Frühjahrsumfrage zur Konjunktur Handwerk baut Umsatz auf

Auch wenn sich die deutsche Wirtschaft gerade einzutrüben scheint: Das Handwerk erwartet für 2015 weiterhin ein ordentliches Umsatzplus. Dennoch läuft einiges noch unrund.

Gebaut wird immer: Das Bauhandwerk muss sich keine Sorgen machen, auch wenn die Geschäfte zuletzt etwas ruhiger liefen. - © Foto: djama/Fotolia

Der Konjunktur-Start ins Jahr ist gelungen. Laut der Frühjahrsumfrage im Handwerk sehen 86 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder zufriedenstellend an.
91 Prozent erwarten für die Zukunft gute oder sogar bessere Geschäfte. "Auch wenn sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld etwas abkühlt, bleiben wir bei der Prognose von 1,5 Prozent Umsatzsteigerung im Handwerk", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, auf der Frühjahrskonferenz des Deutschen Handwerkskammertags (DHKT) in Wiesbaden.

Mehr Personal wird laut Schwannecke deswegen aber nicht eingestellt. "Ein Beschäftigungsaufbau bleibt aus." Als Gründe nannte er die Schwierigkeiten der Firmen, Nachwuchs und Fachkräfte zu gewinnen, sowie das vorzeitige Ausscheiden älterer Beschäftigter.

Der Geschäftsklima-Index, der aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen gebündelt wird, erreicht im ersten Quartal 2015 mit 88,5 Zählern exakt den Wert des ebenfalls starken Vorjahresquartals. Das hat auch bereits der Konjunkturspiegel der Deutschen Handwerks Zeitung bestätigt. Bei Auftragseingang, Umsatz und Beschäftigung wurde das Niveau des Vorjahresquartals aber nicht erreicht.

"Der Mittelstand fühlt sich als Spielball von Umverteilungsprojekten"

Viele Gewerke laufen weiterhin rund. Von der guten Industrie-Auslastung profitierten die Gewerke für den gewerblichen Bedarf. Die Geschäftslage legte hier um drei Punkte zu. Auch sind die Lebensmittelhandwerke und das persönliche Dienstleistungsgewerbe Nutznießer der Konsumlaune der Verbraucher. Verhalten läuft dagegen das Kraftfahrzeughandwerk, vor allem das Servicegeschäft liefere wenig Impulse.

Im Bauhandwerk wird die Geschäftslage etwas schwächer beurteilt – allerdings von einem sehr hohen Niveau ausgehend. Die Auslastung der Betriebe sank im ersten Quartal. Die Ausbauhandwerke stehen etwas besser da, die Auftragsreichweite ist hier gestiegen. Insgesamt ist die Lage am Bau aber noch gut.

Harald Brandes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden und Gastgeber der DHKT-Konferenz, kann das für seine Region bestätigen: "Positive Stimmungsgeber – mit Ausnahme der Straßenbauer – sind die Bau- und Ausbauhandwerke und außerdem die Handwerke für gewerblichen Bedarf." Auch die Lebensmittelhandwerke registrierten eine "äußerst gute Geschäftslage".

Bislang kein 'Jahr der Wirtschaft'

Die politische Bestandsaufnahme Schwanneckes fällt dagegen wenig zufrieden aus: "Vertreter der Großen Koalition haben erklärt, 2015 zum ‚Jahr der Wirtschaft‘ zu machen. Doch das ist bisher nicht gelungen. Vor allem der Mittelstand fühlt sich zunehmend als Spielball von Umverteilungs- und Regulierungsprojekten und damit in seiner Rolle als Stabilisator der deutschen Wirtschaft beschädigt", sagte er.

Als Beispiele nannte er unter anderem die Rentenpolitik ("Rente mit 63") und die Arbeitsmarktpolitik (Mindestlohn). Schwannecke resümiert: "Wir brauchen die richtigen Rahmenbedingungen für das 21. Jahrhundert. Die Große Koalition hat die Mehrheiten dafür. Es ist nie zu spät, sich auf die eigene Ankündigung eines ‚Jahres der Wirtschaft‘ zu besinnen." dhz