Deutschen Energiewende-Index (DEX) vorgestellt Deutsche Wirtschaft: Angst vor der Energiewende

Netzbetreiber und Energieversorger bewerten die Energiewende deutlich skeptischer als die deutsche Politik. Nach einer Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) sehen Geschäftsführer und Vorstände vor allem bei den rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Außerdem befürchten die Unternehmen in den nächsten Monaten eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit.

Nach Einschätzung der deutschen Wirtschaft muss der Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Ausbau der Stromnetze koordiniert werden. - © N-Media-Images - Fotolia.com

Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) und die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young GmbH haben am Montag den Deutschen Energiewende-Index (DEX) in Berlin vorgestellt. Der DEX basiert auf einer Befragung von Vorständen und Geschäftsführern aus verschiedenen Branchen. Der DEX ist neu und soll von nun an ein regelmäßiges Stimmungsbild zur Lage der Energiewende aus Sicht der deutschen Wirtschaft widergeben.

Die erste Befragung macht nun deutlich, dass die Stimmung bei den von der Energiewende betroffenen Branchen sehr unterschiedlich ist. Die deutsche Wirtschaft äußert deutliche Bedenken hinsichtlich der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen, der Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung und der Versorgungssiche rheit. Die Politik hingegen sieht die Energiewende deutlich positiver.

"Der DEX gibt Auskunft darüber, wie Entscheidungsträger die Auswirkungen der Energiewende auf ihre Branchen beurteilen", sagte Thomas Kästner, Executive Director Ernst & Young, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. "Jeder, der die Folgen der Energiewende und den Handlungsbedarf abschätzen möchte, wird sich an diesem Gradmesser orientieren können."

"Die aktuellen DEX-Werte machen deutlich, dass vor allem bei den Rahmenbedingungen etwas getan werden muss", betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. "Hier sind wir in der Tat an mehreren Stellen in Verzug. Wir müssen den Ausbau der erneuerbaren Energien besser mit dem Ausbau der Stromnetze koordinieren und letzteren beschleunigen. Zudem müssen Marktbedingungen geschaffen werden, die den Bau neuer Gaskraftwerke und Speicher wirtschaftlich rentabel machen. Dann können wir alle mit Zuversicht auf die Energiewende blicken."

Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

Sehr negativ wurde aus Sicht der befragten Unternehmen bewertet, dass die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für die Energiewende fehlen oder unzureichend sind.

Auch die Wettbewerbsfähigkeit sehen die deutschen Unternehmen in Gefahr. Große Sorge bereitet den Unternehmen zudem das Thema Versorgungssiche rheit. Diese wird aktuell noch positiv bewertet, allerdings fürchten viele Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten eine Verschlechterung.

Je nach Branche fallen die Einschätzungen zur Energiewende jedoch unterschiedlich aus. Die Energieverbraucher, Netzbetreiber und Energieversorgungsunternehmen sind eher negativ bis neutral gestimmt.

Deutlich positiv beurteilen Politik und Interessensverbände – insbesondere aus der Erneuerbaren Energien- und der Energieeffizienz-Branche – die Energiewende. Sie erwarten eine günstige Entwicklung auf die zukünftige Beschäftigtenzahl in Deutschland. Auch Firmen, die Produkte und Dienstleistungen für die Energiewende herstellen sowie insbesondere Investoren haben laut der Umfrage eine positive Gesamteinschätzung zur Energiewende. rh

Die gesamte Umfrage ist auf der Seite der dena als PDF abrufbar.