Benzinpreise in Zeiten der Krisen "Eine Ölknappheit ist nicht zu befürchten"

Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbands, Klaus Picard, erklärt, wie Krisen und Benzinpreise zusammenhängen. Um unsere Versorgung macht er sich kurzfristig keine Sorgen. Dafür wird aber der Wettbewerb der Tankstellen immer schärfer.

Karin Birk

DHZ: Herr Picard, die Spritpreise sind jüngst gesunken. In der Ferienzeit ist dies eher ungewöhnlich. Was steckt dahinter?
Picard: Mit der Ferienzeit hat das wenig zu tun. Bestimmend für die Benzin- und Dieselpreise ist der Rohölpreis, der in den vergangenen acht Wochen wegen der guten Versorgung auf den Weltmärkten permanent gesunken ist. Hinzu kommen die Nachfrageschwankungen bei den Kraftstoffen. Richtschnur für den Tankstellenpreis ist der Einkaufspreis für Benzin. Der scharfe Wettbewerb unter den Tankstellen lässt da kaum Spielraum. Für die Unternehmen bleibt oft weniger als ein Cent pro Liter übrig.

DHZ: Der Nahe Osten ist aber alles andere als politisch stabil – gleichwohl sprechen Sie von einer guten Versorgung. Wie das?
Picard: Trotz der Krisen fördern und liefern Länder wie Libyen und Irak nach wie vor Öl. Hinzu kommt, dass Saudi-Arabien flexibel auf Marktänderungen reagieren kann: Sollte die Produktion irgendwo ausfallen, kann das Land dank hoher Förderreserven die Ölförderung erhöhen.

"USA setzen auf Fracking"

DHZ: Mittlerweile stillen auch die USA ihren Energiehunger durch mehr Förderung von Gas und Öl. Stehen wir damit vor einem Jahrzehnt billiger Energie?
Picard: Die USA entwickeln sich durch das so genannte Fracking zum Selbstversorger bei Öl und Gas. Wir haben mit den USA einen großen Ölproduzenten bekommen, der die verfügbare Ölmenge deutlich erhöht. Ein Einfluss auf den langfristigen Ölpreis lässt sich daraus nicht ableiten, da die preisbestimmende Angebots- und Nachfrageentwicklung von vielen Faktoren abhängt. Sicher ist, dass wir noch längst nicht an die Öl-Fördergrenzen gestoßen sind. Ein Ende des Ölzeitalters ist nicht in Sicht.

DHZ: Neben Angebot und Nachfrage nach Rohöl bestimmt auch der Euro-Dollar-Wechselkurs den Benzinpreis. In jüngster Vergangenheit hat der Euro gegenüber dem Dollar deutlich an Wert verloren. Müsste Benzin da nicht deutlich teurer werden?
Picard: Grund für den Ölpreisrückgang auch in Euro ist, dass der Ölpreis in Dollar stärker fällt als der Euro. Anfang Mai stand der Euro noch bei 1,40 Dollar, aktuell notiert er bei 1,32 Dollar. Gleichzeitig fiel der Preis für ein Barrel Rohöl von 85 auf 76 Euro.

"Kraftstoffabsatz sinkt wegen effizienterer Autos"

DHZ: Sie haben im Interview ganz zu Anfang vom starken Wettbewerb unter den Tankstellen gesprochen. Seit Ende des Jahres 2013 müssen Tankstellen ihre Preise auch an
die Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts melden. Inwiefern hat auch dies den Wettbewerb beflügelt?

Picard: Tatsache ist, dass der Wettbewerb schon vorher deutlich zugenommen hat. Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Kraftstoffabsatz durch immer effizientere Fahrzeuge abnimmt. Bei Benzin im Trend sind das etwa um die fünf Prozent pro Jahr.

DHZ: Aber ein Tankstellen-Sterben gibt es deswegen auch nicht in Deutschland?
Picard: Die Zahl der Tankstellen ist mit 14.300 ungefähr gleich geblieben. Der Kampf um den Kunden wird daher immer härter. Das geht so weit, dass der Benzinpreis im Tagesverlauf immer weiter sinkt und am Abend häufig nicht einmal mehr die Vertriebskosten hereinspielt – bis der Benzinpreis in der Nacht dann wieder anzieht.