Solarworld vorerst gerettet Deutschlands größter Solarhersteller wird saniert

Die deutsche Solarbranche ist gespalten: Die einen wollen einen freien Markt, die anderen sind mit dem EU-Kompromiss gegen Dumpingpreise aus China unzufrieden. Zu kämpfen haben sie alle mit der sinkenden Förderung. Aufatmen kann nun der größte deutsche Hersteller: Solarworld ist vor der Pleite gerettet – vorerst zumindest.

Solarworld ist erst einmal gerettet, aber die Zukunft der Solarbranche bleibt ungewiss. - © Foto: zstock/Fotolia

Es war ein langer Prozess bis nach den Gläubigern endlich auch die Aktionäre dem Rettungsplan für Deutschlands größter Solarmodulhersteller Solarworld zustimmten. Nun verlieren sie fast alle Anteile, aber die drohende Insolvenz ist erst einmal abgewendet.

Am späten Mittwochabend stimmten die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Bonn mit 99,1 Prozent einem Rettungsplan für das hoch verschuldete Unternehmen zu, wie Solarworld mitteilte. Damit ist der Weg frei für das geplante Sanierungskonzept. Es soll im Februar 2014 abgeschlossen sein.

Hart umkämpfter Markt

Solarworld muss sich nun weiter auf einem hart umkämpften Markt behaupten, denn Preisverfall und Überkapazitäten machen der Solarbranche zu schaffen. Auf der einen Seite drücken Förderkürzungen auf den europäischen Heimatmärkten, auf der anderen Seite die Konkurrenz aus China.

2012 betrug der Verlust alleine von Solarworld knapp 480 Millionen Euro. Nun müssen die Aktionäre für die Sanierung einen drastischen Kapitalschnitt von unterm Strich 95 Prozent schlucken. Statt 150 Aktien werden sie zunächst nur noch eine Aktie im Depot haben. Aber auch die Gläubiger verzichten auf einen großen Teil ihrer Forderungen, um dem Unternehmen eine Überlebenschance zu geben. Davor hatten die Darlehensbanken den Sanierungsplänen ebenfalls mit dem Verzicht auf Forderungen zugestimmt.

Dachanlagen statt Solarparks

Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen vor allem an der "Billigkonkurrenz" aus China gescheitert und hat sich deshalb auch für die Strafzölle stark gemacht, die die EU-Kommission gegen Dumpingpreise verhängt hat. Dass seit kurzem – statt noch höhere Zölle – Mindestpreise gelten, sehen Solarworld und andere Hersteller, die sich in der Initiative EU ProSun zusammengetan haben, kritisch und als weitere Gefahr für die Solarwirtschaft.

Viele Installateure aus dem Handwerk sind dagegen anderer Meinung und setzen sich für einen freien Markt ein. Die Gegeninitiative zu EU ProSun heißt "Allianz für bezahlbare Solarenergie" (Afase) und ist gegen jegliche Strafzölle. Was dem Handwerk eher zu schaffen macht, sind die sinkenden Förderungen und die Unsicherheit, die dadurch bei Betrieben und ihren Kunden besteht.

Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen hat sich nach Angaben des Bundesverband Solarwirtschaft im ersten Halbjahr 2013 etwa halbiert und das Solarhandwerk konzentriert sich immer stärker, statt auf die großen Anlagen auf den Feldern, nur noch auf die kleinen Dachanlagen und auf Speichertechnik. Pro Monat kommen bei den Dachanlagen immer noch etwa zwischen 6.000 und 10.000 dazu . jtw/dpa