Hohe Benzinpreise Studie: Abzocke beim Sprit

Die Gewinnmarge der Mineralölkonzerne sei seit November um knapp fünf Cent pro Liter Benzin gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Energy Comment im Auftrag der Grünen. Dagegen spiegeln die hohen Preise an den Tankstellen nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes nur den Anstieg des Ölpreises.

Christina Geimer

Benzinpreise richten sich nach Ansicht des Insitituts der deutschen Wirtschaft in Köln in der Hauptsache nach der Entwicklung der Rohölpreise. - © K.-U. Häßler/Fotolia.com

Die aktuellen Spritpreise sind nicht allein durch den hohen Ölpreis gerechtfertigt. Dies ergab eine Studie von Steffen Bukold im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. Die Tankstellenpreise für Superbenzin sind laut der Analyse von Ende November 2011 bis Anfang März 2012 um 11,3 Cent pro Liter gestiegen waren. Ein Preisanstieg von 6,6 Cent lässt sich durch höhere Rohölpreise und eine Veränderung im Euro-Dollar-Wechselkurs erläutern. Es bleibt aber eine zusätzliche Preissteigerung von 4,7 Cent.

Studienautor Steffen Bukold nennt die Erhöhung eine „Margenausweitung der Mineralölkonzerne“. Diese Mehrbelastung bedeute, dass Autofahrer pro Monat 98 Millionen Euro zu viel zahlen. Die Studie schätzt, dass die Marge der Mineralölkonzerne um gut 40 Prozent stieg.

Benzinpreise steigen immer höher

Der Mineralölwirtschaftsverband kritisiert die Vorwürfe als haltlos. Nach seiner Berechnung sei der Tankstellenpreis für Benzin um 14,5 Cent pro Liter gestiegen. Dabei hätten sich die Beschaffungskosten für Benzin um 14,7 Cent pro Liter erhöht. „Tatsachenwahrheit ist, dass nur die gestiegenen Beschaffungskosten an den Kunden weitergeben wurden und kein Cent mehr“, so Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes.

166,2 Cent kostete ein Liter Super E 10 in der vergangenen Woche (03.04.2012) nach Angaben des ADAC. Zum Vergleich: Im November zahlten die Autofahrer nach Berechnung des ADAC rund 150,6 Cent pro Liter für Super E10.

Die hohen Dieselpreise belasten zwar die Autofahrer, aber laut Studie können die Ölmultis nicht mehr am Diesel verdienen. Diesel kostete in der vergangenen Woche 152.2 Cent pro Liter. Im November 2011 lag der Preis laut ADAC noch bei 145,3 Litern.

Kartellamt fehlen Beweise

Für einen Wettbewerbsmarkt wäre eigentlich zu erwarten, dass steigende Ölpreise zu einer Reduktion der Marge führen und diese nicht voll an den Kunden weiter gegeben werden können, urteiltet Studienautor Bukold. Laut einer Untersuchung des Bundeskartellamtes gibt es für Preisabsprachen zwischen den Mineralölkonzernen jedoch keine Beweise. Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, sieht jedoch eine marktdominierende Stellung der Mineralölkonzerne als Grund für die Preisgestaltung. Sie fordert: „Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen. Das Kartellamt hat leider nicht die gesetzlichen Möglichkeiten, um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen. Deswegen müssen die Rechte des Kartellamtes umgehend gestärkt werden.“