Energiepauschale & Co. 17 neue Steuerinfos für den Betriebsalltag

Das Steuerrecht kennt keine Sommerpause. Neue Regeln gibt es zur Energiepreispauschale, Photovoltaikanlagen, Werbungskosten und Minijobs. Eine Übersicht für Betriebsinhaber.

Die Energiepauschale in Höhe von 300 Euro steht Erwerbstätigen zu, die im Jahr 2022 Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständiger oder nichtselbständiger Arbeit erzielen. - © N. Theiss - stock.adobe.com

1. Energiepreispauschale I

Auch Minijobbern muss der Arbeitgeber die Energiepreis­pauschale (EPP) auszahlen, sollte das Minijobverhältnis am 1. September 2022 bestanden haben. Das Finanzamt erstattet die ausbezahlte EPP dem Arbeitgeber jedoch nur, wenn dieser sich schriftlich vom Minijobber bestätigen lässt, dass es sich bei dem Minijob um das erste Beschäftigungsverhältnis handelt (Minijob = Hauptjob).

2. Energiepreispauschale II

Die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro winkt auch Arbeitnehmern, die steuerfreie Einkünfte erzielen (zum Beispiel aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit). Zahlt der Arbeitgeber die EPP nicht aus, muss trotz nur steuerfreiem Arbeitslohn eine Steuererklärung 2022 beim Finanzamt eingereicht werden. Dann prüft das Finanzamt den Anspruch auf EPP (Ehrenamt muss Hauptberuf sein) und zahlt diese aus.

3. Unklare Mittelherkunft

Prüft das Finanzamt ein Unternehmen, in dem auch Bargeschäfte üblich sind und erfolgen regelmäßig Bareinlagen in den Betrieb, interessiert sich das Finanzamt natürlich für die Herkunft dieser Einlagen. Kann ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer hierzu keine plausiblen Nachweise vorlegen, drohen Zuschätzungen zum Umsatz und Gewinn und somit Steuernachzahlungen. Hat der Prüfer des Finanzamts allerdings keine Indizien für nicht aufgezeichnete Einnahmen gefunden, darf keine Zuschätzung vorgenommen werden (FG Münster, Urteil v. 18.05.2022, Az. 10 K 261/17).

4. Homeoffice-Pauschale

In einer Verfügung der Finanzverwaltung findet sich ein interessanter Hinweis zur Homeoffice-Pauschale. Die Pauschale von 5 Euro pro Tag, an dem ausschließlich zu Hause gearbeitet wird, maximal 600 Euro, darf auch dann steuerlich abgesetzt werden, wenn die Arbeit in einer Zweitwohnung im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung verrichtet wird. Besonderheit: Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung dürfen die Ausgaben für die Zweitwohnung bis zu einem Betrag von monatlich 1.000 Euro als Werbungskosten beziehungsweise Betriebs­ausgaben abgezogen werden. Die 600 Euro Homeoffice-Pauschale gibt dazu noch oben drauf.

5. Zuschuss zur Grunderwerbsteuer NRW

Wer sich in Nordrhein-Westfalen (NRW) im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2022 eine Immobilie für eigene Wohnzwecke kauft, muss aktuell 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer ans Finanzamt bezahlen. Gute Nachricht: Auf Antrag gibt es einen Zuschuss zur Grunderwerbsteuer in Höhe von zwei Prozent. Der Antrag kann bis Mitte 2023 bei der NRW Bank gestellt werden. Infos unter nrwbank.de.

6. Antrag auf Lohnsteuerfreibetrag

Die Energiepreise und die Lebenshaltungskosten steigen ins Unermessliche. Grund genug, sein Nettogehalt 2022 und 2023 anzuheben. Möglich macht das ein Antrag auf Lohnsteuerermäßigung für 2022 und 2023. Dem Finanzamt werden alle (voraussichtlichen) Steuerausgaben präsentiert. Das Finanzamt ermittelt aus den Angaben einen Lohnsteuerfreibetrag. Der Arbeitgeber behält dann weniger Lohnsteuer ein. Der Antrag für 2022 kann letztmals am 30. November gestellt werden. Für 2023 startet das Lohnsteuerermäßigungsverfahren am 1. Oktober 2022.

7. Werbungskosten trotz Insolvenzgeld

Bekommt ein Arbeitnehmer sein Geld nicht vom Arbeitgeber überwiesen, sondern vom Staat im Rahmen des Insolvenzgeldes, stellt sich die Frage, ob während der Zeit des Bezugs des Insolvenzgeldes trotzdem Werbungskosten für die Fahrten zur Arbeit geltend gemacht werden dürfen? Die Antwort lautet "ja". Zwar ist das Insolvenzgeld steuerfrei. Dennoch muss das Finanzamt die in dem Zeitraum des Bezugs des Insolvenzgeldes angefallenen Werbungskosten steuerlich berücksichtigen. Ist der Sachbearbeiter im Finanzamt anderer Meinung, sollte er auf ein älteres Urteil des Bundesfinanzhofs verwiesen werden, das hier anzuwenden ist (BFH, Urteil vom 23.11.2000, Az. VI R 93/98).

8. Steuerhinterziehung - nein danke

Ehegatten, bei denen ein Partner die Lohnsteuerklasse V und der andere die Lohnsteuerklasse III hat, sind grundsätzlich zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, da es zu Steuernachzahlungen kommen kann. Stößt das Finanzamt erst nach zehn Jahren auf diese Lohnsteuerklassenkombination, kann keine Steuerhinterziehung angenommen werden. Denn das Finanzamt hat das Ehepaar zum einen nie zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert. Zum anderen hatte das Finanzamt Kenntnis von der Steuerklassenkombi III/V (FG Münster, Urteil vom 24.06.2022, Az. 4 K 135/19 E).

9. Minijob: neue Verpflichtung

Minijobs sind beliebt, weil der Minijobber sein Gehalt nicht mehr zusätzlich versteuern muss. Arbeitgeber sollten jedoch eine Neuregelung zum 1. Januar 2023 beachten. Ab diesem Zeitpunkt wird die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht mehr in Papierform ausgegeben. Die AU-Bescheinigung kann vom Arbeitnehmer nur noch in elektronischer Form von der Krankenkasse des Minijobbers abgerufen werden. Bis Ende des Jahres 2022 sollten Minijobber deshalb dazu aufgefordert werden, den Namen ihrer Krankenkasse mitzuteilen.

10. Aus für Steuersparmodell

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG), haben einen Firmenwagen geleast und die Privatnutzung des Firmenwagens wird nach der pauschalen 1-Prozent-Regelung ermittelt? Wenn ja, sollten Sie unbedingt bei ihrem Steuerberater anklopfen und nachhaken, ob ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) Auswirkungen auf Ihre Gewinnermittlung hat. Die Rede ist vom BFH-Urteil vom 17. Mai 2022 (Az. VIII R 26/20; veröffentlicht am 18.08.2022). Sollte der Privatanteil bisher zu niedrig versteuert worden sein, ist das anzupassen. Ohne Anpassung droht vielleicht in späteren Jahren eine Betriebsprüfung.

11. Werbungskosten aus Vermietung

Wer eine Immobilie bauen lässt und vermietet beziehungsweise für seinen Betrieb nutzt, darf die Finanzierungskosten im Jahr der Zahlung als Betriebsausgaben beziehungsweise Werbungskosten abziehen. Die Kosten für die Herstellung sowie die Bauleistung fließen generell in die Herstellungskosten des Gebäudes ein. Die gesamten Herstellungskosten wirken sich dann nur über Jahrzehnte anteilig über die Gebäudeabschreibung steuermindernd aus. Ausnahme: Besteht die finanzierende Bank auf eine Bauüberwachung zum Beispiel durch einen Bauleiter, handelt es sich bei diesen Kosten nicht um Herstellungskosten, sondern steuerlich um sofort abziehbare Finanzierungskosten (BFH, Urteil v. 06.12.2021, Az. IX R 8/21).

12. Photovoltaikanlage I

Bei kleinen Photovoltaikanlagen kann der Betreiber der Anlage beim Finanzamt einen Antrag auf Befreiung von der Erklärungspflicht wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht (sogenannte Liebhaberei) stellen. Dann muss keine Anlage EÜR oder G mehr eingereicht werden. Das ist bei Anlagen mit einer Leistung von bis zu 10 Kilowatt möglich. Wichtig: Dieser Antrag sollte unbedingt vorher mit dem Steuerberater abgestimmt werden. Denn der Wegfall der Erklärungspflicht kann auch offene Altjahre betreffen. Das kann schlimmstenfalls zu unerwünschten Steuernachzahlungen führen. Und zwar dann, wenn der Steuerbescheid von Altjahren noch änderbar ist und damals Verluste aus dem Betrieb der Photovoltaikanlage mit anderen Einkünften steuersparend verrechnet wurden. Durch den Antrag würde das Finanzamt die damaligen Verluste kippen und das zu versteuernde Einkommen der Altjahre erhöhen.

13. Photovoltaikanlage II

Wer den Antrag auf fehlende Gewinnerzielungsabsicht beim Finanzamt stellt, muss bestimmte Fristen einhalten. Bei Neuanlagen (Inbetriebnahme nach dem 31. Dezember 2021) muss der Antrag bis zum Ablauf des Steuerjahrs gestellt werden, dass auf das Jahr der Inbetriebnahme folgt. Bei Altanlagen (Inbetriebnahme zwischen dem 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2021) muss der Antrag bis Ende 2022 erfolgen. Auch hier lohnt sich das Gespräch mit dem Steuerberater.

14. Photovoltaikanlage III

Der Antrag auf Befreiung von der Erklärungspflicht für kleine Photovoltaikanlagen gilt nur für das Ertragssteuerrecht (Einkommensteuer, Gewerbesteuer). Eine Umsatzsteuererklärung mit den erzielten Vergütungen aus der Stromeinspeisung und dem umsatzsteuerpflichtigen Eigenverbrauch aus dem Betrieb der Anlage muss nach wie vor beim Finanzamt eingereicht werden. Diese Vereinfachungsregelung gilt auch für kleine Blockheizkraftwerke mit einer elektrischen Leistung bis zu 2,5 Kilowatt.

15. GmbH-Geschäftsführer: Haftung steuerlich absetzbar?

Ein typischer Fall aus der Praxis: Ein GmbH-Geschäftsführer kommt seinen steuerlichen Pflichten für die GmbH nicht nach. Wegen Insolvenz der GmbH nimmt das Finanzamt den GmbH-Geschäftsführer für nicht abgeführte Lohnsteuer in Haftung. Kann der GmbH-Geschäftsführer diese Haftungszahlung irgendwie steuersparend geltend machen? Antwort: Ja, kann er. Nach einem aktuellen Urteil kann er den Haftungsbetrag als Werbungskosten aus nicht selbstständiger Tätigkeit (Geschäftsführer-Gehalt) geltend machen (BFH, Urteil v. 08.03.2022, Az. VI R 19/20).

16. Beschleunigung der Betriebsprüfung

Im Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2022 sind interessante Neuregelungen zur Betriebsprüfung des Finanzamts geplant. Die wichtigsten Infos: Betriebsprüfungen sollen früher beginnen und schneller zu Ende sein. Kleiner Wermutstropfen: Unternehmer sollen deutlich mehr Mitwirkungspflichten auferlegt werden. Kommen sie diesen nicht nach, drohen Strafzahlungen. Nach Kritik eines Steuerberaterverbands hat der Gesetzgeber an der einen oder anderen Stelle noch einmal nachgebessert.

17. Anlage EÜR 2022

Am 1. September 2022 hat das Bundesfinanzministerium die Anlage EÜR 2022, in der Einnahmen-Überschussrechner ihren Gewinn 2022 ermitteln müssen, veröffentlicht (BMF-Schreiben, Az. IV C 6 - S 2142/21/10002 :010). Die Belegablage 2022 sollte auf die Zeilen dieser Anlage EÜR abgestimmt werden. Das erleichtert später die Arbeit beim Ausfüllen der Anlage.