Durch den demografischen Wandel ändern sich die potenziellen Kunden von Handwerksbetrieben und deren Ansprüche an Produkte. Mit diesen Tipps können Sie Ihre Zielgruppe vergrößern.

Die Gesellschaftstruktur verändert sich. Ein immer größer werdender Teil potenzieller Kunden gehört der Generation 50plus an. Diese Gruppe besitzt im Allgemeinen eine hohe Kaufkraft, aber auch hohe Ansprüche an Produkte - für Handwerksbetriebe ist sie besonders attraktiv. Die Technische Universität Hamburg-Harburg und der Verein "Design für Alle - Deutschland e.V." haben einen Leitfaden herau sgegeben, der aufzeigt, wie Produkte für eine möglichst große Zielgruppe gestaltet werden können und dabei trotzdem leicht nutzbar bleiben.
Die 5 Kriterien eines Designs für alle
1. Gebrauchsfreundlichkeit
- das Produkt sollte keine unverhältnismäßig großen körperlichen Anstrengungen und komplexen Bewegungen voraussetzen
- bei der Produktentwicklung müssen Kraft, Motorik, Sinneswahrnehmung, Denkvermögen, Erfahrung und kultureller Hintergrund vieler Nutzer bedacht werden
- es müssen stets mehrere Sinne mit einem Produkt angesprochen werden ("2-Sinne-Prinzip")
- die Bedienung des Produkts sollte leicht und verständlich sein
- das Produkt sollte eine hohe Fehlertoleranz aufweisen
- das Produkt sollte sich möglichst individuell einstellen lassen (z.B. Höhe, Größe, Kontrast, Kraft, Sensibilität)
- es sollten Schnittstellen für die Verwendung des Produkts mit Hilfsmitteln geschaffen werden (z.B. Brille, Hörgerät)
- potenzielle Nutzer sollten in die Produktentwicklung einbezogen werden, um kostspieliege Planungsfehler zu vermeiden
- Der Fokus sollte nicht nur auf den Endkunden gelegt werden, sondern auch auf weitere Personen, die das Produkt nutzen (z.B. Verkäufer, Kundendienst)
- durch Befragungen, Beobachtungen, Produkttests, Checklisten oder Simulationen können die Wünsche der Kunden in Erfahrung gebracht werden
- die attraktive Produktgestaltung ruft Emotionen hervor, die zur Kaufentscheidung beitragen
- der Mehrweit eines Produkts sollte betont werden. Sonderlösungen mit nur einer Funktion verkleinern die Zielgruppe
5. Marktorientierung
- Kunden sind nur für überzeugende Mehrwerte bereit, höhere Preise zu bezahlen
- Preis, Kommunikation und Vertrieb des Produktes müssen auf die Zielgruppe abgestimmt sein
- Produktentwickler sollten die Gestaltungsspielräume von technischen Normen für Produkte weitgehend ausnutzen, um neue Märkte zu öffnen

Die Erfolgsfaktoren eines Designs für alle
1. Bekenntnis des Chefs
- Sie als Chef sollten voll hinter der Konzeptidee stehen
- Mitarbeitern sollte dauerhaft Rückhalt für die Produktentwicklung gegeben werden
- es braucht einen langen Atem, um aus Fehlern zu lernen
- die Zuständigkeiten müssen klar verteilt sein
- das Wissen und Know-how externer Experten hinzuziehen
- alle Aktivitäten der Beteiligten aufeinander abstimmen
- Langfristig Kompetenzen von Einzelpersonen auf das Gesamtunternehmen übertragen
- den Austausch mit anderen Unternehmen zu deren Erfahrungen pflegen
- die eigenen Aktivitäten durch Netzwerke und Kooperationen ergänzen
- an Projekten und Wettbewerben teilnehmen, um Werbung zu machen
- keine Nischen bedienen, sondern Mehrwerte für viele Nutzer schaffen
- Veränderungen in kleinen Schritten einleiten
- die Zielgruppe vom ersten Schritt der Produktgestaltung berücksichtigen
- das Designkonzept etablieren und als Marke aufbauen
- Fortbildungen besuchen, um sein Wissen zu vergrößern
- Inhouse-Seminare, Workshops veranstalten und Mitarbeiter per Newsletter informieren
- Partner und Dienstleister ins Boot holen
- das Designkonzept in internen Checklisten und Prozessen integrieren
- eine offene und sachliche Auseinandersetzung mit dem Begriff "Design für alle" im Unternehmen führen
- das Marketing mit positiven Begriffen besetzen (z.B. Komfort, Individualität, Flexibilität)
7. Optimierung der Ressourcen
- Neukundengruppen identifizieren und ihr wirtschaftliches Potenzial abschätzen
- Investitonen in die Produktgestaltung optimal planen
- Synergien schaffen, Prozesse hinterfragen und optimieren sg