Deutscher Umweltpreis Dämmstoff: Hanf hoffähig gemacht

Juckreiz beim Verarbeiten von Dämmstoffen muss nicht sein. Wer auf Naturmaterialien statt auf die herkömmliche Mineralwolle setzt, kann entspannter arbeiten und schont dabei auch noch die Umwelt. Eine gelernte Arzthelferin hat das erkannt und aus Hanffasern einen ökologischen Dämmstoff ent­wickelt.

Carmen Hock-Heyl. - © Foto: DBU, Daniel Karmann

In der Zimmerei ihrer Eltern hat Carmen Hock-Heyl die Probleme der Handwerker miterlebt, die herkömm­liche Faserdämmstoffe wie Stein- oder Glaswolle auslösen. Dämmmatten aus Hanf könnten hingegen ohne gesundheitsschädigende Substanzen herge stellt werden – und das bei deutlich geringerem Energieaufwand, so die Überlegung von Hock-Heyl, die für ihre Entwicklung den deutschen Umweltpreis 2013 erhalten hat

Modellhafter Stoff- und Wirtschaftskreislauf

"Ohne die Vision, das unternehmerische Durchsetzungsvermögen und den Mut zum Risiko von Carmen Hock-Heyl gäbe es heute keine Dämmmatten aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf", begründete der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, die Entscheidung der Jury.

Carmen Hock-Heyl habe den gesamten Prozess von der Aussaat und Ernte des Hanfs über Entwicklung und Produktion der Dämmstoffmatten bis hin zum Recycling komplett neu aufgebaut, für ihre Produkte geworben, viel Geld investiert und Überzeugungsarbeit gelei stet. Am Ende sei ein modellhafter Stoff- und Wirtschaftskreislauf entstanden, der die Wertschöpfung aller Beteiligten sicher stellte.

Der Weg, bis sich der schon 1997 als Marke registrierte Thermo-Hanf auf dem europäischen Markt durchgesetzt hatte, war lang. 1998 wurde in Stutensee bei Karlsruhe die Firma Hock gegründet, deren Geschäftsführung Carmen Hock-Heyl übernahm. Seit 2003 produziert das Unternehmen die Dämmmatten selbst, mit denen es inzwischen zum Marktführer für Naturdämmstoffe aus Hanf geworden ist. Nach dem Umzug der Firma ins bayrische Nördlingen sind dort heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt.

250.000 Euro für Verband für Naturdämmstoffe

Das neu ste Produkt der Firma Hock ist der vollständig biologisch abbaubare Thermo-Hanf Plus, bei dem die aus Kunststoff herge stellten Stützfasern durch Maisstärke ersetzt wurden. Für den Brandschutz setzt Hock keine Chemikalien als Flammschutzmittel ein, sondern Soda. Das Salz der Kohlensäure setze im Falle eines Feuers keine giftigen Dämpfe frei.

Der deutsche Umweltpreis ist mit 250.000 Euro dotiert. Carmen Hock-Heyl will mit dem Preisgeld einen Verband für Naturdämmstoffe gründen. "Denn alle Her steller von nachwachsenden Dämmstoffen wie Hanf, Wolle, Flachs oder Cellulose brauchen eine Interessenvertretung, weil sie bislang in Wirtschaft und Politik kaum Gehör finden", sagt die Preisträgerin. ste