Deutschland hinkt noch immer den Klimazielen hinterher. Es wird zu wenig in die energetische Gebäudesanierung investiert. Dabei zeigt diese bereits Wirkung. Was die Sanierungsrate blockiert und wie sie sich entwickelt hat.

Die Sanierungsanstrengungen im Gebäudebereich des vergangenen Jahres zeigen Wirkung: Der Heizenergiebedarf bei Mehrfamilienhäuser ist allein 2015 um sechs Prozent gesunken. Eine Tendenz, die sich schon seit einigen Jahren abzeichnet, nun aber deutlicher wird: Seit dem Jahr 2003 ist er um 18 Prozent gesunken. Die Angaben stammen aus dem Wärmemonitor vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Energiedienstleister Ista, über den die "Süddeutsche Zeitung online" vorab berichtet.
Für die Stu die haben DIW und Ista Heizkostenabrechnungen von tausenden Mehrfamilienhäusern in Deutschland ausgewertet und auch den Einfluss des Wetters berücksichtigt. So sind die sinkenden Werte laut DIW vor allem auf die Gebäudesanierung zurückzuführen.
Es wird weniger statt mehr saniert
Doch die Sanierungsrate liegt noch lange nicht so hoch wie sie liegen müsste, um die Klimaziele zu erreichen, die sich die Bundesregierung vorgenommen hat. Demnach soll der Energiebedarf bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent sinken. Der Wärmebedarf der Wohnungen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Fast 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland gehen auf das Konto des Gebäudesektors.
Statt zu steigen, sinkt die Sanierungsrate in den vergangenen Jahren allerdings. Wurden im Jahr 2010 noch rund 40,9 Milliarden Euro in die Gebäudesanierung oder den Austausch von Heizkesseln gesteckt, so waren es 2014 nur noch 34,8 Milliarden Euro. 15 Prozent weniger Euro für das Dämmen und energetische Sanieren sind das den Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge.
Durch fachgerechtes Modernisieren und den Einsatz moderner Gebäudetechnik kann der Energiebedarf auf bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste die Sanierungsrate bei mindestens zwei Prozent liegen. Doch sie verharrt bei einem Prozent der Gebäude.
Gebäudesanierung: Kleine Betriebe und private Eigentümer fördern
Problemtisch wirkt der Sanierungsrate zudem die Entwicklung bei den Öl- und Gaspreisen entgegen. Denn diese sinken und so sinkt auch der Bedarf der Gebäudebesitzer durch energetische Sanierungen Geld zu sparen. Der Wärmemonitor gibt an, dass eine Kilowattstunde Wärmeenergie im Jahr 2015 im bundesweiten Schnitt sechs Prozent weniger kostete als 2014.
Ansetzen müsste man laut DIW bei kleinen Unternehmen und privaten Gebäudeeigentümern , die mehr Unterstützung bei der Sanierung bräuchten. Große Immobilienfirmen, die mehr als 1.000 Wohnungen vermieten, sind dagegen schon stärker dabei in die energetische Gebäudesanierung zu investieren. Eigentümer, die nur wenige Wohnungen besitzen, sanieren dagegen weniger umfassend und seltener. jtw