BIBB-Analyse Betriebe und Jugendliche finden immer seltener zusammen

Die demografische Entwicklung und die unterschiedliche Wirtschaftsstärke einzelner Regionen führen dazu, dass Ausbildungsangebote und Ausbildungswünsche immer mehr auseinanderdriften. Aber auch das Auswahlverhalten spielt eine Rolle.

In Regionen mit Lehrstellenmangel müssen noch mehr Betriebe für eine Ausbildungsbeteiligung gewonnen werden. - © Foto: Syda Productions/Fotolia

Die Ausbildungsangebote der Betriebe und die Ausbildungswünsche der Jugendlichen driften insbesondere in regionaler und beruflicher Hinsicht immer mehr auseinander. Eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sieht die Ursachen in der demografischen Entwicklung und in der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Regionen. Aber auch das bisherige Informations- und Auswahlverhalten der Jugendlichen sowie der Betriebe sei schuld daran.

Typische Regionen, in denen es besonders viele Ausbildungsplätze, aber zu wenig Nachfrage gibt, sind die bayerischen Regionen Passau, Weilheim, Landshut-Pfarrkirchen und Freising. Aber auch Nordhausen in Thüringen zählt dazu, so das BIBB. Dagegen gibt es in Recklinghausen, Hagen, Hameln, Solingen-Wuppertal (Nordrhein-Westfalen), in Limburg-Wetzlar (Hessen) und in Frankfurt/Oder (Brandenburg) im Vergleich zur Zahl der Ausbildungsinteressenten zu wenig Ausbildungsangebote.

Lebensmittelhandwerk leidet unter Bewerberdefizit

Vor allem Ausbildungsberufe im Lebensmittelhandwerk wie Bäcker, Fleischer oder Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk als auch die Reinigungsbranche und der Gastronomiebereich leiden unter zu wenigen Bewerbungen. Dagegen herrscht Lehrstellenmangel in den beliebten Ausbildungsberufen wie Gestalter für visuelles Marketing, Fotograf, Mediengestalter Digital und Print, Bürokaufmann und Veranstaltungskaufmann.

In Regionen mit wenigen Schulabgängern komme es darauf an, insgesamt mehr Jugendliche für eine Berufsausbildung zu gewinnen, zum Beispiel Abiturienten, Studienabbrecher, Migranten sowie sozial Benachteiligte, heißt es in den Ergebnissen des BIBB. In Regionen mit Lehrstellenmangel müssen umgekehrt noch mehr Betriebe für eine Ausbildungsbeteiligung gewonnen werden, gerade auch in den von den Jugendlichen präferierten Branchen.

Angebot und Nachfrage besser zusammenführen

Das BIBB fordert von allen Beteiligten, die Anstrengungen zu vergrößern, damit das bestehende Angebot und die Nachfrage besser als bislang zusammengeführt werden könnten. Zum Teil hilft es schon, Betriebe und Jugendliche dabei zu unterstützen, eine bessere Marktübersicht zu gewinnen. In anderen Fällen müsse die Mobilitätsbereitschaft der Jugendlichen gefördert werden.

Besonders wichtig sei es, Jugendlichen ein nüchternes Bild ihrer tatsächlichen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu vermitteln. Überschätzen sie ihre Chancen, so besteht die Gefahr, dass sie sich nur noch auf vermeintlich attraktivere Berufe bewerben, während Lehrstellen in Berufen, in denen sie eine reale Chance gehabt hätten, unbesetzt bleiben. meh