In einigen Branchen mehren sich die Anzeichen, dass sich die Konjunktur verschlechtert. Vereinzelt wird schon eine neue Krise befürchtet. Für Handwerksbetriebe würde das bedeuten, dass der kurze aber heftige Aufschwung seit der Wirtschafts- und Finanzkrise schon wieder endet und dass auch sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
Franz Falk

Die große Wirtschafts- und Finanzkrise liegt erst wenige Jahre hinter uns. Nun wird es für die Unternehmer höchste Zeit, die Lehren aus der letzten Krise zu ziehen und Vorbereitungen für neue Krisenzeiten zu treffen.
Strategische Krisen
Die Vergangenheit zeigt immer wieder: Unternehmenskrisen treten nicht plötzlich ein, sondern sie zeichnen sich ab. Sie beginnen mit einer strategischen Krise. Abhängigkeiten von einem oder wenigen Kunden, Fehlinvestitionen, der Verzicht auf die Einführung neuer Produkte und Leistungen sind die Symptome. Sie führen dann zur Rentabilitätskrise. Der Betrieb ist starkem Wettbewerb ausgesetzt, gerät unter Preisdruck und macht Kalkulationsfehler, die in Verbindung mit schlecht ausgelasteten Kapazitäten sehr schnell in eine Liquiditätskrise münden. Kommt es dann noch zu Forderungsausfällen oder zur Kreditkündigung, ist der Weg zur Insolvenz nicht mehr weit.
Besser ein Risikopolster aufbauen
Die Finanzen sichern
Eigenkapital ist in Krisensituationen sehr wichtig. Aufgabe der Unternehmer ist, in guten Zeiten Eigenkapital anzusparen, damit in schwierigen Phasen ein Risikopolster da ist. Deshalb gilt: Gewinne im Betrieb belassen, Ausschüttungen vermeiden, Gewinnvorträge bei GmbHs in der Firma belassen. Eine Hilfe für Betriebe in der Krise waren öffentliche Finanzierungshilfen und Bürgschaften. Derzeit sind Finanzierungen, auch mezzanine Finanzierungen, mit einem teilweisen Eigenkapitalcharakter günstig zu erhalten. Wer solche Programme der Landesbanken oder der KfW in Anspruch nimmt, der stärkt sein Eigenkapital und verbessert sein Kreditrating. Die Finanzierung fällt leichter und wird günstiger.
Wer solche Förderprogramme beantragen will, benötigt Zeit und eine Hausbank, die bereit ist, den Antrag zu stellen. Wer jetzt schon auf Vorrat zinsgünstiges Geld einkauft, ist auf der sicheren Seite. Da zeigt sich, wie wichtig eine gute Hausbankverbindung ist – und die muss ein Unternehmer pflegen. Dazu gehören Zuverlässigkeit im Umgang mit dem wichtigen Partner und Offenheit in der Kommunikation. Nur wer sich verlässlich an die vereinbarten Spielregeln hält, kann damit rechnen, dass die Bank auch in Krisenzeiten zu ihm steht. Aktuelle aussagefähige Unterlagen sind natürlich ein absolutes Muss.
Fast jeder Handwerksbetrieb hat Wirtschaftsgüter nicht gekauft, sondern geleast. Daher sind auch Leasinggeber wichtige Ansprechpartner in Krisensituationen. Das Aussetzen von Raten oder das Reduzieren von Monatsraten können ein wichtiger Beitrag zur Konsolidierung sein. Leasinggeber sind aber meist nur dann zu Zugeständnissen bereit, wenn sie ein Entgegenkommen der Hausbank erkennen. Sind allerdings die Grenzen der möglichen Leasingdauer schon erreicht (etwa 90 Prozent der Grundlaufzeit), wird der Leasinggeber nicht in der Lage sein nachzugeben.
Altkunden akquirieren
Die Akquisition von Neukunden ist in einer konjunkturellen Krise außerordentlich schwierig, weil fast alle Unternehmen einer Branche um Aufträge und Kunden kämpfen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt: Leichter gelingt die Akquisition von Altkunden. Die Bemühungen sind erfolgversprechender als bei Neukunden. In solchen Situationen zeigt sich auch, wie wichtig eine intensive Kundenbindung und eine aktuelle, aussagefähige Kundendatei für den langfristigen Geschäftserfolg sind.
Den Neustart gut planen
Die Liquidität planen
Wenn Betriebe ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, besteht akute Insolvenzgefahr. Spätestens in einer solchen Situation ist ein fundierter Liquiditätsplan unverzichtbar. Denn nur er zeigt, ob eine Zahlungsunfähigkeit eintritt. Je früher ein Unternehmer damit beginnt, einen Liquiditätsplan zu erstellen, desto besser kann er mit diesem Führungsinstrument umgehen. Deshalb sollte diese Planung heute schon zum Handwerkszeug eines Handwerksunternehmers zählen. Insbesondere bei GmbHs und Unternehmergesellschaften ist die Insolvenz ein heikles Thema. Denn die Gefahr einer Insolvenzverschleppung mit strafrechtlichen Konsequenzen für den Geschäftsführer ist sehr groß. Nur wenige Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften sind über ihre Pflichten informiert, wissen, was sie tun müssen, wenn sie in einer Krisensituation stecken. Da hilft nur das vorbeugende Gespräch mit einem Fachanwalt für Insolvenzrecht. Zudem kann der Spezialist feststellen, welche Chancen ein Insolvenzverfahren für einen Neustart bietet.
Zusatznutzen für Kunden
Wildwestmanieren sind in der Preispolitik der Betriebe zu beobachten. In Krisensituationen purzeln die Preise, unseriöse Angebote überschwemmen den Markt. Gegen solche Konkurrenten ist es schwierig, auf die Rabattbremse zu treten. Wer aber Naturalrabatte gewährt oder vernünftig kalkulierte Mengenrabatte oder Rabatte, die beim nächsten Kauf angerechnet werden, verbindet den Vorteil des Kunden mit seinem eigenen, der darin besteht, dass die Kunden wiederkommen. Wenn ein Unternehmer aber Rabatte gewährt, sollte er darauf achten, dass der Kunde den vereinbarten Preis bezahlen kann. Deshalb sollte kein Unternehmen die Bonitätsprüfung von Neu- und auch von Altkunden außer Acht lassen und sich als Gegenleistung für einen Rabatt oder anderen Preisnachlass eine Anzahlung oder Vorauszahlung des Kunden als Gegenleistung geben lassen.
Veränderungen sind notwendig
Vertrauen schaffen
In Krisensituationen verlassen gute Mitarbeiter den Betrieb schnell, weil sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nutzen wollen. Verunsicherte Mitarbeiter, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, sind demotiviert, sie boykottieren auch häufig Veränderungsprozesse. Gefragt ist deshalb eine offene Kommunikation mit den Mitarbeitern, so dass keine Phase der Orientierungslosigkeit eintritt. Unternehmer müssen den Veränderungsbedarf offen ansprechen, sie müssen den Weg zu Veränderungen aufzeigen und verständlich klären. Mindestens 60 Prozent der Mitarbeiter müssen überzeugt davon sein, dass Veränderungen notwendig sind.
Transparenz bieten
Banken und Leasinggeber werden nur dann zu Zugeständnissen bereit sein, wenn ein Unternehmer seine Prozesse im Griff hat. Dazu gehören das Forderungsmanagement ebenso wie die Transparenz über die internen Vorgänge. Betriebsdatenerfassung, insbesondere die Arbeitszeiterfassung, eine aktuelle Kalkulation mit steter Nachkalkulation und ein aussagefähiges Rechnungswesen sind die Grundlagen dafür, dass Fehlerquellen identifiziert werden können und sich ein Betrieb verschlanken kann. Jeder Unternehmer muss hier zuerst seine Hausaufgaben machen, bevor er an externe Partner herantritt.