Schenkungsrecht 5 Tipps für die steuerfreie Übergabe eines Betriebs

Das Erb- und Schenkungsrecht ermöglicht eine fast vollständig steuerfreie Übergabe eines Familienbetriebs. Wie Eltern Freibeträge und Verschonungsregelungen bei einer Schenkung an ihre Kinder nutzen können.

1. Freibeträge kennen und nutzen

Vater und Tochert in einer Schreinerei
Wer seinen Betrieb an seine Kinder übergibt, kann mit ein paar Tipps Steuern sparen. - © JenkoAtaman - stock.adobe.com

Schenken Eltern ihren Kindern zu Lebzeiten Vermögen oder vererben den Betrieb, müssen die Kinder nur Schenkungssteuer beziehungsweise Erbschaftsteuer zahlen, wenn der persönliche Freibetrag überschritten ist. Kindern steht je Elternteil ein Freibetrag von 400.000 Euro zu. Beispiel: Vater und Mutter sind zu jeweils 50 Prozent Eigentümer eines Betriebs im Wert von 700.000 Euro. Diesen Betrieb übertragen sie ihrer Tochter. Es fällt keine Schenkungsteuer an, weil eine steuerfreie Übertragung bis zu 800.000 Euro möglich ist.

2. Verschonungsregelung - nein danke

Durch die geschickte Ausnutzung der persönlichen Freibeträge müssen die Verschonungsregelungen bei Schenkung des Betriebs oder im Erbfall gar nicht in Anspruch genommen werden, wenn die Freibeträge so hoch sind wie der Wert des Betriebsvermögens. Werden die Verschonungsregelungen nicht in Anspruch genommen, ist der neue Inhaber des Betriebs flexibler, wenn er ihn verkaufen oder Personal einsparen möchte. Die Entscheidung – Freibeträge oder Verschonungsregelung – sollte jedoch stets mit einem Steuerberater oder Fachanwalt getroffen werden.

3. Freibeträge alle zehn Jahre erneut nutzbar

Liegt der Wert des Handwerksbetriebs über den persönlichen Freibeträgen, muss nicht gleich der komplette Betrieb zu Lebzeiten im Rahmen der Schenkung übertragen werden. Er kann nach und nach übertragen werden. Wichtig zu wissen: Die Freibeträge leben alle zehn Jahre erneut auf. Beispiel: Hat ein Betrieb, der Vater und Mutter zu je 50 Prozent gehört, einen Wert von 1,6 Millionen Euro, sollten die Eltern zunächst nur die Hälfte übertragen (Wert 800.000 Euro abzüglich Freibetrag 800.000 Euro = 0 Euro schenkungsteuerpflichtiges Vermögen). Die zweite Hälfte des Betriebs wird dann zehn Jahre später – wieder schenkungsteuerfrei – übertragen.

4. Mit Kettenschenkung Freibeträge erhöhen

Ist ein Elternteil Inhaber des Handwerksbetriebs, kann auf ein Kind nur ein Vermögen von bis zu 400.000 Euro steuerfrei übertragen werden. Hier kann eine Kettenschenkung sinnvoll sein. Zuerst schenkt der Inhaber seinem Ehepartner einen Teil des Betriebs (bei Eheleuten bis zu 500.000 Euro steuerfrei). Da nun beide Anteile halten, kann jeder Elternteil dem Kind 400.000 Euro am Betrieb steuerfrei übertragen. Doch aufgepasst: Im Schenkungsvertrag zwischen den Eheleuten darf kein Passus enthalten sein, dass er den Teil des geschenkten Betriebs an das Kind weitergeben muss. Um hier keine steuerlichen Fehler zu machen, sollten Kettenschenkungen stets von einem Steuerberater begleitet werden.

5. Verschonungsregelungen: Lohnsumme und Corona

Wird Betriebsvermögen übertragen und eine der beiden Verschonungsregelungen werden in Anspruch genommen, müssen die Lohnsummen für das Personal für fünf beziehungsweise sieben Jahre auf einem bestimmten Niveau bleiben. Wegen Corona herrscht hier in vielen Betrieben Unsicherheit. Bei Ermittlung der Lohnsumme im Rahmen der schenkung- und erbschaftsteuerlichen Verschonungsregelungen nach § 13a Abs. 3 Satz 6 bis 13 ErbStG stellt sich die Frage, ob das Kurzarbeitergeld in die Lohnsumme einzubeziehen ist. Die Antwort findet sich in Erlassen der obersten Finanzbehörden der Länder vom 14. Oktober 2020. Bei der Ermittlung der Lohnsumme ist vom Aufwand für Löhne und Gehälter in der Gewinn- und Verlustrechnung auszugehen. Das von der Bundesagentur für Arbeit gewinnwirksam verbuchte Kurzarbeitergeld mindert den Lohnaufwand nicht.