Führende Wirtschaftsforschungsinstitute sind unzufrieden mit der Umsetzung der Energiewende in Deutschland. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, warf der Bundesregierung Versäumnisse vor. Auch ZDH-Präsident Otto Kentzler zeigt sich besorgt über die hohen Energiepreise.
Franz, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist, sagte in einem dapd-Interview: "Für die kommenden Jahre ergeben sich für die Energiepolitik drei Großbaustellen: Netzausbau und -umbau, Zubau bei Kraftwerkskapazitäten und Minimierung der Kosten für die Förderung erneuerbarer Energien."
Diese Aufgaben müssten "zu einem Gesamtkonzept verzahnt werden, bei dem die Abfolge der Reformschritte und Fördermaßnahmen aufeinander abgestimmt sind". Ein solches Konzept sei aber "bisher nicht zu erkennen".
Schmidt forderte, die Bundesregierung müsse unbedingt mehr als bisher unternehmen, um einen Anstieg der Energiepreise zu verhindern. Er mahnte: "Das Ausbautempo bei den Erneuerbaren muss verlangsamt und an das Tempo des Infrastrukturausbaus angepasst werden.
Ein Überschießen beim Ziel für 2020, den Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung auf 35 Prozent zu steigern, muss vermieden werden, wenn der Strompreisanstieg gedämpft werden soll."
Energiewende stockt
Handwerkspräsident Otto Kentzler hat sich ebenfalls besorgt über den Anstieg der Energiepreise in Deutschland geäußert. Kentzler sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Die Politik muss bei der Förderung erneuerbarer Energien schnell umsteuern, um wenigstens den weiteren Preisanstieg zu bremsen." Er warnte: "Ein politisch motivierter Stillstand im Wahljahr wird sehr teuer."
Kentzler kritisierte, die Energiewende stocke an vielen Stellen. Beispiele seien der Netzausbau und der Zubau neuer Kraftwerke zur Grundlastsicherung. Gleichzeitig drohten "die Kosten aus dem Ruder zu laufen".
Der Handwerkspräsident fügte hinzu: "Die Politik hat es geschafft, dass in der Öffentlichkeit fast ausschließlich über die Kosten geredet wird - und über die Dinge, die nicht klappen. Dabei bietet die Energiewende uns so viele Chancen."
Photovoltaik-Elemente seien "so günstig geworden, dass viele Betriebe damit Sonnenstrom für den Eigenverbrauch produzieren".
Kentzler: "Das kann inzwischen günstiger sein als der Bezug über den Versorger. Das ist ein Beleg dafür, dass wir deutlich mehr auf den Wettbewerb vertrauen können. Darauf muss die künftige Förderstruktur ausgerichtet sein." dapd
