Energiewende Netzausbau hinkt den Plänen massiv hinterher

Zwanzig Milliarden Euro hat die Bundesregierung für den Ausbau und Umbau der Stromnetze veranschlagt. Zwanzig Milliarden Euro, die angeblich nötig sind, damit die Energiewende gelingt. Da Zweifel an den Plänen laut wurden, hat Kanzlerin Merkel den Netzausbau sogar zur Chefsache erklärt. Doch all der Druck scheint nichts zu nützen. Der Netzausbau geht nicht voran, nur zwei der 24 geplanten Vorhaben sind bislang in Betrieb.

Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland kommt nach Angaben der Bundesnetzagentur nur schleppend voran. Viel mehr Leitungen als bislang fertig sind, sollten bereits in Betrieb sein. - © JWS/Fotolia

Obwohl Studien gezeigt haben, dass der Ausbau der Stromnetze durch den verstärkten Einsatz dezentraler Energieversorgung überflüssig werden könnte, hat die Bundesregierung den Plänen höchste Priorität eingeräumt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat höchstpersönlich erklärt, dass mit dem Vorantreiben des Netzausbaus die Energiewende wieder alle Chancen bekommen würden, noch bis 2022 den Ausstieg aus der Atomkraft und den Umstieg auf regenerative Energien zu bewältigen. Doch aktuell sieht es eher danach aus, als mache auch der Netzausbau eine längere Sommerpause.

Denn die Bundesnetzagentur hat weitere Verzögerungen bei dem Netzausbau gemeldet. Kaum eines der Projekte, die im Rahmen des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) beschlossen wurden, ist zum heutigen Stand so weit vorangekommen wie es die Pläne eigentlich vorsehen. Wie die Behörde meldet, "gibt es bei der Mehrzahl der 24 Projekte, deren Notwendigkeit bereits vor der Energiewende festgestellt wurde, weiter teils deutliche Verzögerungen".

Kein Fortschritt seit Mai

Von den 24 geplanten Leitungen sind bisher leidglich zwei in Betrieb gegangen. Bei 15 der 24 Vorhaben kommt es zu einem Zeitverzug von voraussichtlich einem bis fünf Jahren, meldet die Bundesnetzagentur in ihrem EnLAG-Monitoringbericht, in dem sie regelmäßig den Stand aller Vorhaben veröffentlicht, die der Gesetzgeber bereits vor der Energiewende im EnLAG 2009 für vordringlich erklärt hat und die in der Zuständigkeit der Länder geplant werden. Die Ergebnisse veröffentlicht die Behörde quartalsweise unter netzausbau.de .

Mit diesen Ergebnissen bleiben die bundesweiten Zahlen im zweiten Quartal 2012 unverändert auf dem Stand von Mai. Insgesamt sind im Rahmen des Netzentwicklungsplans 3.800 Kilometer neue Stromtrassen in Deutschland vorgesehen, rund 4.000 Kilometer der vorhandenen Stromautobahnen müssen aufgerüstet werden. Als dringlich erklärt wurden 1.834 km EnLAG-Leitungen, von denen bislang aber nur  214 km realisiert wurden.

Nun warnt die Bundesnetzagentur, dass dringend Handlungsbedarf bestehe. "Der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes muss dringend beschleunigt werden", betonte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Bereits die Daten des ersten Quartals 2012 hätten Anlass zur Sorge gegeben und trotzdem ist nichts geschehen. Weder hat die Regierung die Pläne nochmals überarbeitet, noch hat sie Alternativen mit einbezogen.

Gerät die Energiewende erneut ins Stocken?

Zwar konnten Verbraucher und Unternehmen bis zum 10. Juli eigene Vorschläge zum Netzausbau einbringen. Doch weder aus diesen Anregungen, noch aus den vielen Vorschlägen und bereits konkreten Praxisbeispielen, die das Handwerk Tag für Tag mit dem Einbau immer mehr und immer effizienterer lokaler Anlagen liefert, hat die Politik etwas mit in die Kalkulationen einbezogen. Gerät die Energiewende nun erneut ins Stocken?

Konkret beschreibt Homann, dass sich unter anderem die Inbetriebnahme der EnLAG Vorhaben Lauchstädt-Redwitz und Redwitz-Grafenrheinfeld aufgrund der Komplexität der Verfahren um ein weiteres Jahr verzögern werden. "Positiv sind dagegen der Baubeginn im schleswig-holsteinischen Teil der Trasse Hamburg/Krümmel-Schwerin sowie Baufortschritte zwischen Osterath und Weißenthurm zu bewerten", sagt der Behördenchef. Wie weit der Netzausbau in den einzelnen Regionen wirklich ist und welche Standorte von den Verzögerungen betroffen sind können Sie aus folgender Deutschlandkarte und aus dem Bericht der Bundesnetzagentur ablesen. jtw