jährige vor allem Arbeiten, auf die er stolz ist. Aber er postet auch mal Urlaubsfotos: "Die Kunden sollen den Privatmensch Nils Greese kennenlernen und natürlich auch meine beiden Angestellten." Das fördere die Kundenbindung – und senke sogar die Hemmschwelle für Reklamationen.

Gerade kleine Betriebe trauten sich oft nicht an Facebook heran, so die Erfahrung von Social-Media-Beraterin Svenja Teichmann, die bei der Veranstaltung als Rednerin auftrat. "Da wird dann gesagt: Wir sind doch nur ein Drei-Mann-Betrieb, da gibt es nichts Spannendes zu erzählen."

Solche Berührungsängste seien meist unbegründet. "Die Leute hinter die Kulissen des Betriebes gucken lassen oder Expertentipps rund ums eigene Handwerk geben – so etwas geht bei allen Unternehmen."

Relevanz ist das Stichwort, wenn es um Inhalte geht. Marc Wirbeleit, Creative Strategist bei Facebook, rät: "Schauen Sie durch die Kundenbrille: Was interessiert Ihre Kunden wirklich? Meistens ist das nicht das Firmenjubiläum, sondern Dinge, die sie unmittelbar betreffen und einen Mehrwert bieten." Für einen Metzger könnte das bedeuten, ein Rezept für den Weihnachtsbraten zu posten.

Bilder und Videos wichtig

Die Texte sollten möglichst kurz gehalten werden – denn das Wichtigste, so Wirbeleit, seien ohnehin die Bilder: "Sie müssen keinesfalls perfekt sein. Fotos, die selbst mit dem Handy gemacht wurden, wirken viel authentischer und werden weniger als Werbung wahrgenommen."

Das Gleiche gelte für Filme, die auf Facebook immer beliebter werden: Die Anzahl der Videos, die von kleinen und mittelständischen Unternehmen gepostet werden, hat sich innerhalb eines Jahres beinahe verdreifacht.

Einmal pro Woche sollte man schon etwas Neues einstellen, rät Svenja Teichmann. "Wer das zeitlich nicht schafft, kann Facebook auch nur für Werbeanzeigen nutzen."

Tischler Nils Greese schaltet einmal in der Woche Anzeigen auf der Plattform. Jeweils etwa zehn bis zu 50 Euro gibt er aus – und nutzt dabei die Möglichkeit, über Facebook die Zielgruppe genau zu selektieren. Denn auch die ausgeklügeltste Werbung ist nichts wert, wenn sie nicht von den richtigen Menschen gesehen wird. "Mein Klientel ist 40 bis 60 Jahre alt, wohnt in der Region, hat ein geregeltes Einkommen und interessiert sich für Themen wie Hausbau."

Die Anzeigen lassen sich genau planen: "Ich schalte sie meistens vormittags oder am frühen Nachmittag und zu unrunden Zeiten, wenn die Leute keine Termine haben." Bislang hat er zwar direkt über die Werbung noch keine Aufträge bekommen. Aber: "Für mich geht es darum, in Erinnerung zu bleiben – bis jemand wirklich konkreten Bedarf hat."

Geduld mitbringen

Richtig so, sagt Beraterin Teichmann. "Ein halbes Jahr muss ich im Regelfall schon investieren, bevor meine Facebook-Aktivitäten Früchte tragen – und das auch nur, weil ich die Möglichkeit habe, durch Werbung viele Leute zu erreichen. Bei einem Blog oder der eigenen Website braucht es deutlich länger." Greese jedenfalls ist zufrieden. Vor kurzem hat er über einen Facebook-Kontakt sogar einen neuen Mitarbeiter gefunden.

Aber es gibt auch skeptischere Stimmen von Handwerkern, die auf Facebook aktiv sind. Steffen Thon etwa, der die Goldschmiede Arthur Müller in Lüneburg führt: "Ich investiere viel Zeit in Facebook. Allerdings bekomme ich direkt über Facebook kaum Feedback."

Trotzdem macht er weiter, weil er das Verhalten von sich selbst kennt: "Auf gewerblichen Seiten lese ich gern mit, hinterlasse aber keine Likes oder Kommentare." Der Geschäftsführer hofft, die Leute trotzdem zu erreichen. "Für mich ist meine Fanseite die Erweiterung meines Schaufensters." Es gehe darum, Vertrauen zu schaffen. "Ein junges Paar, das sich Trauringe machen lassen will, gibt den Auftrag doch lieber jemandem, den es sympathisch findet."

Mehr als eine Community

Auch Arne Henne betont, dass es nicht darum gehe, "Likes" hinterherzujagen. "Nur weil der Maurer aus dem Nachbarort 2.000 Fans hat, heißt das nicht, dass ich auf Teufel komm raus Fans generieren muss. Das ist nicht unbedingt nachhaltig." Man dürfe Facebook nicht nur als Community sehen. "Es ist eine Marketing-Plattform, über die ich meine Geschäftsziele erreichen kann."

In sieben Schritten zur Unternehmensseite auf Facebook

Was Sie bei der Planung einer Facebook-Unternehmensseite berücksichtigen sollten, erklärt der eBusiness-Lotse Mainfranken.

1. Analyse
An erster Stelle sollte das Unternehmen eine interne Analyse durchführen. Klären Sie, ob die Zielgruppe an Facebook-Neuigkeiten aus Ihrem Betrieb interessiert ist und ob Sie die zeitlichen Ressourcen haben, eine Fan-Seite zu pflegen.

2. Strategie
Schreiben Sie sich zu Beginn konkrete Ziele auf und analysieren Sie, ob diese zu Ihrer Unternehmensstrategie passen. Wichtig ist, dass Sie im Betrieb klare Verantwortlichkeiten für Social Media definieren. Es muss geklärt werden, wer Beiträge schreibt und welche Inhalte gepostet werden. Zur Strategie gehört, dass Sie festlegen, wie viele Beiträge Sie in welchem Zeitraum veröffentlichen.

3. Planung
Der offizielle Firmenname sollte auch bei Facebook verwendet werden. Fantasienamen sollten Sie hingegen vermeiden. Wichtig ist, dass Sie alle relevanten Unternehmensinformationen hinzufügen. Nutzen Sie auch die Timeline-Funktion, um die Geschichte des Betriebs darzustellen. Das schafft Nähe.

4. Social-Media-Management
Legen Sie die Themen, den Zeitpunkt der Veröffentlichung und die Person fest, die die Meldungen bearbeitet, kontrolliert und bei Facebook einstellt. Wenig Einfluss haben Unternehmen darauf, was über sie im Netz durch Dritte verbreitet wird. Durch gezieltes Beobachten sollte das Internet regelmäßig nach Diskussionen und Meinungsäußerungen zu ihrem Unternehmen durchsucht werden. Weiterhin sollten Sie festlegen, ob Sie Ihre Fans mit "Du" oder "Sie" ansprechen.

5. Werbeformate bei Facebook
Facebook bietet eine Vielzahl an Werbeformaten an. Anzeigen, die auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind, werden nachweislich häufiger mit "Gefällt mir" markiert. Die Standard-Ads sind die meistverwendeten Werbeanzeigen. Mit deren Hilfe können bestimmte Facebook-Seiten, Orte, Anwendungen, Veranstaltungen oder Webseiten beworben werden.

6. Rechtliches
Vermeiden Sie Verstöße gegen fremde Namens- oder Markenrechte. Auch bei Facebook muss ein rechtskonformes Impressum eingestellt werden. Was in das Impressum gehört, erfahren Sie unter dhz.net/facebook-impressum.

7. Hinweise streuen
Weisen Sie Ihre Kunden auf aktuelle Informationen hin, die Sie über die Facebook-Seite erhalten können. Machen Sie zusätzliche Werbung auf Ihrer Webseite und anderen Kanälen. sg