Viele Handwerksunternehmer müssen sich strecken, um sich die steigenden Stromkosten noch leisten zu können. Ein Tarifvergleich kann viel Geld sparen. Dabei sollte ein genauer Blick auf die Vertragsdetaills geworfen werden.

Kleinere und mittlere Unternehmen bezahlen derzeit rund 15 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren für ihren Strom. Das zeigt eine Auswertung der Analysten des Vergleichsportals Verivox. Ein Gewerbebetrieb mit einer jährlichen Abnahmemenge von 10.000 Kilowattstunden bezahlt in der Grundversorgung im Januar 2014 durchschnittlich 24,69 Cent (netto) pro kWh. Im Januar 2012 lagen die Kosten noch bei 21,64 Cent pro Kilowattstunde.
Durch den Ausbau der Stromnetze ist bei den Netznutzungsentgelten mit weiteren Steigerungen zu rechnen. Das Ausmaß ist derzeit aber noch nicht abzusehen. Dies gilt auch für die Ökostromabgabe. Deren Begrenzung hängt im Wesentlichen davon ab, welche Regelungen die Bundesregierung bei der Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) trifft.
Bei den Beschaffungspreisen gehen die Experten davon aus, dass sie eher konstant bleiben – derzeit gibt es keine Indikatoren für stärkere Anstiege. Offen ist derzeit wie sich Steuern und Abgaben weiter entwickeln.
"Wir erwarten für Gewerbekunden im günstigsten Fall ein mehr oder weniger konstantes Niveau. Aufgrund der hohen EEG-Umlage und steigender Netzentgelte könnte es je nach Anbieter aber auch zu weiter steigenden Strompreisen in diesem Kundensegment kommen", sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. "Daher sollten Gewerbekunden ihre Strombeschaffung beständig optimieren."
Standort kann Kosten einsparen
Die Strompreise sind auch vom Standort eines Betriebs abhängig. Unternehmen mit Sitz in Bremen kommen beim örtlichen Energieversorger und einem angenommenen Verbrauch von 10.000 kWh im Jahr mit 2.252 Euro am günstigsten weg. Dahinter folgen Hamburg und Bayern. Am teuersten ist der regionale Anbieter derzeit in Sachsen-Anhalt mit 2.488 Euro für 10.000 kWh im Jahr.
Wer hingegen einen Ökotarif oder sogar einen Ökotarif mit Gütesiegel nutzen möchten, muss dafür nicht unbedingt viel mehr ausgeben als für den herkömmlichen Strom. So ist der Öko-/Klimatarif eines regionalen Anbieters bei gleichem Jahresverbrauch in Bremen für 2.285 Euro zu haben. Die Preisdifferenz beträgt damit nur 33 Euro im Jahr.
Worauf Gewerbebetriebe achten sollten
Gewerbekunden, die Geld sparen wollen, erhalten bei Vergleichsportalen im Internet eine genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Tarifauswahl. Verschiedene Portale vergleichen Energiepreise für kleinere und mittlere Unternehmen, die über haushaltsübliche Stromzähler beliefert werden. Durch die Auswahl spezifischer Profile gibt es für jeden Betrieb ein individuelles Angebot. Gewerbekunden mit haushaltsüblichen Stromzählern erhalten so eine Tarifübersicht, die genau diese verschiedenen Verbrauchsprofile für unterschiedliche Gewerbearten berücksichtigt.
Durch den Preisvergleich nach Gewerbekategorien können Unternehmen mit speziellen Stromverbräuchen, beispielsweise Bäckereien, deutliche Preisvorteile erzielen. Eine Bäckerei mit einem Stromjahresverbrauch von 36.000 kWh kann so beispielsweise eine Ersparnis von rund 15 Prozent erzielen, was die Kosten in diesem Fall um über 1.000 Euro im Jahr reduziert.
Für Sondervertragskunden mit höheren Verbräuchen gibt es die Möglichkeit, sich durch optimale Beschaffung günstigere Strompreise zu sichern. Ein speziell auf diese Kundengruppe zugeschnittener Service senkt die Kosten nachhaltig. Gewerbekunden mit registrierter Leistungsmessung (RLM) können ihren Strombezug ausschreiben lassen und das für sie passendste Angebot auswählen. Dabei kann ausgewählt werden, ob einmalig optimiert oder der Energieeinkauf dauerhaft an einen Dienstleister übergeben werden soll. Zusätzlich können die Kosten für alle Abnahmestellen permanent kontrolliert und durch wiederkehrende Ausschreibungen optimiert werden.
Die Details beim Stromtarif
Der ideale Stromtarif sollte eine möglichst kurze Kündigungsfrist und Vertragslaufzeit haben, sowie über eine Preisgarantie verfügen. Je kürzer die Vertragslaufzeit ist, desto flexibler ist der Kunde.
Die Vertragslaufzeit sollte nicht über 12 Monaten liegen und der Preis muss für diesen Zeitraum garantiert sein. Bei der Vertragslaufzeit sollte man sich auch genau anschauen, welche Fristen beim Kündigen zu beachten sind und ob sich der Vertrag nach Ablauf der Erstvertragslaufzeit automatisch um einen bestimmten Zeitraum verlängert. Empfehlenswert ist eine kurze Kündigungsfrist von bis zu sechs Wochen.
Mit Preisgarantien können sich die Kunden einen Preis für eine festgesetzte Laufzeit sichern. Das ist besonders interessant, wenn ein günstiges Angebot vorliegt und Preiserhöhungen bevorstehen. Wichtig ist dabei die Art der angebotenen Preisgarantie. Eine eingeschränkte Preisgarantie bezieht sich auf den Energiekostenanteil sowie die Netznutzungsentgelte, nicht aber auf sämtliche Steuern, Abgaben und Umlagen. Bei Änderungen diese staatlichen Preisbestandteile können die Preise entsprechend angepasst werden.
Im Gegensatz dazu gibt es die vollständige Preisgarantie, in der auch Energiesteuern, Umlagen und Abgaben enthalten sind. Nur Änderungen der Mehrwertsteuer dürfen direkt weitergegeben werden.
Weniger umfassend als die eingeschränkte Preisgarantie ist die "Energiepreisgarantie": Hier wird nur der Energiekostenanteil des Gesamtpreises garantiert. Änderungen bei Netzentgelten oder im Bereich der Steuern und Abgaben können vom Anbieter direkt weitergegeben werden.
Viele Stromlieferanten werben mit einem Neukundenbonus für das erste Vertragsjahr. Kunden haben durch den Neukundenbonus die Möglichkeit, ihren Stromtarif deutlich zu reduzieren. Zu beachten ist dabei, dass der Bonus nur einmalig ausgezahlt, also im zweiten Belieferungsjahr nicht mehr gewährt wird.
Vorsicht bei besonderen Angeboten
Ungewöhnliche Tarifmodelle, wie etwa jährliche Vorauskasse oder Strompakete, sollte man im Normalfall nicht berücksichtigen. Mit Strompaketen kauft man eine feste Menge Strom für einen Zeitraum von z.B. einem Jahr. Braucht man das Paket nicht auf, verfällt der Rest in der Regel. Verbraucht man mehr Strom, muss man teurer nachzahlen. Dennoch können sich Pakete rechnen. Sie empfehlen sich vor allem für Verbraucher mit einem stabilen Stromverbrauch.
Darüber hinaus sind Strommix und Ökostrom-Zertifikate gute Entscheidungskriterien. Vergleichsportale wie Verivox bewerten zusätzlich regelmäßig die Servicequalität und Kundenfreundlichkeit der Vertragsgestaltung der wichtigsten Stromanbieter. Die Ergebnisse bieten weitere Anhaltspunkte für den Vergleich von Preis und Leistung der Anbieter.
Mehr Details zur aktuellen Strompreisentwicklung und den regionalen Stromtarifen finden Sie hier zum Download:
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