Konferenz "Zukunft der Energieversorgung" "Schwer, die Klimaziele noch zu erreichen"

Das Abschalten der deutschen Kernkraftwerke und die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien stellen riesige Herausforderungen sowohl an Technik und Wirtschaft. Auf der Münchner Konferenz "Zukunft der Energieversorgung" halten führende Professoren mit Kritik gegenüber der Politik nicht hinter dem Berg.

Burkhard Riering

Führende Experten kritisieren die Energiepolitik der Bundesregierung. War der schnelle Atomausstieg zu unüberlegt? - © Thomas Otto (Fotolia)

Deutschlands führende Professoren sind skeptisch. Zum Start des Münchner Symposiums "Zukunft der Energieversorgung" kritisieren mehrere prominente Teilnehmer das Vorgehen der Bundesregierung bei Atomausstieg und Energiewende. "Deutschland steht ziemlich allein da auf der Welt mit seinem Atomausstieg", sagt Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

Klimawandel wird vergessen

Das Hauptproblem ist laut Sinn, dass der Atomausstieg von der Politik nur vor dem Hintergrund einer möglichst raschen Energiewende gesehen wird, aber nichts gegen die Erderwärmung leistet. Die erneuerbaren Energien sollen nun die Lücken, verursacht durch das Abschalten von Atommeilern, füllen. Aber die Energieerzeugung durch fossile Quellen, die für die Treibhausgase verantwortlich sind, bleibe so bestehen. Sinn: "Wir werden uns schwertun, die Klimaziele zu erreichen."

Prof. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält das viel zitierte "grüne Wachstum", von dem in Deutschland die Rede ist, für eine Illusion. Denn ein Alleingang eines Staats kann nicht wirken, die Erdatmosphäre hat keine Staatsgrenzen. "Nur globale Vereinbarungen bringen was, doch die gibt es noch nicht", sagte Edenhofer. Er plädiert für eine Bepreisung von Emissionen auf weltweiter Ebene, um dieses Gut künstlich zu verknappen. Seine Prognose: "2020 sind wir vielleicht so weit, dass wir Ergebnisse auf globaler Ebene haben."

Ausland setzt auf Kohle

Während Deutschland in Wind, Sonne und Biomasse macht, gibt es laut Edenhofer weltweit eine "Kohle-Renaissance des 21. Jahrhunderts". In Indien, China oder den USA ist Kohle als äußerst rentable Energiequelle wiederentdeckt worden. Kohlekraftwerke sind die Hauptverursacher von CO2-Ausstößen.

Auch Prof. Carl Christian von Weizsäcker fragt laut: "Wie geht das zusammen: Energiewende und Klimaschutz?" Der Wissenschaftler und Forscher aus Bonn wirft der Bundesregierung vor, Atomausstieg/Energiewende seien "logisch inkonsistent" - es passt also nicht zusammen.

Vor allem die hohe Förderung der Photovoltaik steht auch bei den Professoren in der Kritik, die durch eine Umlage gefördert wird. "Das sind pro Jahr 16 Milliarden Euro Belastung für Betriebe und Haushalte", stellt Sinn klar. Schätzungen beziffern allein die Kosten für Sonnenstrom aus bereits bestehenden Solaranlagen auf bis zu 100 Milliarden Euro, weil die Vergütungen für 20 Jahre garantiert sind.

"EEG-Umlage wird weiter erhöht"

Zurzeit liegt die so genannte EEG-Umlage bei 3,59 Euro-Cent pro Kilowattstunde. Das Ende der Fahnenstange ist damit für Prof. Fritz Vahrenholt, Chef von RWE Innogy, aber noch nicht erreicht. "Gehen Sie davon aus, dass die EEG-Umlage noch um einige Euro-Cent steigt", so Vahrenholt. Er kritisiert einerseits Übersubventionierung, andererseits mangelnde Effekte, weil die Photovoltaik zwar 50 Prozent aller Förderungen schluckt, aber nur drei Prozent zur Stromversorgung beiträgt. Der streitbare Energiemanager spricht von der "Verirrung der Photovoltaik" - und fragt in die Runde: "Wie konnte sich Deutschland nur so entreichern?"