Gut ausgebildete Fachkräfte sind für Handwerksbetriebe immer schwerer zu finden. Deshalb sollten Sie ihr Personalmarketing kritisch prüfen. Wer die besten Fachkräfte möchte, muss bei der Bewerbung die Vorteile seines Unternehmens herausstellen.

Wie können kleine und mittlere Unternehmen eine starke Arbeitgebermarke aufbauen, ohne Millionen zu investieren?
Wer die Stellenanzeigen der großen Jobportale studiert, erfährt viel über sich selbst – oder darüber, was er als Bewerber idealerweise mitbringen sollte. Sehr selten erwähnen die Unternehmen hinter der Anzeige, was sie im Gegenzug den potenziellen Mitarbeitern zu bieten haben. "Die Firmen haben eine enorme Erwartungshaltung", meint Armin Trost, Experte für Employer Branding.
Firmen müssen sich um die Mitarbeiter bewerben
Der promovierte Psychologe, der an der Hochschule Furtwangen lehrt, stellt ernüchtert fest: Trotz Fachkräftemangels sind viele Unternehmen noch immer nicht im neuen Jahrtausend angekommen, wenn es um das Thema Fachkräftegewinnung geht. "Früher hat die bloße Ankündigung einer Stelle au sgereicht, um qualifizierte Bewerber zu finden", so der Experte. Heute sieht das anders aus. Vor allem Absolventen der sogenannten MINT-Fächer können sich inzwischen aussuchen, wo sie arbeiten.
Trotzdem handeln viele Unternehmen personalpolitisch weiter nach Schema F. Stellenanzeigen mit austauschbaren Bildern und eine Karriereseite, die wenig über Perspektiven verrät. Dabei müsste es genau umgekehrt sein. "Bewerben Sie sich um die Mitarbeiter!", fordert Andreas Lenz von mbm Consulting Partners.
Denn KMU tun sich im "War for Talents" häufig besonders schwer. Zu Unrecht, wie Armin Trost meint: "Es gibt viele Hidden Champions im Mittelstand." Sie müssten allerdings ihre Stärken besser ausspielen. Wie aber macht man aus einem Unternehmen eine Arbeitgeber-Marke?

Ein möglichst spezifisches Arbeitgeberversprechen
Das kann für jeden etwas anderes sein: Jungen Leuten gehe es eher um Weiterentwicklung, viele Arbeitnehmer legen Wert auf flexible Arbeitszeiten, langgedienten Mitarbeitern ist die Balance zwischen Arbeit und Beruf wichtig. "Sie müssen nicht in allem gut sein – und das für jeden", sagt Armin Trost. "Geben Sie ein möglichst spezifisches Arbeit sgeberversprechen und füllen Sie es mit Leben", so der Experte.
Wie das geht? "Erzählen Sie Geschichten, werden Sie möglichst konkret." Geschichten wie die vom heutigen Personalleiter, der es vom Azubi bis in die Führungsposition geschafft hat oder von der motivierten Nachwuchskraft, die nach einem halben Jahr Kundenprojekte leitet.
Mittelständlern, die einwenden, sie könnten kein Arbeitgeberversprechen abgeben, weil sie ihren Angestellten bei anspruchsvollen Arbeitszeiten nur durchschnittliche Gehälter zahlen, rät er: "Reden Sie nichts schön. Suchen Sie sich ein Versprechen, das authentisch ist." Vielleicht bietet das Unternehmen ja exzellente Entwicklungsmöglichkeiten, fertigt Produkte von Weltruf oder hat ein unschlagbares Team. sg