Knapp zwei Drittel der deutschen Unternehmen unterstützen jedes Jahr soziale Projekte. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt, dass sich kleinere und mittlere Betriebe gemessen am Umsatz sogar stärker engagieren als die großen Konzerne. Darunter viele aus dem Handwerk.
Rund 64 Prozent der Unternehmen in Deutschland setzen sich in irgendeiner Form für die Gesellschaft ein. Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt eine vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebene Studie für die 4.400 Unternehmen vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln befragt wurden.
Von den größeren Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern engagieren sich sogar 96 Prozent für das Gemeinwohl. Allerdings verfügen die Konzerne meist auch über eine eigene Abteilung für Corporate Social Responsibility mit Mitarbeitern, die sich nur auf dieses Thema konzentrieren. In kleinen und mittleren Betrieben muss sich der Inhaber in der Regel noch selbst um soziale Projekte kümmern.
Mittelständler geben viel
Bemerkenswert ist, dass sich kleinere Firmen gemessen am Umsatz sogar stärker ins Zeug legen als Großunternehmen. Rund 45 Prozent der Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern geben mindestens 0,3 Prozent ihres Umsatzes für bürgerschaftliches Engagement aus. Bei den Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind es hingegen nur 16 Prozent.
Unterstützt werden von den Unternehmen am liebsten Kinder und Jugendliche. Drei von vier Unternehmen setzen sich für Schulen, Kindergärten und andere Erziehungseinrichten ein. Auch Sportvereine, Integrationsprojekte sowie Kunst und Kultur stehen in der Gunst der Betriebe weit oben. Gut jeder dritte Betrieb fördert die Bereiche Hochschule, Forschung und Weiterbildung oder setzt sich für die Umwelt ein. Entwicklungshilfe und Menschenrechte spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Hier ist nur jeder fünfte bzw. sechste Betrieb aktiv.
Region im Fokus
Soziales Engagement findet vor allem im regionalen Umfeld statt. Fast 90 Prozent der Unternehmen konzentrieren sich auf das direkte Umfeld ihres Standortes und kooperieren häufig mit regionalen Vereinen und Freiwilligenorganisationen. Arbeitgeber- und Unternehmerverbände, Kirchen und religiöse Einrichtungen oder Wohlfahrtsverbände und Stiftungen sind als Partner ebenso begehrt.
Gefördert wird vor allem mit Geld- und Sachspenden. Von den insgesamt 10,9 Milliarden Euro Spende entfielen bei den befragten Betrieben 2011 drei Viertel auf Geldspenden. Der Wert der Produkt- und Sachspenden betrug rund 1,5 Milliarden Euro. Weitere 900 Millionen Euro entfielen auf die Überlassung von betrieblicher Infrastruktur – zum Beispiel Veranstaltungsräume oder Fahrzeuge.
Die Spendenbereitschaft bei den Unternehmen ist noch lange nicht ausgereizt. So gaben gerade viele kleinere und mittlere Firmen an, dass sie gerne sozial aktiv wären, wenn sie dabei Unterstützung erhielten – etwa in Form von Zusammenschlüssen mehrerer Unternehmen zu Netzwerken oder Clustern. Helfen würden auch Anlaufstellen, die über Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements informieren. sg/iw
