Große Stromverbraucher sollen künftig bei den Netzentgelten und der EEG-Umlage entlastet werden – zahlen müssen dafür private Verbraucher und Mittelständler.
Karin Birk

Bernd Siefert hat nichts gegen grünen Strom. Wenn er aber hört, dass in den nächsten Jahren vor allem Verbraucher und Mittelständler für die Energiewende herhalten sollen, dann wird er ungehalten: "Es kann doch nicht sein, dass immer nur die Kleinen die Zeche zahlen", sagt der Konditormeister aus Michelstadt im Odenwald.
Handwerkspräsident Otto Kentzler sieht es genauso: "Die vollständige Freistellung von rund 600 Großunternehmen von den Netzdurchleitungs-Entgelten ist ein fatales Signal für Privathaushalte und den gewerblichen Mittelstand", sagt er. Dies reihe sich ein in weitere Strompreisdiskriminierungen wie etwa bei der EEG-Umlage. Es könne nicht sein, dass Privathaushalte und mittelständische Betriebe künftig die Netznutzung für Großverbraucher bezahlen sollten. "Strompreissteigerungen dürften nicht einseitig verteilt werden", kritisiert er mit Blick auf die jüngsten gesetzlichen Änderungen.
Die Kluft ist heute schonsehr groß
Nach der neuen Verordnung für Stromnetzentgelte sollen Unternehmen, die mehr als zehn Millionen Kilowattstunden im Jahr verbrauchen und mindestens 7.000 Stunden am Netz hängen, rückwirkend zum Jahresanfang 2011 vollständig von den Netzentgelten befreit werden. Diese Entlastung könnte nach Schätzungen der Bundesnetzagentur rund 300 Millionen Euro ausmachen. Geld für Betrieb und Ausbau der Netze, das künftig die übrigen Stromkunden bezahlen müssen. Auf sie als Haushaltskunden oder Gewerbekunden mit einem Jahresverbrauch von weniger als 100.000 Kilowattstunden könnten Mehrkosten von bis zu 0,75 Cent je Kilowattstunde zukommen, heißt es bei der Bundesnetzagentur und den Netzbetreibern. Kunden, die mehr als 100.000 Kilowattstunden verbrauchen, sollen für den Mehrverbrauch noch eine Umlage von 0,05 Cent bezahlen. Schon heute ist die Kluft enorm: Privatkunden und normale Gewerbekunden zahlen für das Netzentgelt knapp sechs beziehungsweise knapp fünf Cent je Kilowattstunde, Großkunden nur 1,5 Cent.
Doch damit nicht genug: Die Netzbetreiber gehen bei ihrer Mittelfristprognose für 2013 von einem Anstieg der Umlage für erneuerbare Energien von bis zu 4,74 Cent pro Kilowattstunde aus. Bisher beträgt die EEG-Umlage 3,53 Cent, nächstes Jahr sollen es 3,59 Cent sein. Auch hier werde es voraussichtlich ab 2013 eine Ausweitung einer Härtefallregelung für größere Betriebe geben, heißt es bei der Deutschen Umwelthilfe. Auch hier sollen Betriebe mit einem Verbrauch von mehr als einer Million Kilowattstunden deutlich weniger EEG-Umlage bezahlen. Bisher liegt die Grenze bei zehn Millionen Kilowattstunden und mehr. Wie stark sich allein 2012 die höheren Netzentgelte auf die Stromrechnung auswirken können, zeigen die Zahlen der Stadtwerke Tübingen.
Mit einer Energieberatung lässt sich viel Geld sparen
"Für eine Familie mit zwei oder drei Kindern und einen kleinen Handwerksbetrieb mit einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden im Jahr macht die höhere Umlage bei den Netzentgelten 37 Euro im Jahr aus“, sagt Sebastian Rudischer, Leiter des Privat- und Gewerbekundengeschäftes. Die minimal erhöhte EEG-Umlage mache sich hier fast nicht bemerkbar. Bei einem mittelgroßen Handwerksbetrieb wie etwa einer Schreinerei mit einem Jahresverbrauch von 50.000 Kilowattstunden wären es dagegen schon 373 Euro für das erhöhte Netzentgelt und rund 30 Euro für die erhöhte EEG-Umlage. Und bei einem Betrieb mit knapp 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, für den es noch keine Sondervertragsregelung gebe, schlage die Erhöhung der Netzentgelte mit rund 746 Euro und die EEG-Umlage mit rund 60 Euro zu Buche. "Für unsere Kunden bedeutet dies, dass rund 80 Prozent der Strompreiserhöhung von drei bis fünf Prozent 2012 auf die erhöhten Entgelte zurückgehen", sagt Rudischer.
Die Notwendigkeit, noch mehr Strom zu sparen, wird deutlich. Auch Matthias Eberling, Energieberater der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, rät dazu. "Schon LED-Leuchten und das regelmäßig Warten der Maschinen können viel bringen", sagt Eberling, der vor kurzem auch die Konditorei Siefert besucht hat. Bei der KfW gebe es Zuschüsse für die erste Beratung. Auch durch den Wechsel des Stromanbieters lasse sich oft Geld sparen. Eberling: "Allein bei der Konditorei Siefert mit einem Jahresverbrauch von rund 91.000 Kilowattstunden könnten durch einen Wechsel des Stromanbieters 2.500 Euro pro Jahr eingespart werden."