Seit 2003 zahlen Stromkunden einen Anteil für den Ausbau erneuerbarer Energien. Diese EEG-Umlage wird 2015 erstmals sinken. Warum nicht mit großen Preissenkungen zu rechnen ist und welche anderen Faktoren den Strompreis bestimmen.

Strom könnte im kommenden Jahr billiger werden, zumindest theoretisch. Erstmals seit der Einführung der EEG-Umlage wird der Anteil 2015 sinken. Von 6,24 auf rund 6,17 Cent pro Kilowattstunde. Dies teilten die vier für die Verwaltung des Ökostrom-Kontos verantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber diesen Mittwoch mit.
Privatkunden verbrauchen im Durchschnitt 3.500 bis 4.000 Kilowattstunden im Jahr. Die Ersparnis liegt damit zwischen 2,50 und 3 Euro für 2015. Dies ist nicht viel, könnte aber nach jahrelangem Anstieg der Strompreise zu einer Entspannung beitragen. Ähnlich sieht es bei kleinen Betrieben aus, die keine energieintensiven Arbeiten verrichten.
Strompreis wird trotzdem kaum sinken
"Die geringe Absenkung der EEG-Umlage sorgt nur für ein Atemholen bei Betrieben und Privatkunden. Ursache sind einmalige finanzierungstechnische Sondereffekte. Aktuelle Prognosen sagen einen erneuten Anstieg der Umlage bereits im Jahr 2016 voraus", sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. "Wir fordern eine grundsätzliche Umgestaltung des EEG-Fördermechanismus. Die Vergütung des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen muss sich endlich an den tatsächlichen Marktgegebenheiten orientieren."
Verbraucherschützer rechnen nur mit minimalen Strompreissenkungen, denn die Energieversorger müssten die Preise an die Endkunden weitergeben. Das tun sie aber seit Jahren nicht. Außerdem ist die EEG-Umlage nicht die einzige Komponente die den Strompreis bestimmt. Ein weiterer Faktor ist zum Beispiel das Netzentgelt. Nach Berechnungen des Verbraucherportals Verivox kann es wegen steigenden Netzentgelten in einzelnen Regionen weiterhin zu Preiserhöhungen kommen.
Udo Sieverding von der NRW-Verbraucherzentrale rät Stromkunden aber dennoch darauf zu achten, ob der Anbieter in den nächsten Wochen Strompreiserhöhungen ankündigt. Falls ja, sollte man über einen Anbieterwechsel nachdenken. "Viele Versorger müssten nach unseren Berechnungen die Strompreise senken", sagt Sieverding, "Seit Jahren beobachten wir, dass Erhöhungen von EEG-Umlage und Netzentgelten 1:1 oder sogar mit Aufschlag weitergegeben werden.»
Industrierabatte sind umstritten
Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wurde im Jahr 2000 eingeführt und seit 2003 wird die darin verankerte EEG-Umlage erhoben. Betreiber einer Solar-, Windkraft-, Wasserkraft- oder Biogasanlage erhalten nach dem Anschluss ans Netz eine feste Vergütung für zwanzig Jahre. Davon wird der für den Strom erzielte Preis abgezogen, der Rest wird mit der Umlage ausgeglichen.
Hauptgrund für die hohe Umlage ist der Preisverfall bei Solarmodulen aus China. Diese haben zu einem massiven Zubau geführt. Damit erhalten nun viel mehr Betreiber die garantierte Vergütung vom Staat.
Umstritten ist die Umlage, weil sie zur Wettbewerbsverzerrungen führt und weil die energieintensive Industrie hohe Vergünstigungen erhält. Etwa fünf Milliarden Rabatt für stromintensive Unternehmen müssen die anderen Stromkunden ausgleichen.
Ausbau erneuerbarer Energien erhält Zuspruch
Trotz der Debatten finden die Deutschen, laut einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Agentur für erneuerbare Energien, den Ökostrom-Ausbau wichtig. Nur 34 Prozent meinen, dass erneuerbare Energien langfristig nicht zu Strompreissenkungen führen. 75 Prozent ist der Ausbau wichtig, um den Kindern eine sichere Zukunft zu bieten. jb
Wie sich der Strompreis zusammensetzt
Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 bzw. 4.000 Kilowattstunden setzt sich der Strompreis folgendermaßen zusammen:
- Erzeugung, Vertrieb, Marge: 485 bzw. 554 Euro
- Ökostrom-Umlage: 218 bzw. 250 Euro
- Mehrwertsteuer von 19 Prozent: 162 bzw. 186 Euro
- Stromsteuer: 71 bzw. 82 Euro
- Konzessionsabgabe: 62 bzw. 71 Euro
- Haftungsumlage für Probleme bei Meer-Windparks und Umlage für Rabatte bei Netzentgelten: 9 bzw. 10 Euro
- Kraft-Wärme-Kopplungsaufschlag: 6,30 bzw. 7,20 Euro