Ein Neubau in der Kulmbacher Altstadt hat eine Besonderheit: Die Wärmepumpe der Heizung wird abwechselnd aus dem historischen Unterbau und von der Sonne gespeist - je nachdem, welche Quelle den höheren Ertrag liefert.
Von Anna Rockenfeller

Der Felsenkeller in der Kulmbacher Altstadt diente früher einer Brauerei als Kühlraum – heute steht auf ihm ein energieeffizienter Neubau, der auf intelligente Weise Wärme bezieht. Als Quellen dienen ein Luft-Wasser-Wärmetauscher im Keller und Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach. Welche Quelle den höheren Ertrag liefert, wird für die Heizung ausgewählt.
Erste Wärmequelle: Luft-Wasser-Wärmetauscher im Keller
Verwirklicht wurde das Projekt von zwei SHK-Unternehmen aus dem Landkreis Kulmbach: Die Firmen Schwender Energie- und Gebäudetechnik sowie Meile Technik. Zusammen mit dem Bauherrn planten die beiden Geschäftsführer Hans Schwender und Alexander Meile die Wärmeversorgung des Neubaus. Zum einen wurde in den bereits bestehenden Gewölbekeller, auf dem das Haus gebaut wurde, ein Luft-Wasser-Wärmetauscher montiert. Da der Keller tief in den Plassenberg hineinragt, herrscht dort eine konstante Temperatur von plus acht Grad Celsius. Die Konstrukteure verzichteten daher auf eine Erdbohrung, da sie laut Schwender eine geringere Temperatur gebracht hätte.
Zweite Wärmequelle: Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach
Als zweite Wärmequelle wurden Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach angebracht. Dabei wurden die Solarregister nicht über, sondern unter die Holzkonstruktion für die Ziegel gelegt. "Unter den schwarzen Dachziegeln ist es wärmer als darüber“, begründet Schwender. Da dort im Winter bei sehr niedrigen Temperaturen Frost herrscht, muss dieses Kreislaufsystem mit Sole gefüllt sein.
Welche Quelle den höheren Ertrag liefert, wird für die Heizung ausgewählt
Über eine computergesteuerte Gebäudeleittechnik wird festgestellt, wann welche Wärmequelle den besten Ertrag für die Wärmepumpe bringt. Dafür messen Sensoren in den Leitungen die jeweiligen Temperaturen. Steigt die Temperatur des Solarthermie-Kollektors unterm Dach beispielsweise über die durchschnittliche Temperatur im Felsenkeller, wird der Kollektor als Wärmequelle eingeschaltet. Andersrum gilt: Sinkt die Temperatur des Kollektors unter die Temperatur im Felsenkeller, wird der Luft-Wasser-Wärmetauscher als Wärmequelle aktiviert.
Wasser-Wasser-Wärmepumpe liefert Heizwärme
Beide Quellen liefern die von der Sonne beziehungsweise Luft gespeiste Wärme an eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Sie speist die Heizwärme anschließend über einen Pufferspeicher mit 1.000 Liter in das Verteilsystem des Hauses ein. Als Heizflächen dienen Wand- und Fußbodenheizungen. Damit in dem System kein Frostschaden entsteht, überträgt ein zusätzlicher Wärmetauscher die Wärme des Solekreislaufs auf den Wasserkreislauf der Wärmepumpe.
Energiekosten gesenkt
Insgesamt hat der Neubau des Wohnhauses inklusive Dämmung 350.000 Euro gekostet. Laut Schwender sind das circa 30.000 Euro mehr als bei einem Bau mit konventioneller Gasheizung. Die Energiekosten für Heizen und Kühlen betrugen im Jahr 2015/2016 knapp 550 Euro. Im Vergleich zu einem dem heutigen technischen Standard entsprechenden hochgedämmten Einfamilienhaus bedeute das eine Einsparung von etwa 60 Prozent.
Angenehmes Raumgefühl
Der Bauherr und Wohnungsinhaber ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: "Durch die mit dem Raumklima korrespondierenden Wände und Böden ergibt sich stets ein angenehmes Raumgefühl“, sagt der Bauherr. Zwar wurde auf eine automatische Lüftung verzichtet, die Gefahr einer Schimmelbildung bestehe laut Schwender bei diesem hochwärmegedämmten Gebäude jedoch nicht. Denn die Luftfeuchtigkeit in den Räumen sei stets konstant und werde durch die Beschaffenheit des Putzes auf den Holzmauerwerkswänden ausgeglichen.
Bei der gewählten Wärmepumpe liegt der COP-Wert bei einem Verhältnis von Wärmequellentemperatur (erster Wert) zur Wasserheiztemperatur bei:
- 0°C und 35°C bei 4,88
- 0°C und 50°C bei 3,30
- 7°C und 35°C bei 5,77
- 7°C und 50°C bei 4,00