Umweltschutz und Energiewende Regierung erteilt neuen Anreizprogrammen eine Absage

Erst die Wirtschaft, dann die Umwelt: 35 Prozent der Deutschen werten den Umweltschutz als zweitwichtigste Herausforderung – direkt nach der Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung. Trotz dieser Einstellung geht das Engagement fürs Energiesparen in Bevölkerung und Politik zurück. Die Bundesregierung will keine neuen Anreizprogramme mehr auflegen.

Das Energiesparen im Alltag verliert bei den Deutschen an Bedeutung. Zwar beziehen immer mehr Haushalte Ökostrom, doch energieeffiziente Geräte werden nicht mehr so gezielt eingesetzt, ergab die neue Umweltbewusstseinsstudie. - © Foto: fotomek/Fotolia

Zwar bewerten die Deutschen den Umwelt- und Klimaschutz als wichtige politische Aufgabe, doch ihre Bereitschaft zum eigenen umweltfreundlichen Handeln sinkt. Erntete die Energiewende anfangs breite Zustimmung, so scheinen immer mehr Verbraucher dem 'Energie einsparen' und 'Ressourcen schonen' weniger Bereitschaft beizumessen, seitdem die Energiekosten immer stärker steigen. Auch die neue Umweltbewusstseinsstudie 2012 zeigt Widersprüche.

Ehrgeiz beim Stromsparen erlahmt

Gemeinsam mit dem Chef des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, stellte Bundesumweltminister Peter Altmaier die Studie am vergangenen Freitag vor. Daraus geht hervor, dass der Umweltschutz für 35 Prozent der Befragten zwar eines der wichtigsten Probleme in Deutschland ist – nach der Wirtschafts- und Finanzpolitik, die 36 Prozent als vordringlich bezeichneten.

Nur noch 74 Prozent der Befragten gab an, nicht benötigte Haushaltsgeräte abzuschalten, 2010 waren es noch 83 Prozent. Auch sank der Anteil der Käufer energieeffizienter Geräte von 65 Prozent auf 52 Prozent. Die Werte sind damit etwa auf dem Niveau von 2008.

Das hohe Umweltbewusstsein stößt beim konkreten Verhalten an Grenzen. Zwar geben mittlerweile 20 Prozent der Befragten an, Ökostrom zu beziehen, was mehr als eine Verdoppelung seit 2010 darstellt. Doch im Alltag und bei größeren Anschaffungen sei vor allem der Preis ausschlaggebend. Und so bewertet auch der Umweltminister den wirtschaftlichen Fokus der Energiewende als besonders stark. Wie die "tageszeitung" berichtet, forderte er, dass die Umstellung auf eine "grünere" Wirtschaft preisgünstiger gestaltet werden müsse.

Keine neuen Finanzspritzen mehr

Eigene neue Anreizprogramme will die Bundesregierung jedoch vorerst nicht auflegen. Dafür fehle das Geld. "Ich sehe keine Spielräume für neue großflächige Anreizprogramme", betonte Altmaier bei der Präsentation der Ergebnisse. Im Bundeshaushalt gebe es hierfür keine finanziellen Möglichkeiten.

Zudem sei gerade erst beschlossen worden, dass die energetische Gebäudesanierung von Seiten des Bundes finanziell stärker gefördert werde, da der Steuerbonus an der Blockade der Länder gescheitert war. Auch sei ein Programm zur Förderung von Stromspeichern bei Solaranlagen geplant. Altmaier setzt deshalb vor allem auf Aufklärung und Information.

Die Umweltbewusstseinsstudie wird seit 1996 alle zwei Jahre vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt erhoben. Befragt wurden im Juli und August 2.000 Personen. jtw/dapd

Die Ergebnisse der Studie im Detail finden Sie hier.