Die Energiewende hinkt ihrem Zeitplan hinterher, Zweifel an den Zielen werden laut. Sowohl die Solarbranche als auch die Elektromobilität sind noch massiv abhängig von finanzieller Förderung. Das Problem liegt in der Speichertechnik. Sie ist teuer und noch zu wenig effizient. Doch das Fraunhofer-Institut prognostiziert große technische Fortschritte und Vorteile für Betriebe, die viel Energie verbrauchen.
Jana Tashina Wörrle

Mit aller Kraft hat die Solarbranche gegen die schrittweise Zurückstufung der Einspeisevergütung gekämpft. Durchsetzen konnte sie sich jedoch nicht. Die Bundesregierung hat die staatliche Förderung trotzdem gekürzt. Doch wenn es heute schon möglich wäre, den selbst erzeugten Solarstrom vollständig selbst zu nutzen, wäre die Diskussion um Fördergelder und Strompreise überflüssig.
Ähnlich sieht es auch bei den Elektrofahrzeugen aus. Sie sollen eine Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bieten und da die Preise für Benzin und Diesel ständig ansteigen, langfristig auch günstiger sein. Doch bislang ist das Gegenteil der Fall. Sie sind noch so teuer, dass sich die Anschaffung für kaum einen Autofahrer oder Handwerksbetrieb lohnt.
"Selbst wenn der Strompreis um 10 oder 15 Prozent steigt, sind die Mobilitätskosten eines Elektroautos noch um 300 Prozent günstiger als bei Autos mit Verbrennungsmotor", erklärte der Präsident des Bundesverbands eMobilität, Kurt Sigl, als Reaktion auf die Ankündigung von Bundesumweltminister Peter Altmaier, dass die Ziele beim Ausbau der E-Mobilität voraussichtlich nicht erreicht werden können .
Die Speicher sind zu schwach und zu teuer
Als problematisch sieht Sigl vor allem den hohen Anschaffungspreis der Fahrzeuge an. Ausschlaggebend für den hohen Preis sind vor allem die eingebauten Stromspeicher. Sowohl beim den Elektrofahrzeugen als auch beim Solarstrom verzögern die zu schwachen und zu teuren Speichermöglichkeiten bislang noch, dass diese grünen Technologien von einer breiten Masse genutzt werden.
An dieser Stelle steckt die Energiewende aktuell in einer Sackgasse. Und angesichts der Probleme werden auch die Zweifel an den Plänen der Regierung stärker. Sogar Bundeswirtschaftsminister Rösler hat nun zugegeben, dass über eine Streckung des Zeitplans nachgedacht werden müsse. Die Bundesregierung hatte im Frühjahr 2011 unter anderem den Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen. Bis 2020 sollten rund eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein und 35 Prozent des Stromverbrauchs über erneuerbare Energien gesichert sein.
Auch für Umweltforscher liegt der Schlüssel zum Erfolg bei der Energiewende in der Speichertechnologie. "Ohne Speichertechnologien wird der Ausbau der erneuerbaren Energien schwer vorankommen", sagt Matthias Vetter vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Er ist jedoch der Meinung, dass Energiespeicher nur dann Erfolg haben, wenn sie sowohl auf die Stromnetze als auch auf eine intelligente Energiesteuerung in den Haushalten abgestimmt sind. Die Forschung auf diesem Gebiet kommt zwar mit riesigen Schritten voran, aber noch immer ist es nicht gelungen, die Speicher so günstig zu machen, dass sie sich heute auch für Privatverbraucher oder kleine Betriebe lohnen. In drei bis vier Jahren könnte sich das allerdings ändern.
Solaranlagen sind effektiv, das haben sie in diesem Jahr schon mehrmals bewiesen als Rekordergebnisse bei der Sonnenstromproduktion gemeldet wurden. Doch meist können die Verbraucher den Strom gar nicht in Gänze nutzen, weshalb er ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Ein wenig anders sieht es bei energieintensiven Unternehmen wie Bäckereien aus, die ihre Stromversorgung über Solaranlagen sichern. Sie profitieren, wenn die Sonne ordentlich brutzelt und sie den eigenen Strom nutzen können. Doch auch sie sind auf eine zuverlässige und konstante Stromversorgung angewiesen und dafür bedarf es besserer und günstigerer Speicher.
Die ersten Leuchtturmprojekte sind gestartet >>>>
"Leider hat es Deutschland lange verschlafen, rechtzeitig und kontinuierlich in die Forschung und Entwicklung von Stromspeichern zu investieren", sagt Vetter. Erst im Jahr 2010 liefen die ersten Planungen für Fördermaßnahmen von Energiespeicherprojekten an. Nach ausgiebiger Prüfung der Anträge und Projektskizzen gaben die beteiligten Bundesministerien in der vergangenen Woche den Startschuss für die ersten Leuchtturmprojekte .
Kosten sparen auch ohne Einspeisevergütung
Auch wenn nun viel an Forschung und Entwicklung nachgeholt werden muss und die Konkurrenz aus Asien groß ist, wird es in den nächsten Jahren bei der Speichertechnik große Fortschritte geben. Nach der Prognose von Matthias Vetter werden die Energiespeicher für Solaranlagen voraussichtlich in zwei bis drei Jahren annehmbarere Preise annehmen. Dann werde es auch für Privathaushalte und kleine Betriebe besser möglich sein, die Anlagen unabhängig von Fördermodellen rentabel und versorgungssicher zu nutzen.
"Wir werden auf jeden Fall deutlich vor dem Jahr 2020 Erfolge bei den Energiespeichern erzielen", sagt Vetter und weist gleichzeitig darauf hin, dass damit aber noch nicht alle Probleme gelöst sind. Die Batteriespeicher in Kombination mit Solaranlagen werden aus Kostengründen so dimensioniert, dass weiterhin Einspeisungen ins Stromnetz nötig sein werden.
Damit es hier nicht zu einer Überlastung kommt, wenn viele Photovoltaik-Anlagen gleichzeitig ihren nicht lokal verbrauchten oder aktuell nicht speicherbaren Strom einspeisen, bedarf es dem Fachmann zufolge besserer Energiemanagementlösungen. Diese müssten einerseits die Randbedingungen des Gebäudes und andererseits auch die Netzseite, in Deutschland bei PV-Anlagen vielfach das Niederspannungsnetz, berücksichtigen. An dieser Stelle könnten tarifliche Anreize helfen, den Strom von Batteriesystemen nur zu bestimmten Zeiten einzuspeisen. "Und zwar dann, wenn das Netz den Strom auch tatsächlich benötigt", sagt Vetter.
Wer viel selbst verbraucht, profitiert
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Noch sind die Speicher gar nicht auf dem Markt und die wirklich effizienten Speichermaterialen und Produktionsmethoden nicht gefunden. Doch auch schon jetzt sollten zumindest die Betriebe, die über den ganzen Tag hinweg einen hohen Stromverbrauch haben und die zudem über große Dachflächen verfügen, über einen Umstieg nachdenken. Denn wer den Sonnenstrom selbst verbrauchen kann, profitiert auch ohne Einspeisevergütung, wenn er als Gewerbekunde die aktuell üblichen 15 bis 20 Cent pro Kilowattstunde für herkömmlichen Strom nicht bezahlen muss.
Aber auch bei den E-Mobilen kann der Durchbruch nur gelingen, wenn die Stromspeicher den Kaufpreis nicht mehr so sehr nach oben drücken. Derzeit befinde sich die Elektromobilität also noch in der Gründungsphase. Den "massiven Marktanlauf" erwartet Experte Sigl erst im Jahr nach der Frankfurter Branchenmesse IAA 2013. Aktuell rollen nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts etwa 4.500 Elektroautos über Deutschlands Straßen. Gemeinsam mit teilelektrischen Fahrzeugen wie Plug-in-Hybriden soll diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf eine Million klettern. Laut einem kürzlich vorgelegten Fortschrittsbericht des Beratungsgremiums Nationale Plattform Elektromobilität wird dieses Ziel ohne weitere Förderungsmaßnahmen jedoch um rund 400.000 Fahrzeuge verfehlt. (mit dapd)