Die Strompreise sind in Deutschland bereits im ersten Halbjahr 2013 für Endverbraucher um zwölf Prozent gestiegen. Das liegt weniger am Markt als mehr an der Politik, denn eigentlich fallen die Preise. Eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird dringender denn je. Ein weiterer Preisanstieg ist schon angekündigt.

Energiemärkte haben sich in diesem Jahr beruhigt, doch trotzdem bezahlen die Endverbraucher immer mehr. Das liegt daran, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien wesentlich über den Strompreis finanziert wird. Um hier Entlastungen zu schaffen, müsste das EEG endliche eine neue Form bekommen, doch vor der Wahl ist keine Einigung mehr zu erwarten – auch wenn die Deutschen Energie-Agentur (Dena) eine rasche Reform fordert.
Nach Berechnungen der dena müssen Verbraucher und kleine Betriebe, die nicht von der EEG-Umlage befreit sind, zukünftig mit einem deutlichen Anstieg der Umlage um 1,5 Cent pro Jahr rechnen, wenn alles beim Alten bleibt. Zurzeit beträgt die Umlage 5,28 Cent je Kilowattstunde.
Grund für den befürchteten Preissprung sei der Bau neuer Solar- und Windkraftanlagen. Jährlich kämen so rund 9.000 Megawatt Ökostromleistung hinzu, die mit der Umlage finanziert werden muss. dena-Geschäftsführer Stephan Kohler forderte deshalb in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" einen Stopp des "planlosen Zubaus".
"Wer Ökostrom erzeugt, soll ihn selbst vermarkten"
Neue Windräder und Solaranlagen dürften erst installiert werden, wenn der Netzanschluss stehe und ihre Betreiber Stromabnehmer nachweisen könnten. Auch die Vorrangeinspeisung für grünen Strom und feste Vergütungssätze will der dena-Chef abschaffen: "Wer Ökostrom erzeugt, soll ihn auch selbst vermarkten", sagte Kohler.
Doch wie kommt die derzeitige Spaltung der Energiekosten zustande? Warum steigen die Kosten, wenn die Preise an den Börsen eigentlich sinken? Denn in diesem Jahr gönnen die Märkte den Energiekunden eine Pause beim Anstieg auf immer neue Preisgipfel. Der Preis für Rohöl, ein Ankerpreis der Energiemärkte, lag seit Jahresbeginn für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent meistens in einer relativ engen Bandbreite zwischen 100 und 110 Dollar. Nach dem jüngsten Anstieg wegen der Unruhen in Ägypten kletterte der Preis knapp darüber, aber das ist noch kein Ausreißer nach oben und wird von vielen Marktbeobachtern als ein kurzfristiger Effekt beurteilt.
Ähnliches gilt für Gas, das tendenziell auf den Weltmärkten eher günstiger wird. Die Einfuhrpreise von Erdgas sind nach den Daten des Statistischen Bundesamtes gesunken. Beim Verbraucher kommt davon nicht viel an, er musste im Juni für Gas etwas mehr als zum Jahresbeginn bezahlen, in der Größenordnung von einem Prozent. Das kann aber je nach Region und Anbieter recht unterschiedlich sein.
Geltende Rahmenbedingungen belasten
Gleichzeitig hat sich der Kurs von Euro zu Dollar im Bereich um die 1,30 Dollar stabilisiert, oft auch darüber. Damit gibt es auf den Märkten für die Endverbraucher keinen Grund für steigende Preise. Dennoch werden die Bundesbürger in diesem Jahr voraussichtlich mehr Geld für Energie ausgeben müssen als im Vorjahr. Zum einen war das Frühjahr sehr kalt und die Heizungen in Wohnungen und Büros liefen bis in den Mai auf Hochtouren. Folge: Der Energieverbrauch stieg kräftig an.
Zum anderen sind die Strompreise für Endverbraucher im ersten Halbjahr um zwölf Prozent gestiegen. Das liegt weniger am Markt als mehr an der Politik, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien wesentlich über den Strompreis finanziert wird. Im Energiebudget der Verbraucher und kleinen Betriebe ist Strom nur manchmal (abhängig von den Branchen) der größte Kostenblock. Für Heizung und Kraftstoffe müssen sie deutlich mehr aufbringen.
Aber der Anstieg, der sich unter den geltenden Rahmenbedingungen fortsetzen wird, belastet die Endenergienutzer spürbar. Die Parteien überbieten sich im Bundestagswahlkampf mit Vorschlägen für eine Strompreisbremse. Was jedoch wirklich am Ende herauskommt, ist offen. jtw/dpa