Das Stimmungsbarometer des deutschen Handwerks ist im Laufe des Winters nur moderat nach unten ausgeschlagen. Der Geschäftslage-Index verlor zwei Punkte. Das Niveau ist aber weiterhin verhältnismäßig hoch: 85 Prozent der Betriebe erachten ihre derzeitige Situation für gut oder befriedigend. Das geht aus der laufenden Konjunkturbefragung der Handwerkskammern mit gut 9.000 Teilnehmern hervor.

Auch der Vergleich mit dem entsprechenden Wert aus dem Vorjahr zeichnet ein beinahe unverändert freundliches Bild. Im Winter 2014 waren 86 Prozent mit ihrer Geschäftslage zufrieden.
Die Handwerkskonjunktur steht auf einem stabilen Fundament. Niedrige Zinsen und billiges Öl bescheren der deutschen Wirtschaft ein Konjunkturprogramm. Der private Wohnungsbau läuft seit Jahren gut, zuletzt erholte sich auch der Automarkt. Die Verbraucher konsumieren kräftig, weil sie sich keine Sorgen um den Arbeitsplatz machen müssen und die Löhne deutlich anziehen.
Umsatzentwicklung noch offen
Leider stoppte der Bundesrat die steuerliche Förderung der energetischen Sanierung; einen besseren Zeitpunkt, um die auflebende Investitionsbereitschaft zu nutzen, kann man sich kaum vorstellen.
Hinter der Umsatzentwicklung des Handwerks steht derzeit noch ein Fragezeichen. Nur 14 Prozent der Befragten berichteten von einer positiven Entwicklung, 49 Prozent hielten das Niveau aus dem Vorquartal. Da der Winter 2015 längst nicht so mild war wie sein Vorgänger 2014, dürften die nominalen Umsätze übers Jahr betrachtet geschrumpft sein. Dafür spricht auch der Rückgang bei der Auslastung von 75 auf 74 Prozent.
Wenn das Wetter keine Außenarbeiten zulässt, staut sich der Auftragsbestand. Zwischen Januar und März stieg die Auftragsreichweite von 1,3 auf 1,7 Monate. Ein Blick auf den Auftragseingang verrät, dass dahinter auch eine robuste konjunkturelle Dynamik steckt. Nur 28 Prozent der Betriebe meldeten eine abflauende Bestelltätigkeit, gegenüber 27 Prozent vor einem Jahr.
Personalabbau durch Mindestlohn nicht ablesbar
Jede zwölfte Firma stockte die Belegschaft auf, 16 Prozent mussten oder wollten mit weniger Personal auskommen. Gemessen am hohen Vorjahresniveau dürfte die Zahl der im Handwerk tätigen Personen leicht gesunken sein. Ein spürbarer Abbau, der mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Zusammenhang steht, ist bisher an den Zahlen nicht ablesbar.
Laut Creditreform zahlen 92 Prozent im Handwerk bereits Löhne über 8,50 Euro. Wer jedoch anpassen muss, steht vor dem Problem, dass die Abstände bei den Löhnen von Ungelernten und Fachkräften mitunter nicht mehr gegeben sind. Die kommenden Monate werden zeigen, inwiefern sich die Mehrkosten auf die Preise überwälzen lassen. Auf alle Fälle halten die Handwerker die Dokumentationspflichten, die ihnen der Mindestlohn auferlegt, für viel zu bürokratisch. we/los