Solarthermie "Unabhängigkeit ist wichtiger als Rendite"

Bislang sind solarthermische Anlagen noch eher etwas für Ökofreaks. Doch das könnte sich bald ändern. Die Solarwirtschaft geht davon aus, dass sich der Markt für Solarwärme bis 2030 radikal wandelt und hier genauso ein Boom stattfindet wie beim Solarstrom. Doch es geht noch besser: Aus dem Handwerk gibt es Vorschläge beides zu kombinieren und so wirklich unabhängig von den Energiekonzernen zu sein.

Jana Tashina Wörrle

Bis 2030 wird sich der Solarwärme-Markt voraussichtlich stark wandeln und neue Marktsegmente hinzugewinnen. Nicht nur bei Einfamilienhäusern ist noch viel Potenzial. - © BSW-Solar/Viessmann

Die Sonne kann noch mehr als Strom erzeugen. Sie kann auch dafür sorgen, dass wir warm duschen können und im Winter nicht frieren. Sie kann Heizungen, Warmwassersysteme von Wohnhäusern und ganze Industriebauten mit Wärme versorgen. Doch die Solarthermie ist bisher eher ein Thema bei kleinen Tüftlern und überzeugten Umweltschützern.

"Das Thema wird noch stiefmütterlich behandelt, weil es sich finanziell noch nicht so richtig lohnt", sagt Willi Bihler vom Solarzentrum Allgäu. Schon lange beschäftigt sich der Elektromeister damit, Sonnenenergie in allen möglichen Formen nutzbar zu machen. Er baut, verkauft und installiert Solaranlagen und forscht an neuen Techniken. Im Vordergrund steht dabei immer der Wunsch, Möglichkeiten zu schaffen, um vollkommen unabhängig von den großen Energiekonzernen zu sein. "Wir dürfen nicht nur an die kurzfristige Rendite denken, sondern müssen die Kosten langfristig im Blick haben", rät Bihler.

Der Markt für Solarwärme wird kräftig wachsen

Dass die Solarthermie bislang noch sehr teuer ist, liegt zum einen daran, dass es nur wenige Firmen gibt, die die Anlagen herstellen. Zum anderen bekommen Gebäudebesitzer, die sich eine solche Anlage einbauen lassen, nur einen einmaligen Investitionskostenzuschuss von 50 Euro pro Quadratmeter vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Weitere Förderungen sind nicht vorgesehen. Doch trotz dieser Tatsachen, rechnet die Solarwirtschaft in den nächsten Jahren mit einem großen Zuwachs dieses Branchenzweigs.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) rechnet bis 2020 mit einer Verdreifachung und bis 2030 sogar mit einer Versiebenfachung des Marktes. "Fahrplan Solarwärme" heißt eine neue Studie des Verbands, die er in der vergangenen Woche auf der Intersolar vorgestellt hat. Sie prognostiziert allein bis 2020 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 12,5 Prozent sowie einen Zubau von 3,6 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche im Jahr. Geschehen könne dies, weil nun die technischen Möglichkeiten bereitstehen, auch andere Marktsegmente solarthermisch zu erschließen.

Der Markt für Solarwärme in Deutschland wächst. - © BSW-Solar/BDH
Solarwärme

Zu den neuen Segmenten gehört sowohl die industrielle Prozesswärme als auch die Erneuerung bestehender Anlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern und Nicht-Wohngebäuden sowie Nah- und Fernwärme. Treten diese Prognosen ein, so würde sich auch die Beschäftigungszahl in diesem Bereich bis 2020 auf rund 40.000 Vollzeitstellen fast verdoppeln, bis 2030 fast verdreifachen.

Möglich werden könne dies, da sich auch die Herstellungskosten der Anlagen durch den Einsatz innovativer Technologien, günstigere Fertigungsverfahren und der Entwicklung alternativer Speicherkonzepte verändern. Solarwärme-Systeme könnten demnach bis 2020 um 14 Prozent günstiger werden, bis 2030 sogar um mehr als 40 Prozent. Die Amortisationszeit dieser Anlagen könnte dann sogar unter fünf Jahren liegen.

Ein wirklich autarkes Energiesystem

Doch trotzdem bleibt der Vorteil allein bei der Kostenersparnis und der Unabhängigkeit, die die Besitzer solcher Anlagen erlangen. Willi Bihler bleibt skeptisch – vor allem wegen der anhaltenden starken Nachfrage nach Photovoltaikanlagen. "Bei den meisten zählt nur die Rendite, denn alle wollen die jetzt geltende Einspeisevergütung noch mitnehmen", sagt der Elektromeister. Um die fünf Prozent Rendite seien das aktuell, bei neuen großen Anlagen auch schon mal zehn bis 15. Natürlich freut den Geschäftsmann, dass die Auftragszahlen stimmen. Doch der Schlingerkurs der Regierung bei der Solarstromförderung sorge auch dafür, dasss keiner langfristig planen kann. Dementsprechend fände auch kein wirkliches Umdenken statt.

Doch die Leute müssten kapieren, dass sie langfristig gesehen viel stärker davon profitieren, wenn sie in eine Energieversorgung investieren, die sie autark von allen politischen Entwicklungen macht. "Die Energiekosten werden nur noch weiter nach oben gehen", ist er sich sicher. Um diese Unabhängigkeit zu garantieren, hat er eine ganz eigene Technik entwickelt. Er kombiniert die klassischen Sonnenstromanlagen mit der Solarthermie und schafft so ein wirklich autarkes Energiesystem.

 "Je heißer eine Solarzelle wird, desto niedriger ist ihr Wirkungsgrad", erklärt der Solarexperte. "Hier arbeiten wird dagegen, in dem wir mit Wasserrohren kühlen und das warme Wasser, das dann automatisch entsteht gleich nutzbar machen." Es wird in den normalen Wasserkreislauf eines Gebäudes eingespeist und kann so zum Duschen oder zum Waschen genutzt werden. Das Wasser hat immerhin 40 bis 50 Grad Celsius, wenn es aus dem Solarmodul kommt.

Zwar bekommen die Kunden von Willi Bihler für diesen Anlagentyp nicht einmal den Investitionszuschuss der Bafa, aber Solartechniktüftler Bihler ist sich trotzdem sicher, dass solche Ideen die Energieversorgung der Zukunft bestimmen. "Es liegt doch auf der Hand, was wir tun müssen", sagt er und verweist auf die ständig steigenden Kosten und die Privilegien, die die Bundesregierung der Industrie immer wieder gewährt.

Wie Solarthermie funktioniert

Über 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs in Deutschland wird für Wärme aufgewendet. Dabei können neue effiziente Heizungen schon dafür sorgen, dass insgesamt weniger Energie gebraucht wird. Eine Lösung, die es ermöglicht, Wärme komplett aus erneuerbaren Ressourcen herzustellen und dabei kein CO2 zu produzieren, ist die sogenannte Solarthermie. Das Prinzip funktioniert hierbei ähnlich wie die Stromerzeugung mit Photovoltaikmodulen. Nur dass hierbei Wasser in Rohren, die unter den Glasplatten der Anlagen verlaufen direkt von der Sonne aufgeheizt werden. Das Wasser kann dann entweder direkt in die Heizung oder ins die Wasserversorgung des Gebäudes fließen.

Weiter Zahlen und Daten zum aktuellen Markt für Solarwärme können Sie im Solaratlas des BSW-Solar einsehen. Hier gibt es eine kostenlose Demoversion.