Rund vierzig Prozent des Endenergieverbrauchs entfällt in Deutschland auf den Gebäudebereich. Das meiste für Heizung und Warmwasser, aber auch viel von der verbrauchten Energie verpufft, weil die Gebäude nicht gut gedämmt sind. In der energetischen Sanierung steckt viel Potenzial, um Energie einzusparen. Platzt der Steuerbonus im Vermittlungsausschuss wirklich, wird die Bundesregierung ihre Einsparziele vermutlich nicht erreichen. Eine Beispielrechnung.
Jana Tashina Wörrle

Etwa drei Viertel aller Gebäude in Deutschland sind älter als zwanzig Jahre. Sie alle sind energetisch nicht mehr auf dem neuesten Stand und bräuchten dringend neue, effizientere Heizungen und eine bessere Isolierung. Doch die Sanierungsquote liegt derzeit bei nur einem Prozent. "Sanieren ist teuer und ohne finanzielle Anreize für die Gebäudebesitzer werden die angestrebte Verdopplung der Quote nicht erreicht werden können", sagt Ullrich Kornhardt vom volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen.
Sanierungsquote muss verdoppelt werden
Ein wichtiger Anreiz wäre die steuerliche Absetzbarkeit von Sanierungskosten, die noch immer im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern festhängt. Nun wird gemunkelt, dass die SPD-Länder abgesprungen sind und die Pläne im Vermittlungsausschuss platzen werden. Mit den Quoten deutet Kornhardt auf die selbstgesteckten Klimaziele der Bundesregierung hin. Bis 2020 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch 18 Prozent erreichen und danach kontinuierlich weiter steigen auf 30 Prozent bis 2030 und auf 60 Prozent im Jahr 2050. Ihr Anteil an der Stromerzeugung soll bis 2050 sogar 80 Prozent betragen. Doch ohne mehr Engagement beim Einsparen von Wärmeenergie und Strom wird dies nicht gelingen. "Der Gebäudebereich spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Nur wenn wir die Sanierungsquote verdoppeln können, erreichen wir die Ziele", rechnet Kornhardt vor.
Momentan können Gebäudebesitzer, die in eine energetische Sanierung investieren, zwar einen Förderkredit bei der Kfw bekommen und müssen so nicht ganz so viel bezahlen wie bei einem regulären Bankkredit. Doch wirkliche Anreize schaffe das nicht. "Hier braucht es eine Unterstützung auf breiter Basis", sagt der Volkswirtschaftler. Wenn die Sanierungen im aktuellen Tempo weitergehen, dann wären die Gebäude, die jetzt einen akuten Bedarf an mehr Dämmung und besseren Heizungen hätten, erst in 50 oder 60 Jahren saniert. "Auf diese Weise können die Einsparziele auf keinen Fall realisiert werden", sagt Kornhardt.
Jetzt liegt es an den Ländern
Neben der Tatsache, dass die Sanierungen dringend notwendig sind, um die Klimaziele zu erreichen, müsse die Bundesregierung insgesamt mehr auf Energieeffizienz und Energieeinsparungen setzen. "Unsere Ressourcen reichen einfach nicht aus. Wir können die Wirtschaft nicht so weitermachen lassen wie bisher", erklärt Kornhardt und deutet die aktuelle Nachhaltigkeitsdebatte an, die auch beim Umweltgipfel in Rio in der vergangenen Woche im Mittelpunkt stand.
Und dabei spielt für ihn das Handwerk eine entscheidende Rolle, denn das Handwerk sei nachhaltigkeitsaffin. "Hier wird der Ansatz verfolgt, eher zu reparieren und zu erhalten als immer gleich Neues zu produzieren", sagt der Wirtschaftsexperte und weist damit auch auf die dringend benötigte Entscheidung der Regierung für mehr Unterstützung bei der Gebäudesanierung hin. Jetzt liegt es an den Ländern, den Steuerbonus nicht weiter zu blockieren.