Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht Familieninterne Betriebsübergabe: Schenken ist besser als erben

Wie kann ein Unternehmen innerhalb der Familie möglichst steuerfrei im Rahmen des Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts weitergegeben werden? Der erste Schritt: immer frühzeitig die Weichen stellen.

Schenkungsteuererklärung
Handwerksbetriebe können oft nahezu steuerfrei vererbt oder verschenkt werden. - © Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Wer einen Ehevertrag schließt, wird oft schief angeschaut. Wird ihm doch unterstellt, dass er mit dem Scheitern der Ehe rechnet. Für die Romantiker spricht, dass längst nicht jede Ehe geschieden wird. Sicher ist hingegen, dass wir alle irgendwann sterben und trotzdem macht nicht jeder ein Testament.

Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach nur 39 Prozent der Deutschen im Jahr 2018. Und obwohl diese Zahl steigt, ein immer noch niedriger Wert mit Blick auf die Vermögenswerte, die in Deutschland in den nächsten Jahren weitergegeben werden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) schätzt, dass bis 2027 jährlich 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt werden. Nun kann Barvermögen relativ unproblematisch aufgeteilt werden. Komplexer ist es, Betriebsvermögen zu vererben.

Bei einem Handwerksbetrieb in Familienbesitz geht es um mehr als darum, wie Geld verteilt wird oder wer den silbernen Kerzenständer bekommt. "Kein Testament zu machen, ist einer der größten Fehler, die ein Betriebsinhaber machen kann", sagt Rechtsanwalt und Steuerberater Arno Abenheimer von Schultze & Braun. "Es ist wichtig und sinnvoll, ein Testament zu verfassen, in das man die Themen Übergabe und Fortführung des Betriebs mit aufnimmt." Stets spielt bei all diesen Überlegungen eine Rolle, ob schon ein Nachfolger aus der Familie oder dem Unternehmen feststeht.

Notfall- oder Auffangregelungen können in einem Unternehmertestament getroffen werden, um ungewollte steuerliche Folgen zu vermeiden. "Mit Testament und Vorsorgevollmacht ist schon einmal ein Sicherheitsnetz gespannt, um für den 'Katastrophenfall' gewappnet zu sein", sagt Abenheimer, denn neben dem Erbfall seien auch Fälle wie Unfall, Krankheit oder andere ungewollte Ereignisse in das Kalkül einzubeziehen. Die weitere Empfehlung sei, sich zu überlegen, wie die Nachfolge im Betrieb aussehen könne und "ob diese tatsächlich erst im Todesfall umgesetzt werden soll oder – wozu ich rate – zu einem früheren Zeitpunkt", so Rechtsanwalt Abenheimer, der auch Fachanwalt für Steuerrecht ist.

Lösungen für den Ernstfall suchen

Deshalb sollte auch ein junger Unternehmer und Familienvater, bei dem noch nicht absehbar ist, ob seine Kinder eines Tages in seine Fußstapfen treten, frühzeitig sein Erbe regeln beziehungsweise sich über seine Nachfolge Gedanken machen. Denn steht kein familieninterner Nachfolger bereit, stellt sich die grundsätzliche Frage, ob das Unternehmen überhaupt weitergeführt werden kann oder ob ein Verkauf sinnvoller ist, um die Familie finanziell abzusichern.

Gibt es einen Nachfolger, der noch nicht alt genug ist, sei die Situation komplex, aber es gebe trotzdem eine Lösung: Der Unternehmer kann im Testament einen Testamentsvollstrecker einsetzen, der den Betrieb weiterführt, bis die Kinder ein bestimmtes Alter erreicht haben. "Dieses gesetzliche Instrument existiert, es kommt aber immer auf den Einzelfall an", erläutert Abenheimer. "Sicher ist: Je länger diese Situation andauert, desto schwieriger wird sie." Eine Option könnte in einem solchen Fall sein, den Betrieb bestmöglich zu veräußern, um die Kinder und ihre Ausbildung abzusichern.

In jedem Fall sei es immer sinnvoller, den Erbfall einmal zu durchdenken und Maßnahmen zu treffen, als nichts zu regeln, rät Abenheimer. Grundsätzlich gilt beim Vererben: Ein Testament "sticht" die gesetzliche Erbfolge. Das heißt, wer ein Testament hinterlässt, kann selbst bestimmen, an wen er was und wie viel vererbt. Gibt es kein Testament, kommt die gesetzliche Erbfolge zum Zug. Unabhängig davon steht Kindern eines Erblassers ein Pflichtteil zu.

Ist testamentarisch nicht geregelt, wie es nach dem Tod des Inhabers mit einem Familienbetrieb weitergeht, kann das mitunter existenzbedrohende Folgen nach sich ziehen. Sind mehrere Erben vorhanden, entsteht eine Erbengemeinschaft. Will nun beispielsweise ein Kind den Betrieb weiterführen, stellt sich die Frage, wie die Geschwister abgefunden werden können. Denn Betriebsvermögen ist in der Regel kein Barvermögen. Woher also nehmen? Experten raten, diese Frage schon zu Lebzeiten zu regeln.

Erben im Todesfall, schenken zu Lebzeiten

Handels- und Handwerksbetriebe könnten oftmals nahezu steuerfrei vererbt oder verschenkt werden. Vor dem Hintergrund, dass anfallende Steuern aus einem laufenden Unternehmen in der Regel nicht zu bezahlen seien, so Experte Abenheimer, verschone das Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz das produktive Betriebsvermögen. Dieses kann zu 85 bis 100 Prozent steuerfrei übergeben werden – abhängig von bestimmten Bedingungen, etwa wie viele Mitarbeiter ein Unternehmen hat. Ziel ist, das Unternehmen und damit Arbeitsplätze zu erhalten. "Übernehmer sollen Betriebe weiterführen und nicht irgendwann zu Geld machen, sonst fallen die Begünstigungen gegebenenfalls weg", so Arno Abenheimer.

Nicht alle Bestandteile eines Vermögens werden von der Steuer verschont. Begünstigt ist laut Bundesjustizministerium lediglich das Betriebsvermögen, das direkt dem Unternehmenszweck dient. Davon ausgenommen ist das Verwaltungsvermögen, das nicht dem eigentlichen Unternehmenszweck dient (beispielsweise fremdvermietete Grundstücke oder hohe Geld- und Forderungsbestände im Betrieb). Darüber hinaus müsse ein Unternehmer stets zwischen Privat- und Betriebsvermögen unterscheiden. Wer einen Handwerksbetrieb besitzt und innerhalb der Familie weitergeben will, sollte sich also eher früher als später mit dem Thema vererben oder schenken auseinandersetzen. Beide Varianten sind in einem Gesetz zusammengefasst und "vom Grundsatz her gelten die gleichen Regelungen zur Begünstigung", erklärt Arno Abenheimer. Das Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht ermöglicht zwar eine steuerbegünstigte Übergabe, aber: "Eine Unternehmensnachfolge durch Erbfall ist immer der schlechteste Weg", sagt der Fachanwalt für Steuerrecht.

Die Übergabe des Unternehmens sollte zu Lebzeiten erfolgen. Spätestens zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr des Unternehmers seien die Weichen zu stellen. "Sich keine oder zu spät Gedanken um die Nachfolge zu machen, ist ein großer Fehler", sagt Abenheimer.

Familieninterne Übergabe durch Schenkung

Eine familieninterne Schenkung ist nach Expertenmeinung die bessere Option. Beiden Wegen – erben oder schenken – ist gemein, dass am Anfang eine Standortbestimmung steht: Wo steht der Betrieb? Wie geht es weiter? Gibt es in der Familie einen Nachfolger oder kommt ein Verkauf in Frage? Wie ist der Betrieb strukturell aufgestellt (Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaft)? Ist damit eine Übergabe möglich? "Man muss die Vermögensstruktur analysieren, um abzuschätzen, was es kostet, auf die nächste Generation zu übertragen", so der Experte.

Wenn der Wert des erworbenen begünstigten Betriebsvermögens den Betrag von 26 Millionen Euro nicht übersteigt, kann der Erwerber zwischen folgenden Verschonungsmöglichkeiten wählen (Quelle: Bundesjustizministerium):

  • Regelverschonung mit Verschonungsabschlag von 85 Prozent. Dann muss er das Unternehmen fünf Jahre lang – auch unter Einhaltung einer bestimmten Lohnsummenvorgabe – fortführen. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren bei dieser Variante zusätzlich von einem gleitenden Abzugsbetrag in Höhe von 150.000 Euro.
  • Optionsverschonung mit Verschonungsabschlag von 100 Prozent. Dann muss er das Unternehmen sieben Jahre lang fortführen und dabei eine höhere Lohnsummenvorgabe erfüllen.

Wenn der Wert des erworbenen begünstigten Vermögens den Betrag von 26 Millionen Euro übersteigt (sogenannter Großerwerb), kann er zwischen folgenden Verschonungsmöglichkeiten wählen (Quelle: Bundesjustizministerium):

  • Abschmelzmodell für den Verschonungsabschlag. Dabei verringert sich der Prozentsatz des Verschonungsabschlags mit steigendem Wert des erworbenen begünstigten Vermögens bis auf 0 Prozent. Es gelten dieselben Fortführungs- und Lohnsummenvorgaben wie für die Regel- beziehungsweise Optionsverschonung.
  • Verschonungsbedarfsprüfung: Die auf das begünstigte Vermögen entfallende Steuer wird vollständig oder teilweise erlassen, soweit der Erwerber diese nicht aus seinem verfügbaren Vermögen begleichen kann. Dann muss er das Unternehmen sieben Jahre lang fortführen und dabei eine entsprechende Lohnsummenvorgabe erfüllen.

Wie beim Vererben kann bei einer Schenkung der erbrechtliche Pflichtteil nicht umgangen werden. "Ein Betriebsinhaber kann nicht einfach seinen einzigen wertvollen Vermögensteil einem seiner Kinder geben", sagt Experte Abenheimer. Das heißt, er könne schon, aber im Erbfall komme es dann unter Umständen zu Pflichtteilsergänzungsansprüchen. Oft verzichte eines der Kinder allerdings gegen eine Abfindung auf seinen Pflichtteil. Auf den Pflichtteil am Betriebsvermögen zu verzichten heiße aber nicht enterben, sondern nur dass ein Erbe auf seinen Pflichtteil am geschenkten Betrieb verzichte. Sein Anteil an einem möglicherweise vorhandenen Privatvermögen bleibt davon unberührt. Letztlich sei es eine familieninterne Entscheidung, ob auf den Anspruch verzichtet werde, damit der Betrieb ungeschmälert weiterlaufen könne.

Fazit: Besser früher als später das Thema Nachfolge angehen

Wer einen Handwerksbetrieb besitzt, sollte sich frühzeitig Gedanken um seine Nachfolge machen. Mit entsprechender Planung kann ein Betrieb innerhalb der Familie in vielen Fällen nahezu steuerfrei übergeben werden. "Dazu müssen frühzeitig Lösungen in der Gestaltung gefunden werden", sagt Arno Abenheimer. Die Umstände, die Unternehmer berücksichtigen müssen, seien so vielfältig, dass es ohne professionelle Hilfe nicht gehe. Und die sollte man sich holen, denn: "Der größte Fehler ist, nichts zu tun."

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