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Handwerkspräsident im SZ-Interview Wollseifer: "Flüchtling ist kein Beruf"

Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer fordert Änderungen beim Bleiberecht. Betriebe sollen motiviert werden Flüchtlinge als Azubis einzustellen. Nach der Lehre sollen die Azubis zwei Jahre in Deutschland bleiben dürfen.

Deutschland braucht Arbeitskräfte. Auch im Handwerk fehlen Nachwuchskräfte. Gleichzeitig steigt die Zahl der Flüchtlinge. Im Interview mit der „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) fordert Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer nun, dass beide Themen besser miteinander vereinbart werden müssen. Viele der Flüchtlinge seien gut ausgebildet und hoch motiviert. "Wir dürfen diese Menschen nicht zum Nichtstun verurteilen. Flüchtling ist kein Beruf", sagte Wollseifer der SZ.

Er fordert die Politik auf, das deutsche Bleiberecht so zu ändern, dass Flüchtlinge, die eine Ausbildung hierzulande beginnen, danach zwei Jahre in Deutschland bleiben dürfen. Das sei auch eine Motivation für Betriebe, Flüchtlinge einzustellen.

Kammer vermittelt Jobs

In der Vergangenheit hatten sich immer wieder Betriebe grundsätzlich offen dafür gezeigt, Flüchtlinge als Azubis aufzunehmen. So lange sie allerdings nicht wissen, ob den Flüchtlingen während der Ausbildung die Abschiebung droht, bleibt eine große Unsicherheit und damit auch Zurückhaltung an der Tagesordnung.

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern hat derweil einen Mitarbeiter eingestellt, der sich gezielt darum kümmert, Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien oder anderen Ländern in Handwerksberufe zu vermitteln. Auch die Handwerkskammer Region Stuttgart hat sich in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und den Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, dafür ausgesprochen, den Leistungswillen der Flüchtlinge zu erkennen und zu nutzen – unabhängig von seinem Aufenthaltsstatus.

Integration durch Deutschlernen

Voraussetzung für eine Ausbildung und eine Anstellung ist nach Ansicht von Wollseifer, dass die Flüchtlinge zügig Unterstützung beim Deutschlernen bekommen. „Sie müssen vom zweiten Tag an Deutsch lernen und so sinnvoll beschäftigt werden“, sagte er im SZ-Interview und wies auch darauf hin, dass so Probleme wie die Scheinselbstständigkeit bekämpft werden können.

Bislang ist die rechtliche Lage für Betriebe, die Flüchtlinge einstellen wollen, nicht immer eindeutig. dhz

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