IW-Expertin Chrischilles im Interview "Bis 2020 wird die EEG-Umlage steigen"

IW-Expertin Esther Chrischilles über die Förderung erneuerbarer Energien und die Auswirkung auf den Strompreis.

Karin Birk

Esther Chrischilles ist Senior Economist im Kompetenzfeld Umwelt, Energie, ­Infrastruktur beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). - © IW Köln

DHZ: Frau Chrischilles, die Umlage zur Förderung von Strom aus Wind und Sonne nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) steigt weiter. Warum?

Chrischilles: Schon 2015 betrug die Förderung bestehender Anlagen rund 23 Milliarden Euro im Jahr oder 6,35 Cent pro Kilowattstunde. Geld, das Erzeuger von erneuerbaren Energien garantiert bekommen, weil sie alleine am Strommarkt nicht genug Geld verdienen. Auch 2017 ist das nicht anders. Hinzu kommt das Geld für neue Anlagen. Alleine durch den Zubau kommen in den nächsten zehn Jahren je nach Szenario nochmal 3,3 bis zu 6,9 Milliarden Euro pro Jahr hinzu.

DHZ: Wo sehen Sie die EEG-Umlage im Jahr 2025?

Chrischilles: Die EEG-Umlage ist von so vielen Einflussgrößen abhängig, so dass eine präzise Aussage kaum möglich ist. Nur soviel ist sicher. Bis 2020 wird die EEG-Umlage steigen. Ab dann könnte sie moderater ansteigen oder sogar langsam sinken. In den drei Szenarien, die berechnet wurden, liegt die EEG-Umlage zwischen 7,5 und 10 Cent im Jahr 2025 – maßgeblich bestimmend ist hier der Strompreis. Aber auch der Zubau in bestimmten Segmenten außerhalb der Ausschreibungen – etwa bei Übergangsregelungen für Windenergie und kleinen PV-Anlagen – bergen Risiken.

DHZ: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wollte mit seiner EEG-Novelle diesen Trend brechen. Was läuft da schief?

Chrischilles: Man muss zu seiner Verteidigung sagen, dass er mit der EEG-Reform und den Ausschreibungen wichtige und richtige Schritte getan hat. Andernfalls wären die Kostensteigerungen vermutlich noch höher ausgefallen. Es fehlt gleichwohl an den großen und mutigeren Konzepten. Zum Beispiel darüber, wie innerhalb des EEG Ausschreibungen so weiterentwickelt werden können, dass alle Technologien untereinander im Wettbewerb stehen.

DHZ: Die Preise an der Strombörse sind gesunken. Weshalb geben die Stromanbieter die niedrigen Preise nicht an die Kunden weiter?

Chrischilles: In Teilen tun sie das, aber nicht komplett. Das liegt auch daran, dass sich Stromanbieter nicht nur am kurzfristigen Markt, sondern auch auf Vorrat an Terminmärkten Strom kaufen. Da sind die Preise oft etwas höher. Da erneuerbare Energien nicht zu jeder Zeit liefern, muss mehr für Flexibilität und Versorgungssicherheit im System bezahlt werden. Dieser Posten findet sich zunehmend nicht mehr im Börsenstrompreis, sondern in den Netzentgelten wieder. Auch diese Mehrkosten schlagen sich in den Haushaltsstrompreisen nieder und kompensieren den kostensenkenden Effekt der Börsenstrompreise teilweise.

DHZ: Was müsste Ihrer Ansicht nach passieren, damit der Strompreis nicht durch die Decke geht und die Energiewende nicht abgewürgt wird?

Chrischilles: Wir brauchen belastbare Vorstellungen und Pläne für einen regenerativ geprägten Strommarkt ohne Förderung. Ein graduelles und planbares Ausstiegszenario für das EEG gehört dafür auch heute schon skizziert. Bis dahin sollte wie gesagt an effizienten – zum Beispiel technologieoffenen – Ausschreibungen gearbeitet werden. Um die Kosten der Übergangsphase einer parlamentarischen Kontrolle zu unterziehen, sollte auch über eine Finanzierung der Förderkosten durch den öffentlichen Haushalt und nicht über den Strompreis nachgedacht werden.