Bis zum Jahr 2020 will die Bundesregierung den Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehrswege auf maximal 30 Hektar pro Tag verringern. Was in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie 2002 festgeschrieben wurde, wirkt inzwischen immer unrealistischer. Denn aktuell liegt der Flächenverbrauch noch mehr als doppelt so hoch, wie die Regierung nach einer Kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag zugeben musste.

Nach Angaben des Umweltmini steriums werden in Deutschland täglich rund 73 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen, was einer Fläche von rund 104 Fußballfeldern entspricht. Damit liegt der Flächenverbrauch auch deutlich über dem für 2015 ausgegebenen Zwischenziel von 55 Hektar pro Tag, was vor allem Umweltverbände und die Allianz pro Schiene kritisieren. Vor allem der große Flächenverbrauch für die Verkehrsinfrastruktur stößt bei dem Bündnis zur Förderung des Schienenverkehrs auf Unverständnis.
"Mittlerweile kommt jeder Deutsche auf eine Verkehrsfläche, die viermal größer ist als die durchschnittliche Wohnfläche pro Bürger", rechnet Dirk Flege, der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, vor. 2013 hatte die Fläche für Verkehrszwecke eine durchschnittliche Größe von 224 Quadratmeter pro Einwohner erreicht. Im Vergleich dazu muss jeder Bürger mit einer Wohnfläche von 46 Quadratmetern auskommen, teilte die Allianz pro Schiene mit Hinweis auf aktuelle amtliche Zahlen mit.
Für immer weniger Menschen immer mehr Asphalt
Allerdings gebe es im Verhältnis Wohn- und Verkehrsfläche beträchtliche Unterschiede zwischen den Bundesländern . Nach einer Auf stellung der Allianz pro Schiene ist Berlin das einzige Bundesland, in dem pro Bürger mehr Wohn- (40 m2) als Verkehrsfläche (39 m2) zur Verfügung steht, während Brandenburg zehnmal mehr Verkehrs- (449 m2) als Wohnfläche (44 m2) pro Einwohner ausweist.
Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt seien die einzigen Bundesländer, deren Verkehrsflächenbestand seit 2011 leicht gesunken ist. In allen anderen Bundesländern zeige sich dagegen ein Wachstum der Verkehrsfläche. "Am schlechte sten schneiden die ostdeutschen Flächenländer Brandenburg und Thüringen ab. Dort wird für immer weniger Menschen immer mehr Asphalt verbaut", sagte Dirk Flege. Positiv verlaufe die Entwicklung in Berlin und Hamburg. "Hier wächst die Verkehrsfläche nur noch wenig, während die Bevölkerung deutlich zunimmt." ste