Finanztest: Mehr Leistung, aber deutlich teurer Private Krankenversicherung lohnt nur bedingt

Privat Krankenversicherte bekommen zwar mehr Leistungen, müssen aber meist deutlich mehr dafür zahlen. Stiftung Warentest sagt: Selbstständige und Angestellte sollten aufpassen, ob sie sich die Beiträge im Alter leisten können.

Leistungsstarke Tarife in der privaten Krankenversicherung beinhalten auch häusliche Krankenpflege. Die PKV lohnt sich jedoch nur, wenn man sicher ist, dass man auch die Beiträge im Alter bezahlen kann. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia.com

"Die Angebote der privaten Krankenversicherer sind deutlich teurer geworden", sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest". Für die aktuelle Ausgabe (Heft 5/2014) habe die Experten insgesamt 107 Tarife von 32 Versicherern untersucht. Das Ergebnis: Fünfmal vergaben die Tester die Note "sehr gut", 29 Tarife schnitten "gut" ab. Lediglich achtmal lautete die Note "mangelhaft".

Ein 35-jähriger Modellkunde etwa muss für einen Tarif mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis rund 450 Euro im Monat zahlen. Für die gleiche Gruppe gebe es aber auch Angebote für über 800 Euro. Dazu kommen Selbstbeteiligungen von bis zu 1.000 Euro im Jahr und weitere Verträge für Kinder oder Ehepartner. Tenhagen: "Die private Krankenversicherung ist kein Sparmodell."

Geld sparen können nur Beamte

Für ihr Geld bekommen PKV-Kunden allerdings in der Regel mehr als gesetzlich Versicherte. Leistungsstarke Angebote enthalten demnach heute umfassende Leistungen für Psychotherapie oder für teure Hilfsmittel wie Hörgeräte, für häusliche Krankenpflege oder sogar Hospizbegleitung.

Geld sparen gegenüber der gesetzlichen Versicherung könnten mit einer leistungsstarken privaten Versicherung heute nur Beamte. Für sie sei die private Krankenversicherung uneingeschränkt zu empfehlen, denn durch die sogenannte Beihilfe beteiligt sich der Dienstherr an den Gesundheitskosten der Staatsdiener. Arbeitnehmer und Selbstständige sollten eher vorsichtig sein. Tenhagen: "Wir raten dazu, nur dann zu einem solchen Angebot zu greifen, wenn man sich die Police sein ganzes Erwerbsleben lang leisten kann."

Beiträge können sich leicht verdreifachen

Laut Stiftung Warentest können sich die Beiträge zur privaten Rentenversicherung vom Eintritt bis zur Rente leicht verdreifachen. Das bedeutet, dass Angestellte und Selbstständige für den Ruhestand eine sechsstellige Summe zur Deckung ihrer Krankenversicherungskosten ansparen müssten. Der Musterkunde, alleinstehend ohne Kinder, müsste demnach bei einem angenommenen Zinssatz von 3 Prozent jeden Monat etwa 230 Euro zurücklegen, um die Kosten im Alter tragen zu können.

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung sollte daher gut überlegt sein. Denn die Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist nicht immer einfach. Ab 55 komme man sogar so gut wie gar nicht mehr in die gesetzliche Kasse zurück. Diesen Weg habe der Gesetzgeber geschlossen. dhz