Woche der Umwelt Gauck will Wettbewerb statt Subventionen

Die Energiewende ist als politisches Thema ganz oben angekommen. "Wer hier bremst, schadet sich selbst und allen anderen", mahnt Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnung der "Woche der Umwelt" auf dem Gelände des Berliner Schlosses Bellevue. Der Politik rät er, statt auf zu viele Subventionen lieber auf mehr Wettbewerb zu setzen. Das Handwerk hat ganz eigene Vorschläge mit nach Berlin gebracht.

Jana Tashina Wörrle

Umweltminister Altmaier und Bundespräsident Gauck schauten sich gemeinsam die Produkte und Projekte zur "Woche der Umwelt" an. - © Wörrle

Im Schlosspark des Bundespräsidenten wimmelt es von Menschen. Überall stehen Tische und Bänke, zwei Bühnen sind aufgebaut. Ringsum ragen Zelte mit schneeweißen Planen ihre spitzen Dächer in den wolkenbehangenen Himmel. Zur "Woche der Umwelt" sind so viele Besucher gekommen, dass die rund 200 ausgewählten Aussteller kaum mehr nachkommen mit dem Verteilen an Informationen und Erklären ihrer besonderen Techniken, Ideen und Lösungen gegen den Klimawandel. Die Energiewende bewegt Deutschland und das zeigt sich auch bei der Veranstaltung von Joachim Gauck in Berlin.

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Rede zum Auftakt der "Woche der Umwelt". - © Wörrle
jtw Bundespräsident Joachim Gauck

Um diese Bedeutung überzeugend rüberzubringen, sind hier sogar die Messestände aus recyclebarem Material, der ausgeschenkte Kaffee ist bio und fairtrade. Aber nicht nur dies betont, wie ernst das Thema eigentlich ist und wie viel Potenzial in der Energiewende steckt. Auch die prominenten Gäste, die als Redner neben dem Bundespräsidenten angekündigt sind, zeigen, dass man mit dem Thema und dem Einsatz dafür momentan punkten kann.

Klare Worte zur Energiewende

Schon an diesem Dienstag ist der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier beim Rundgang durch die Ausstellerzelte dabei. Am zweiten Veranstaltungstag muss er sich bei der Podiumsdiskussion den kritischen Fragen der Öffentlichkeit stellen. Doch zuerst ist Joachim Gauck selbst an der Reihe, die Gäste zu begrüßen und dann ein Statement zur aktuellen Lage abzugeben. Und dabei wählt er klare Worte.

"Wir brauchen jetzt keine Planwirtschaft und nicht zu viele Subventionen", sagt Gauck mit Bezug auf seine eigenen Erfahrungen zu DDR-Zeiten. Die Energiewende brauche einen fairen und gut organisierten Wettbewerb, wenn sie für alle zu einem Erfolg werden solle. Und genau deshalb sollten die Bürger auch die andauernden politischen Streitereien nicht so ernst nehmen. "Natürlich brauchen wir endlich klare Rahmenbedingungen, aber wir brauchen auch die Debatte um das, was unsere Zukunft bestimmen wird", fordert der Bundespräsident. Ohne Auseinandersetzung wäre auch keine Demokratie möglich.

"Ich habe selbst erlebt, welch große Kraft durch die politische Debatte und das gemeinsame Engagement von Bürgerinnen und Bürgern entstehen kann", holt Gauck nochmals zu einem Schwenk aus seiner eigenen Vergangenheit aus. Er wolle die Menschen dazu aufrufen, aktiv an der Energiewende mitzuarbeiten und diese Realität werden zu lassen. Als Beispiel sollten sie sich die guten Ideen und innovativen Lösungen nehmen, die bei der "Woche der Umwelt" gezeigt werden.

Ein ganz eigener Handwerksbeitrag

Vom Reinigungsroboter für Solaranlagen, über klimaneutrale Häuser bis zum umweltverträglichen Versandhandel zeigen die Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und von der Politik hier beinahe alles, was den Kampf für das Gelingen der Energiewende unterstützt.

Und da bei diesem Thema das Handwerk nicht fehlen darf, sind natürlich auch Betriebe vor Ort. Einen ganz eigenen und einzigartigen Handwerksbeitrag liefert aber nicht ein Unternehmen, sondern die Handwerkskammer für Schwaben. Sie darf den Gästen in Berlin ihr internetbasiertes Klimaschutznetzwerk präsentieren. Eine Plattform mit bislang 450 aktiven Mitgliedern, die sowohl Kontakte unter den Betrieben vermittelt als auch viele wichtige Informationen zu Weiterbildungen und Veranstaltungen rund um die Themen Umweltschutz und Energie bietet.

"Wir können die Energiewende und den Beitrag, den das Handwerk dafür leisten kann, damit ganz gezielt unterstützen", sagt Jürgen Schmid, der Handwerkskammerpräsident aus Augsburg. Und dieser Beitrag wird aus seiner Sicht bislang viel zu wenig wahrgenommen. "Die Energiewende wäre doch ohne das Handwerk gar nicht vorstellbar", sagt Schmid. Doch nicht nur das, die Betriebe können gerade jetzt, wo ständig darüber gesprochen wird, dass die Kosten zu stark steigen und die Energiewende ins Stocken gerät, Lösungen bieten.

Die Tank-Teller-Diskussion abschaffen

"Dezentralität und Regionalität sind die Stichwörter", ergänzt Ulrich Wagner, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben. Es sei schon jetzt möglich ganze Häuser, Wohnkomplexe und Betriebsgebäude vollkommen autark von den herkömmlichen Energiequellen zu machen. Mit Sonnenenergie, Warmwasseraufbereitung über Solarthermie und anderen innovativen Lösungen, die die kleinen Betriebe ausgetüftelt haben, kann jeder Energie-Selbstversorger zu werden. Und dafür bräuchten wir dann auch keine kilometerlangen und teuren neuen Stromleitungen von der Nordsee bis in den Süden. "Diese Debatte und diese Kosten werden dann überflüssig", sagt Wagner.

Elektromeister Manfred Guggenmos ist enttäuscht von den Entscheidungen der Politik zur Solarkürzung. - © Wörrle
jtw Manfred Guggenmos

Aber noch ein ganz anderer Streit könnte sich in Wohlgefallen auflösen, wenn es nach den Vorschlägen des Handwerks geht. "Wir können die Tank-Teller-Diskussion abschaffen", sagt Elektromeister Manfred Guggenmos, der gemeinsam mit der Kammer nach Berlin gekommen ist, um dort seine Idee für die sogenannte Doppelernte vorzustellen. Eigentlich installiert Guggenmos normale Solaranlagen auf Hausdächern. Aber eines Tages kam der Tüftler auf die Idee, eine große Wiese mit mehreren großen Freiflächenanlagen in sieben Meter Höhe zu bebauen. Darunter hat er Getreide gesät und siehe da es wächst. Es wächst sogar so gut, dass er damit einen besseren Ertrag erzielt als auf einem normalen Acker – und dazu eine richtige "Doppelernte" aus Strom und Getreide.

Doch durch die aktuellem Solarkürzungen und den grundsätzlichen Einschränkungen, die die Politik für Freiflächenanlagen erlassen hat, kann die "Doppelernte" bislang nur auf einem Versuchsfeld bei Guggenmos zuhause im Allgäu Wirklichkeit werden. "Die Politik will doch die Energiewende gar nicht wirklich", sagt der Elektromeister. Wenn jetzt jede Privatperson plötzlich den eigenen Strom ganz alleine produziert – und damit meint er jede Form von Solarstrom auf den Dächern der Hausbesitzer –, dann würde doch das ganze System der Energiekonzerne in Frage gestellt, gibt er zu bedenken. Das wolle die Politik aus seiner Sicht unbedingt verhindern.

Altmaier muss sich beweisen

Auch die Handwerkskammer sieht die Solarkürzungen und vor allem das unkoordinierte Vorgehen kritisch. "Die Zuständigkeiten sind doch gar nicht klar", sagt Präsident Schmid. Von heute auf morgen seien da Kürzungen beschlossen worden und die Betriebe standen plötzlich vor einem Stapel stornierter Aufträge. "Wir brauchen endlich ein klares und sicheres Konzept für die Energiewende", fordert auch Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner und setzt seine Hoffnung nun auf den neuen Umweltminister.

Ein Jahr nach dem offiziellen Start der Energiewende, muss dieser der Öffentlichkeit nun beweisen, dass er nicht nur weitere Versprechen auf Lager hat, sondern Lösungen bietet. Bei der "Woche der Umwelt" kann er damit beginnen und zu den Erwartungen Stellung nehmen.