Immer mehr Betriebe veröffentlichen freie Stellen in Onlinenetzwerken. Auch bei kleinen Firmen steigt das Interesse am Web 2.0.
Jana Tashina Wörrle
Mit Facebook und Co. neue Mitarbeiter finden
Bereits 29 Prozent aller Unternehmen in Deutschland haben im Jahr 2010 freie Arbeitsstellen in Onlinenetzwerken wie Facebook, StudiVZ oder Xing ausgeschrieben. Nach Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) nimmt die Mitarbeitersuche über das Internet und verstärkt über das so genannte Web 2.0 zu - also über die Onlinemedien, die eine "Mitmachfunktion" anbieten. Die sozialen Netzwerke bieten den Unternehmen gute Möglichkeiten, mit ihrer Zielgruppe direkt in Kontakt zu treten und ein Feedback auf die dort veröffentlichten Angebote zu bekommen. Zugleich erreichen sie die Jugendlichen und somit den potenziellen Nachwuchs für den Betrieb dort, wo diese immer mehr Zeit verbringen.
Aber auch die anderen Möglichkeiten, über das Internet neue Mitarbeiter zu finden, gewinnen sowohl bei großen Unternehmen als auch bei kleinen und mittelständischen Betrieben an Bedeutung. "Freie Stellen auch im Internet anzubieten, gehört heute für viele kleinere Betriebe zum Standard", sagt Stephan Pfisterer, der die BITKOM-Studie bereut. Dass die sozialen Netzwerke mittlerweile quer durch die Wirtschaft genutzt werden, habe ihn überrascht, sagt er zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage, an der 1.500 Firmen aller Branchen teilnahmen. Und auch wie schnell die Beteiligung steige, findet er verblüffend. "Die Präsenz der Unternehmen im Web 2.0 hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wird auch noch viel stärker wachsen", sagt Pfisterer.
Zwar haben hier die großen Firmen immer noch die Nase vorn - 58 Prozent veröffentlichen ihre offenen Stellen bereits in sozialen Netzwerken, von den kleinen und mittelständischen Betrieben sind es laut BITKOM dagegen erst 29 Prozent - aber insgesamt nähern sich die Zahlen bei den Stellenausschreibungen im Internet an. So veröffentlichen 87 Prozent aller großen Unternehmen, 74 Prozent der mittleren und auch 62 Prozent der kleinen Betriebe freie Stellen auf der eigenen Webseite. Onlinestellenbörsen wie Monster oder Stepstone werden von allen Firmen etwa gleich stark genutzt. 50 Prozent stellen hierfür freie Stellen ein. Das Portal der Bundesagentur für Arbeit wird von drei Viertel der großen Firmen genutzt, aber nur von rund 30 Prozent der kleinen und mittleren. "Die großen Unternehmen decken meist ein breiteres Spektrum an Qualifikationen ab und brauchen daher eine Möglichkeit, ihre freien Stellen breiter zu streuen", sagt Pfisterer. Aus diesem Grund würden sie stärker auf den großen Datenpool der Arbeitsagentur zurückgreifen.
Rückmeldung ist Pflicht
Damit die kleinen Firmen bei der Suche nach geeigneten Mitarbeitern über ihre eigene Profilseite in einem sozialen Netzwerk Erfolg haben, sollten sie nicht versuchen, die Auftritte der großen zu kopieren, rät Pfisterer. Sie sollten sich auf ihre eigenen Kernkompetenzen besinnen und ein realistisches Bild ihres Betriebs zeigen. "Wichtig ist, dass sie das eigene Unternehmen nicht positiv überzeichnet darstellen, denn das wird dann nicht ernst genommen", sagt der Web-2.0-Spezialist.
Unternehmen sollten die Mitarbeiter und sich selbst vorstellen und genau beschreiben, was die potenziellen neuen Mitarbeiter erwartet. Bewusst müssten sie sich jedoch sein, dass das "Mitmachnetz" immer auch die Möglichkeit bietet, das Dargestellte zu kommentieren. "Man muss hier auch Kritik zulassen und auf diese gegebenenfalls reagieren", sagt Pfisterer. Die schnelle Reaktion auf Kommentare und Fragen sei zudem ein sehr wichtiges Kriterium, wenn man als Betrieb im Web 2.0 unterwegs ist und dort nach neuen Mitarbeitern sucht. Genau dieser direkte Kontakt zu den Onlinenutzern eröffnet aber auch viele neue Möglichkeiten, Interesse für das eigenen Unternehmen zu wecken.