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Neue Lehrinhalte Neues Ausbildungsjahr: acht Handwerksberufe modernisiert

Ab dem 1. August startet das neue Ausbildungsjahr. Im Handwerk gibt es acht Ausbildungsberufe, deren Inhalte angepasst und modernisiert wurden.

Auch in diesem Jahr beginnen wieder rund 120.000 junge Menschen ihre Ausbildung in einem Handwerksberuf und starten ins Berufsleben. Vom "Geigenbauer " bis zur " Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik" – zum Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. August werden insgesamt acht Ausbildungsberufe im Handwerk modernisiert.

Wettbewerbsfähigkeit sichern

"Die hohe Zahl modernisierter Ausbildungsberufe zeigt, wie dynamisch und flexibel unser duales Ausbildungssystem ist", betont Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Insgesamt wurden 17 Ausbildungsberufe modernisiert.

Im Handwerk bekommen Ausbildungen in traditionellen Berufen wie dem Gerber oder dem Schuhmacher ein neues Gesicht. "Dies sichert die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Das Ziel der moderneren Ausbildungen ist es, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen praxisnahe, arbeitsmarktrelevante Qualifikationen zu vermitteln", sagt Esser.

Aus dem Gerber wird die Fachkraft für Lederherstellung

Eine der Ausbildungen, die am stärksten verändert wird, ist die des Gerbers. Die Berufsausbildung zum Gerber stammt bereits aus dem Jahre 1981. Allerdings fanden in der jüngeren Vergangenheit neben technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen auch zusätzliche strukturelle Entwicklungen in den Unternehmen statt. Diese wirken sich auch auf die beruflichen Anforderungen und Tätigkeiten der Beschäftigten aus.

Nicht zuletzt deshalb ändert sich nun sogar die Berufsbezeichnung. Aus dem Gerber wird die "Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik". Die neue Bezeichnung soll die Breite des Berufsbildes verdeutlichen und auf junge Menschen attraktiver wirken, so das Bundesinstitut.

Ebenfalls neu sind die Einführung der gestreckten Abschluss- und Gesellenprüfung sowie die Einführung von situativen Fachgesprächen in beiden Prüfungsteilen. Teil 1 der Prüfung fließt künftig mit 35 Prozent in die Abschlussnote ein.

Weitere Ausbildungen im Handwerk, die sich zum 1. August ändern

Bogenmacher/in:

Erstmals wird in den Berufsschulen auf der Grundlage von Lernfeldern unterrichtet. Die Struktur der Lernfelder orientiert sich dabei an konkreten beruflichen Aufgabenstellungen. Der Vorteil: Durch den handlungsorientierten Unterricht soll den Lehrlingen unter anderem eine höhere Flexibilität im Berufsalltag vermittelt werden.

Geigenbauer/in:

Die Prüfungsform mit Zwischenprüfung und Gesellenprüfung wurde beibehalten. Allerdings erhöht sich die für das Prüfungsstück vorgesehene Zeit von 120 auf 160 Stunden. Außerdem werden auch hier Lernfelder eingeführt.

Holzmechaniker/in:

Neben den Fachrichtungen "Herstellen von Möbeln und Innenausbauten" sowie "Herstellen von Bauelementen, Holzpackmitteln und Rahmen" gibt es künftig mit dem "Montieren von Innenausbauten und Bauelementen" eine dritte Fachrichtung.

Kerzenherstellung zunehmend Automatisiert

Kerzenhersteller und Wachsbildner/in:

Ob Gießen, Pressen oder Ziehen - aufgrund technischer Weiterentwicklungen spielt eine Automatisierung zur Herstellung von Kerzen eine zunehmende Rolle. Manuelle Fertigungsverfahren haben demgegenüber zwar an Bedeutung verloren, sind aber dennoch weiterhin als berufliche Kompetenz erforderlich. Deshalb wurden Ausbildungs- und Prüfungsinhalte dementsprechend um die technische Komponente erweitert.

Orthopädieschuhmacher/in:

Auch hier wurde die Ausbildung aufgrund von technischen, strukturellen und organisatorischen Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit angepasst. Unter anderem werden Qualifikationen zur Anatomie, Physiologie und Pathologie der Stütz- und Bewegungsorgane, zur Biomechanik und zur Struktur des Gesundheitswesens neu in die Ausbildung mit aufgenommen.

Näher/in und Schneider/in werden getrennt

Textil- und Modenäher/in:

Durch den neuen Zusatz "Textil"soll zum einen deutlich werden, dass nicht nur Oberbekleidung (Mode), sondern auch andere Textilien wie beispielsweise Krawatten, Mützen oder Unterwäsche hergestellt werden Zum anderen wird vermieden, dass falsche Berufsvorstellungen bei den Jugendlichen geweckt werden.

Textil- und Modeschneider/in:

Im Gegensatz zum Näher, dauert die Ausbildung zum Schneider drei anstatt zwei Jahre. Diese  1997 konzipierte Stufenausbildung ist in dieser Form künftig nicht mehr anwendbar, weshalb für beide überarbeiteten Ausbildungsberufe jeweils eine eigene Ausbildungsordnung erlassen wird. Neu ist die Einführung der Gestreckten Abschlussprüfung. Im Teil eins der Abschlussprüfung werden zwei Arbeitsaufgaben durchgeführt und durch ein situatives Fachgespräch ergänzt. In Teil zwei haben die Auszubildenden und der Ausbildungsbetrieb die Wahl, entweder einen realen betrieblichen Auftrag oder ein konzipiertes Prüfungsprodukt anzufertigen.

Esser: "Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt steht das Berufsbildungssystem vor großen Herausforderungen. Deshalb wird das BIBB die Modernisierung der Ausbildungsberufe in den kommenden Jahren mit einem noch größeren Engagement vorantreiben." bibb/dhz

Weitere Informationen zu den modernisierten Ausbildungsberufen des Jahres 2015 gibt es direkt beim BIBB.

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