Handwerker bauen um Vorbilder in Energieeffizienz

Ressourcen werden knapp, Energie wird teurer: Von energieeffizientem Arbeiten profitieren zwei - die Umwelt und die Unternehmen. Wie drei Handwerker ihre Betriebe für die Zukunft um- und aufgerüstet haben.

Frank Muck und Mirabell Schmidt

Bäcker Frank Clement, Textilreiniger Joachim Krause und Fleischer René Hartmann haben in Energieeffizienz investiert. - © Foto: Clement

Der Sparfuchs – Fleischerei Hartmann in Göhren

Dass es im Betrieb von Fleischermeister René Hartmann großes Potenzial in Sachen Energieeffizienz gibt, war nach der ersten Beratung durch die KfW klar. Ein befreundeter Heizungsinstallateur hatte ihm zu diesem Schritt geraten, anstatt seine altersschwache Heizung teuer reparieren zu lassen. Seit einiger Zeit gibt es einen Plan – überprüft von der Handwerkskammer Gera im Rahmen des Projektes "Entwicklungswerkstatt Energieeffizienz": Hartmann bekommt eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, sein Betrieb wird von Heizöl auf Gas umgestellt, es wird ein Energiecontrolling eingeführt und die Beleuchtung in den Arbeitsräumen auf LED-Lampen umgestellt.

Fleischer René Hartmann hat einen Plan und nimmt für einen energieeffizienten Betrieb 50.000 Euro in die Hand. - © Foto: Hartmann

Vier Jahre, bis sich Investitionen amortisiert haben

Das Ganze soll Hartmann eine Ersparnis von 14.000 Euro im Jahr bringen. Die Kühlung ist derzeit der größte Stromfresser. Bislang verbraucht Hartmann jährlich 70.000 bis 80.000 Kilowattstunden – und zahlt dafür rund 20.000 Euro. Hinzu kommt das Heizöl, das nochmal mit 6.000 bis 7.000 Euro zu Buche schlägt. Alleine durch die Regelungstechnik des Energiecontrollings soll die Fleischerei künftig 16 Megawattstunden einsparen. Die Beleuchtung bringt noch einmal 5,7 und die Wärmerückgewinnung des BHKWs 5,2 Megawattstunden Ersparnis im Jahr.

Um seinen Betrieb energieeffizienter zu machen, nimmt der Handwerker rund 50.000 Euro in die Hand. Innerhalb von vier Jahren werden sich die Investitionen amortisiert haben. Nun wartet Hartmann nur noch darauf, mit seinem Projekt endlich loslegen zu können. Zuvor muss die Gemeinde das Gasnetz ausbauen – und das sollte eigentlich schon längst erledigt sein.

Tipp von René Hartmann

"Betriebe, die ein solches Projekt vorhaben, sollten sich unbedingt erkundigen, welche staatlichen Förderungen zur Verfügung stehen. Der erste Schritt ist es aber, sich beraten zu lassen. Man sollte beim Thema Energieeffizienz auf keinen Fall nach dem Bauchgefühl handeln, sondern Sachverständige hinzuziehen."

Der Pionier – Textilreinigung CHMS in Rödental

Textilreiniger Joachim Krause ist Pinonier in Sachen Energieeffizienz. - © Foto: Frank Wunderatsch

Bei Textilreinigermeister Joachim Krause hat alles mit dem Umzug 1990 von Coburg nach Rödental ­begonnen. Krause sammelte Verbrauchsdaten und erkannte schnell das Einsparpotenzial in Form neuer Waschtechnik. Er kaufte Waschmaschinen, die über eine Wasserrückgewinnung verfügen. Es folgten weitere Investitionen in umweltfreundliche und effiziente Technik, etwa die Installation einer neuen Heizanlage und ein Regenwasserauffangbecken.

"Die Sache bekam eine gewisse Eigendynamik", erinnert sich Krause, der so viel Ehrgeiz bei dem Thema entwickelte, dass er einen eigenen – inzwischen patentierten – Trommelfilter erfand. Der Filter dient dazu, das verwendete Waschwasser wieder aufzubereiten. Die Schwebstoffe werden herausgefiltert, um das Wasser für alle Wärmetauschertypen nutzbar zu machen. Qualitativ hochwertigeres Wasser kann außerdem besser im Prozess wiederverwendet werden.

Unterstützung vom Technologieberater

Das Ergebnis spricht für sich: Verbrauchte CHMS 1990 noch 24 Kubikmeter Wasser pro Tonne Wäsche, so sind es heute nur noch 2,2 Kubikmeter. Krause verließ sich bei den Optimierungsmaßnahmen jedoch nicht nur auf sein eigenes Geschick, sondern baute Kontakte zur Technischen Hochschule in Nürnberg auf. Auch der Technologieberater der Handwerkskammer für Oberfranken unterstützte Krause bei der Ausarbeitung von langfristigen Energieverbrauchszielen.

Langsam, aber sicher, will Krause seinen Betrieb an seinen Sohn übergeben. Seinem Steckenpferd Energie und Umwelt bleibt er in einer eigens gegründeten Beraterfirma zur energetischen Optimierung von Betrieben jedoch treu.

Tipp von Joachim Krause

Joachim Krause rät zu einer ganzheitlichen Betrachtung. Man muss sich fragen, wo Energien aufgebaut werden und wo diese eventuell verteilt werden können. Anschließend sollte man Sparpotenziale festlegen anhand der Benchmarks in der Branche. Wichtig sei die regelmäßige technische Kontrolle, um Energieverlusten durch Defekte vorzubeugen.

Der Erneuerer – Bäckerei Clement in Sachsenheim

Bäckermeister Frank Clement hat nun eine energieeffiziente, gläserne Produktion. - © Foto: Clement

Eine neue Backstube – gläsern und energieeffizient, das war das Ziel von Bäckermeister Frank Clement aus Sachsenheim bei Stuttgart, als er vor einigen Jahren mit den Planungen für eine neue Produktion begann. Der Verbrauch der Anlagen sollte mindestens 20 Prozent unter den Richtlinien der Energieeinsparverordnung bleiben. Denn dann gibt es Förderung – und es spart Geld. Das hat Clement geschafft – zumindest schon einmal auf dem Papier. Ende November eröffnete die neue Produktion.

Gleicher Energiebedarf bei größerer Produktion

Um Energie zu sparen, hat der Geschäftsführer eine Rauchgas- und eine Wärmerückgewinnungsanlage in seinen Betrieb integriert, mit denen er die Wärme aus den Öfen erneut nutzt. Damit heizt er Brauchwasser und Gebäude. Mittels Rohren, die in den Beton eingelassen sind, wird der Betonkern des Hauses aktiviert und gewärmt. Puffer können gewisse Mengen der Abwärme speichern.

"Wir gehen davon aus, dass wir künftig etwa denselben Energiebedarf haben, aber unsere Produktivität wird um 20 Prozent steigen", sagt Clement. Denn durch die Produktionserweiterung schafft der Bäckermeister 15 neue Arbeitsplätze. Für sein Vorhaben investierte er – unterstützt von der Baden-Württembergischen Bürgschaftsbank – insgesamt 2,5 Millionen Euro. Derzeit macht die Bäckerei einen Umsatz von zwei Millionen Euro, künftig sollen es 2,7 Millionen Euro sein. Clement: "Konservativ gerechnet haben wir so in 15 Jahren einen Großteil des Kredites abgetragen."

Tipp von Frank Clement

"Das wichtigste ist, von Anfang einen Plan zu haben und den konsequent zu verfolgen. Natürlich kann man auch Kompromisse eingehen, aber nicht an den Grundstrukturen rütteln. Außerdem muss man die richtigen Partner und den richtigen Zeitpunkt finden, um solche Projekte umzusetzen.“"