Hausbau 3D-Druck: Wie ein Wohnhaus in 72 Stunden entsteht

Die Gemeinde Wallenhausen im Landkreis Günzburg hat nur 520 Einwohner. Trotzdem ist das Dorf europaweit bekannt. Vor kurzem wurde hier ein Mehrfamilienhaus bezogen, das auf ganz besondere Weise entstanden ist.

In der kleinen Gemeinde Wallenhausen im Landkreis Günzburg steht das erste 3D-Mehrfamilienhaus, das europaweit für Furore gesorgt hat. - © Rupp

Selten stehen sich Tradition und Moderne so nahe wie in der 520-Einwohner-­Gemeinde Wallenhausen, einem Ortsteil von Weißenhorn im Landkreis Günzburg. Auf der einen Seite die jahrhundertealte Kirche und vis-à-vis ein 5-Familien-Haus aus dem 3D-Druck, das europaweit für Furore gesorgt hat.

Bauherr und gleichzeitig ausführender Betrieb ist die Michael Rupp Bauunternehmung GmbH aus Weißenhorn. Maurermeister Fabian Rupp ist Geschäftsführer des Familienbetriebs und hat zusammen mit seinem jüngeren Bruder Sebastian eine Innovation gewagt und einen großen Schritt in die Zukunft der Baubranche getan.

Mut zur Innovation

“Als Familienunternehmen bauen wir seit 25 Jahren Häuser, aber eines aus dem 3D-Drucker war auch für uns neu“, sagen die Brüder Rupp, die sich dem Betondruck verschrieben haben. Gemeinsam mit der Firma Peri, einem internationalen Hersteller von Schalungs- und Gerüstsystemen, ebenfalls aus Weißenhorn, haben sie in nur neun Monaten das Gebäude mit rund 380 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Etagen erstellt. “Die reine Druckzeit betrug nur 72 Stunden“, berichtet Fabian Rupp.

Gauben, Fensterläden und Steildach

Allerdings habe es durch die Kälte im Januar und Februar einen Baustopp gegeben und auch die Auswirkungen der Pandemie haben zu Unterbrechungen geführt. Gestartet wurde der Bau im Oktober 2020 auf der noch konventionell erstellten Kellerdecke. Noch vor Weihnachten war der Rohbau fertig und unter Dach und Fach. Optisch erscheint das Haus klassisch. Das Gebäude hat Gauben, Fensterläden, ein Steildach mit Biberschwanzziegeln und fügt sich gut in das dörfliche Umfeld ein. Die Kombination Beton und Holz wirkt charmant.

Auch der Ausbau ging schneller als sonst üblich über die Bühne. Sebastian Rupp: “Bereits in der Planung wurden gleich alle Kanäle für Sanitärleitungen und Elektrik mitgedruckt, so dass mühsames Schlitzen und Herausbrechen nicht erforderlich waren. Die Zeitersparnis ist erheblich und so können die nachfolgenden Gewerke exakt planen und werden durch geringeren Aufwand auch günstiger.“ Nach fünf Monaten Ausbauzeit sind nun die ersten Mieter in Wallenhausen eingezogen und fühlen sich ausgesprochen wohl: “Eigentlich lebt man hier nicht anders als in jedem anderen modernen Neubau“, so Felix Jehle, der eine 2-Zimmer-Wohnung bezogen hat.

Vorteile der Drucktechnik

Dass Neubauten künftig aus dem Betondrucker kommen, davon sind die Brüder Rupp überzeugt. Für Planer und Architekten liege der Vorteil in der Designfreiheit, sagt Fabian Rupp. “Dem Drucker ist es egal, ob er gerade oder geschwungene Wände drucken soll, glatte oder raue Oberflächen. Auch Überhänge und dergleichen sind problemlos möglich und viel günstiger als im konventionellen Verfahren, wo für Sonderformen bereits die Schalung höchst aufwändig und somit teuer wäre.“ Der Drucker arbeite mit einer Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Sekunde und braucht so eine durchschnittliche Druckzeit von 48 Stunden für ein Einfamilienhaus.

Der Drucker schafft bis zu einem Meter pro Sekunde und braucht so eine durchschnittliche Druckzeit von 48 Stunden für ein Einfamilienhaus. - © Rupp

Günstig, schnell und ökologisch

Für die Rupps ist das Mehrfamilienhaus in Wallenhausen erst der Anfang. Die Brüder werden noch in diesem Jahr eine eigene Firma gründen, die sich ausschließlich mit dem Drucken von Gebäuden befasst. Sie möchten den 3D-Betondruck massentauglich machen und haben sich bereits einen eigenen Drucker gekauft. “Durch selbstentwickelte, nachhaltige Gebäude wollen wir der Komplettanbieter für 3D-gedruckte Häuser werden und das 3D-Druckverfahren in Deutschland und Europa als sichere, günstige, schnelle und ökologisch sinnvolle Bauweise etablieren“, sagt Sebastian Rupp. In Zusammenarbeit mit Architekten wird derzeit ein Katalog mit möglichen Häusern erstellt und als nächstes Projekt werden Teile der neuen Rupp-Firmenzentrale mit über 1.000 Quadratmetern gedruckt werden. dhz