Das Interesse an grünen Geldanlagen steigt stetig. Doch welche Investments wirklich ökologisch oder nachhaltig sind, lässt sich nur schwer nachvollziehen, denn ein Qualitätssiegel gibt es nicht.
Michael Sudahl
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen schätzt den Markt für Geldanlagen mit Klimaschutz in Deutschland auf jährlich 60 bis 80 Millionen Euro. Mit steigender Tendenz. Einer Umfrage der DZ-Bank zufolge halten mehr als die Hälfte aller deutschen Anleger Umweltschutz und Nachhaltigkeit für ein wichtiges Kriterium. Wobei 62 Prozent der Öko-Sparer davon ausgehen, dass ressourcenschonende Anlagen obendrein attraktive Renditen erzielen können, wie eine Studie der Börse Hamburg-Hannover herausgefunden hat.
Bisher gibt es keine einheitlichen Umweltstandards
"Die Grüne Rente ist ein großer Trend", bestätigt Markus Sobau. Der Chef von Confina berät Mittelständler in Finanzfragen. Aktuell rennen dem Mannheimer Finanzdienstleister nach eigenen Angaben die Firmen die Bude ein. Nicht zuletzt die Bankenkrise habe viele Menschen erschüttert und wachgerüttelt, erklärt der Geldexperte. Wer heute sein Erspartes anlegen will, fragt zwar weiterhin zuerst nach dem Risiko und dem Ertrag.
"Dann wollen die Leute aber, dass ihr Geld in umweltfreundlichen und nachhaltigen Projekten angelegt wird", sagt Sobau. Doch damit fängt das Dilemma an. Zwar gibt es unzählig viele Öko-Labels, doch weder Finanzbranche noch Politik haben es bislang geschafft, sich auf einheitliche Umweltstandards zu einigen. Somit sind die Begriffe "nachhaltige", "umweltfreundliche" oder "ethische" Geldanlage nicht wirklich klar definiert oder geschützt.
Niemals blind zugreifen
Deutlich wird Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie leitet das Projekt "Klimafreundliche Geldanlage" und sagt: "Ein allgemeingültiges Qualitätssiegel für ökologische Investments gibt es nicht." Und rät den Anlegern, egal ob Tagesgeld, Fonds oder Versicherung niemals blind zuzugreifen. Vielmehr sollten sie sich immer fragen: "Was haben die Firmen und deren Angebot, in die ich investiere, letztlich mit Klimawandel und -schutz zu tun?" Denn hier klaffen die Ansprüche bereits weit auseinander.
Seite 2: Anleger sollten ihre Erwartungen vorher genau festlegen. >>>
Dem einen reicht es, wenn das Kreditinstitut einen Teil des Geldes in nachhaltige Projekte wie Windparks oder Wasserkraftwerke investiert. Andere wollen, dass auch ethische oder soziale Projekte unterstützt werden. Und oft stellt sich zudem die Frage: Wie genau nehmen es die Anbieter mit Nachhaltigkeit und Transparenz?
Wie "sauber" darf's denn sein?
Die Bremer Verbraucherschützer wollen demnächst einen Katalog vorlegen, der genau diese Fragen beantwortet. In einer Checkliste weisen sie darauf hin, dass für grüne wie für herkömmliche Anlagen im ersten Schritt gleiche Auswahlkriterien gelten. Die da heißen: persönliche Bestandsaufnahme und Risikoeinschätzung. Sprich, soll das Geld regelmäßig angespart werden oder steht eine größere Summe zur Verfügung? Wie lange darf es liegen und liebt der Anleger es eher konservativ oder spekulativ?
Sind diese Grundsatzfragen geklärt, empfiehlt Sobau zu definieren, wie viel der Anleger "sauber" beziehungsweise klimabewusst anlegen will. "Am besten ist eine Prozentaussage", so der Betriebswirt. Reichen also zehn oder sollen es 90 Prozent der Geschäftstätigkeit sein, die ökologisch angelegt werden?
Transparenz der Anbieter ist wichtig
Genauso wichtig ist die Transparenz. Welche Berichtsformen hat der Anbieter und wie schlüsselt er seine Anlagen auf? Gleiches gilt für die Kosten im Fall eines Wechsels in ein anderes Produkt. Bezahlen lassen sich die Banken zudem gerne den Aufwand für eine spätere Beitragsfreistellung oder wenn Anleger Verträge vorzeitig beenden wollen. Bei Fonds und Einzelanlagen sollten Anleger darüber hinaus klären, wann sie mit ersten Auszahlungen rechnen können. Ob sie das Investment wieder verkaufen können und ob sie bei schlechter Geschäftsentwicklung womöglich Geld nachschießen müssen.
Eine Übersicht über klimafreundliche Anlagen und Möglichkeiten ökologischer Geldanlagen finden Sie unter verbraucherzentrale-bayern.de/klimafreundliche-sparanlagen .
Checkliste zur klimabewussten Geldanlage
Wie "grün" soll das Investment sein?
- Wer wert auf Ökologie legt, sollte schauen, in welche Branchen die Anlage investiert.
- Wie hoch ist der Umsatz im Klimaschutz?
- Welche weiteren Tätigkeitsschwerpunkte gibt es?
- Vor allem bei Investmentfonds oder ähnlichen Anlagen, sollte sich das Management dazu äußern, nach welchen Positiv- oder Negativ-Kriterien es Anlagemöglichkeiten auswählt.
- Wer genau wissen will, wie „sauber“ eine Geldanlage ist, sollte fragen, wie viel Prozent des Monatsbeitrages tatsächlich nach klimabewussten Kriterien angelegt werden. Und wie sich das ökologisch investierte Kapital im Laufe der Jahre entwickelt.
Wie transparent ist der Anbieter?
- Kommt er jährlich seiner Berichtspflicht nach und vor allem wie faktenreich ist diese?
- Teilt er die Anlagequote in klimabewusste Investments mit?
- Und schlüsselt er die Kriterien auf?
- Werden Angaben zu Verwaltungs- und Vertriebskosten gemacht?
- Wie viel kostet der Wechsel zu einem anderen Produkt?
- Entstehen Kosten bei einer späteren Beitragsfreistellung?
- Unter welchen Bedingungen können sich die genannten Kosten ändern?
- Wie hat der Anbieter in den zurückliegenden Jahren gewirtschaftet, wurden versprochene Renditen tatsächlich erzielt?
- Wie sehen die Finanzkraft und die Bonität des Anbieters aus, gibt es Sicherungssysteme?
