Bundesrat verweigert EnEV 2012 die Zustimmung Klimaschutz in der Klemme: Energiesparverordnung lässt auf sich warten

Die neue Energieeinsparverordnung lässt weiter auf sich warten. Schon als EnEV 2012 angekündigt, fand das Regelwerk jetzt im Bundesrat keine Zustimmung. Nach dem Scheitern der steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung droht nun eine weitere Hängepartie beim Klimaschutz.

Ulrich Steudel

© Foto: KfW-Bildarchiv/Thomas Klewar

Die EnEV 2012 sollte längst unter Dach und Fach sein. Doch sie stand von Beginn an in der Kritik. Bau- und Ausbaugewerke befürchteten eine Kostenexplosion für Altbauten, die die Eigentümer vor einer Sanierung abschrecken würde. Doch im Entwurf der neuen EnEV, den die Bundesregierung im Februar beschlossen hat, sind Bestandsgebäude ausgenommen.

Für Neubauten sollen die Anforderungen an die Energieeffizienz dagegen in zwei Stufen um jeweils 12,5 Prozent steigen. Dieter Kuhlenkamp, Referent des Arbeitskreises der Gebäudeenergieberater in der Bundesvereinigung der Bauwirtschaft (BVB), hält das für vertretbar: „Die Ziele sind anspruchsvoll, aber zu schaffen.“

Die Psychologie am Bau

Jetzt würden die Bauhandwerker am liebsten loslegen. Doch wann die neue EnEV in Kraft tritt, steht in den Sternen. „Hoffentlich kommt es nach der Bundestagswahl nicht zu generellen Neuverhandlungen. Das würde die Stagnation am Markt weiter verschärfen“, befürchtet Udo Wirges, Referatsleiter Energie- und Klimaschutzpolitik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Denn viele Bauwillige warten erst einmal ab, weil es an Planungssicherheit fehlt.

Behindert werden potenzielle Häuslebauer durch die Entscheidung des Bundesrates indes nicht. Wer heute baut, muss sich an die Vorgaben der momentan gültigen EnEV 2009 halten. Aber wie auf dem Börsenparkett spielt auch beim Neubau die Psychologie eine wichtige Rolle, glaubt Wirges. „Jeder will doch zukunftssicher bauen.“

„EnEV easy“ überflüssig

Rundum zufrieden ist man im Handwerk mit dem Entwurf der neuen EnEV allerdings auch noch nicht. Vor allem das neue Nachweisverfahren „EnEV ­easy“ würden die Handwerksvertreter am liebsten aus der Vorlage streichen. „EnEV easy“ wurde vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik im Auftrag des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums erarbeitet. Es soll das umfangreiche Berechnungsverfahren der EnEV vereinfachen. „Dabei sorgt es nur für Konfusion“, klagt Heinrich Bartholemy von der technischen Informationsstelle des Malerhandwerks. Zudem werde durch das starre System die Auswahl an Sanierungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt.

Sanierungskampagne kommt

Inzwischen wächst der Druck auf die Politik, die Novelle der EnEV rasch zu verabschieden. Eine Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz, der auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks, die BVB und der ZVSHK angehören, fordert in einem offenen Brief die politisch Verantwortlichen auf, „spätestens mit Beginn der neuen Legislaturperiode die Erschließung von Energieeffizienzpotenzialen auf eine tragfähige Grundlage zu stellen“.

Gleichzeitig hat die Deutsche Energie-Agentur, die das Bündnis aus Unternehmen, Verbänden und Forschungseinrichtungen geschmiedet hat, eine gewerkeübergreifende Sanierungskampagne angekündigt. Sie soll neue Impulse zur Erhöhung der Sanierungsquote setzen. Denn das monatelange Tauziehen um die EnEV habe bei den Verbrauchern für unnötige Verunsicherung gesorgt. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen.