Hauptuntersuchung für ältere Autos Vorerst keine Pflicht zum jährlichen TÜV

Ältere Autos müssen vorerst nicht jedes Jahr zur Hauptuntersuchung. Der Verkehrsausschuss im Europaparlament hat einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, der auch vom deutschen Kfz-Gewerbe befürwortet worden war, abgelehnt. Allerdings steht eine Entscheidung durch das Plenum im Europaparlament noch aus.

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Voraussichtlich bleibt aber die deutsche Regelung, nach der Autos das erste Mal nach drei Jahren und danach alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung (HU) müssen, gültig. Das Parlament will den Zwei-Jahres-Intervall auch EU-weit zur Pflicht machen.

EU-Verkehrskommissar abgeblitzt

Mit seiner Forderung nach häufigeren Kontrollen für ältere Autos war EU-Verkehrskommissar Siim Kallas bereits im vergangenen Jahr bei den Verkehrsministern abgeblitzt. Er wollte Autos, die älter als sechs Jahre oder mehr als 160.000 Kilometer gefahren sind, jährlich überprüfen lassen.

Dafür gibt es gute Gründe, argumentierte auch das deutsche Kfz-Gewerbe. Denn laut DAT-Report 2012 sei die Schadenshäufigkeit und damit die Anzahl der Reparaturen pro Auto und Jahr bei sechs bis acht Jahre alten Fahrzeugen dreimal so hoch wie bei Autos, die zwei bis vier Jahre alt sind. Bei Fahrzeugen mit einem Alter von acht Jahren und mehr sei diese Quote sogar viermal höher.

Seite 2: Junge Fahrer und alte Autos

Je älter die Fahrzeuge, desto häufiger seien laut DAT-Report 2012 zum Beispiel die Bremsbeläge zu erneuern. Liege die Schadenshäufigkeit dieser extrem sicherheitsrelevanten Teile bei den zwei bis vier Jahre alten Fahrzeugen lediglich bei zwei Prozent, so steige dieser Wert bei den sechs bis acht Jahre alten Fahrzeugen auf 18 Prozent.

In der Gruppe der über acht Jahre alten Pkw betrage dieser Wert sogar 20 Prozent. Auch deshalb sei eine jährliche Überprüfung ab dem siebten Jahr oder ab einer bestimmten Laufleistung sinnvoll für die Steigerung der Verkehrssicherheit.

Erhöhte Risikobereitschaft

Dies sei gerade deshalb geboten, weil vor allem Fahranfänger häufig mit älteren Fahrzeugen unterwegs sind. Die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren ist laut Unfallbericht des Statistischen Bundesamtes für 2010 die mit Abstand am stärksten gefährdete Altersgruppe im Straßenverkehr. Knapp 19 Prozent aller Getöteten und jeder fünfte Verletzte gehörte zu dieser Altersgruppe, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur bei 8,3 Prozent lag.

Die gesteigerte Risikobereitschaft dieser Altersgruppe und die vermehrten technischen Mängel bei älteren Fahrzeugen führten in ihrer Verbindung zu einem massiv erhöhten Gefahrenpotenzial. Dieses könne durch Einführung einer jährlichen HU für ältere Fahrzeuge zumindest verringert werden, so der Verband. dpa/ste