Auch wenn zum Jahreswechsel die Stromkosten erst einmal steigen und der Umstieg auf mehr erneuerbare Energien dadurch in die Kritik gerät, werden die Preise langfristig sinken. Nach Ansicht des Fraunhofer-Instituts ist sogar eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien möglich – und das ohne Preisaufschlag.

Die Energiewende kostet die Deutschen eine Stange Geld. Aber das nur für die Zeitspanne der Investitionen in neue Technik, danach werden die Kosten sinken und langfristig niedriger bleiben können als heute. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg hat neu berechnet wie sich die Energiewende und speziell der Umstieg auf eine reine Ökostromversorgung auf die Kosten auswirkt.
Fossile Brennstoffe sind Kostentreiber
Im Ergebnis zeigt sich, dass die Bereitstellung von 100 Prozent erneuerbaren Energien im Strom- und Wärmesektor Deutschlands sowohl technisch möglich ist als auch, dass die jährlichen Gesamtausgaben dafür nicht höher liegen als die Kosten unserer heutigen Energieversorgung. Nach erfolgter Umstellung des Energiesystems würden die Kosten demnach pro Jahr zwischen 107 und 123 Milliarden Euro liegen. Im Vergleich dazu liegen die Kosten momentan in Deutschland bei jährlich mindestens 133 Milliarden Euro.
Die hohen Kosten der momentanen Versorgung über einen Mix aus erneuerbaren und fossilen Brennstoffen liegen laut ISE besonders an den Kosten für die Brennstoffe. Und dabei sei jetzt noch gar nicht klar, welche Preissteigerungen bei den fossilen Energien zukünftig auf uns zukommen, erklärt der Forscher Hans-Martin Henning gegenüber der "tageszeitung" (taz). Nicht erneuerbare Rohstoffe werden immer knapper und damit teurer.
Doch die Fraunhofer-Solarexperten bringen in ihre Studie auch die Kosten mit ein, die die Erneuerung und Wartung der Windstrom- und Solaranlagen, der Biomasseerzeuger und anderen grünen Kraftwerke mit sich bringen. Auch das kostet Geld und auch diese Kosten haben langfristig gesehen Auswirkung auf den Strompreis. Nach den Berechnungen liegen diese aber trotzdem unter denen, die ohne den Umbau auf uns zukommen.
In ihrer Studie legen die Forscher verschiedene Szenarien mit verschiedenen Anteilen an Ökostrom zugrunde. Um jedoch eine so kostenoptimierte 100-Prozent-Versorgung zu ermöglichen, muss der Ausbau der erneuerbaren Energien noch strak vorangetrieben werden. Einen Zeitpunkt, wann das möglich wäre, nennen die Forscher nicht. Wie der langjährige Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, Hand-Jörg Bullinger im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung sagte, muss die Politik erst einmal für verlässliche Rahmenbedingungen sorgen.
Investitionen in Gebäudesanierung wären nötig
Mit der Entscheidung des Vermittlungsausschusses von Bund und Ländern gegen die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung hat die Bundesregierung jedoch in dieser Woche kein Vorwärtskommen demonstriert. Denn eine wichtige Voraussetzung des Umbaus auf eine reine Ökostromversorgung ist laut den ISE-Forschern, dass der Heizwärmebedarf für Gebäude durch energetische Gebäudesanierung auf rund 50 Prozent des Wertes in 2010 sinkt und dafür wären erhebliche Investitionen nötig.
Grundsätzlich bedarf es für die Umstellung auf eine 100-Prozent-Versorgung nach ISE-Berechnungen 170 Gigawatt Windkraft an Land, von denen bisher nur 30 Gigawatt realisiert sind. Zusätzlich sind 83 Gigawatt Windkraft auf See nötig – heute sind davon erst 0,2 Gigawatt möglich – und die Photovoltaik müsste auf 220 Gigawatt sowie die Solarthermie auf 193 Gigawatt ausgebaut werden. Der bisherige Stand der Photovoltaik liegt bei 32 Gigawatt und der Solarthermie bei 11 Gigawatt. jtw