Neben mehr Stromautobahnen braucht Deutschland nach einer Studie auch neue Verteilnetze von bis zu 193.000 Kilometern Länge, um die Energiewende zu schaffen. Zugleich boomen sogenannte Energiegenossenschaften. Bürger, Kommunen, Banken und Unternehmen organisieren sich, um die die dezentrale Energieversorgung voranzutreiben.
Nach der am Dienstag veröffentlichten Studie der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena) ergibt sich ein Neubaubedarf zwischen 135.000 und 193.000 Kilometern bis 2030. Bis zu 25 000 Kilometer im Netz müssten umgebaut werden. Als Kostenrahmen werden 27,5 bis 42,5 Milliarden Euro veranschlagt. Von allem die Mittel- und Hochspannungsebene müsste ausgebaut werden.
Die Verteilnetze sind im übertragenen Sinn die Land-, Kreis- und Gemeindestraßen im deutschen Stromnetz, während die Stromautobahnen den Strom in großen Mengen über lange Distanzen transportieren.
Durch die überall zunehmende Wind- und Solarstromproduktion kommt den Verteilnetzen die Aufgabe zu, den Ökostrom auf den unteren Spannungsebenen zu verteilen. Die Dena betont, dass die Kapazität nicht mehr reiche, um regional überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien abzutransportieren. 2011 verdreifachte sich zum Beispiel wegen der Netzengpässe die zwangsweise Abschaltung von Windparks.
Renditen nicht auskömmlich
"Um die Investitionen in den Netzbetrieb und die Instandhaltung des Verteilnetzes sicherzustellen, hat die Bundesnetzagentur eine attraktive Rendite rechtlich festgelegt", sagte Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler.
Allerdings zeige sich in der Praxis, dass sich durch den hohen Ausbaubedarf oft Renditen ergeben würden, «die für die Verteilnetzbetreiber nicht auskömmlich sind». Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) als Sprachrohr der Stadtwerke kritisierte, die derzeitigen Rahmenbedingungen würden nötige Investitionen abwürgen.
Um die Energiewende trotz der Schwierigkeiten voranzutreiben, gründen immer mehr Bürger und Unternehmen Energiegenossenschaften. Eine von ihnen ist beispielsweise die Energiegenossenschaft Odenwald in Südhessen.
Sie ging am 16. Februar 2009 an den Start und ihre Bilanz kann sich sehen lassen. "Heute erzeugen wir 13,5 Megawatt an Strom im Jahr. Das entspricht dem Verbrauch von rund 4.000 Privathaushalten", sagt Vorstandschef Christian Breunig. Die Genossenschaft steht zudem für mehr als 1.000 Aufträge an Handwerker in der Region.
"Verzinst wird das eingebrachte Kapital bisher mit rund 3,5 Prozent bei zweijähriger Kündigungsfrist", sagt Breunig. Doch dabei bleibt es nicht. Ab 2013 sollen die Mitglieder den Strom zu Preisen beziehen können, die teilweise unter dem Marktpreis liegen sollen.
Erfahren Sie mehr über Energiegenossenschaften in dem DHZ-Beitrag "Bürger nehmen Energiewende in die Hand". dpa/dhz
