Alternative zum Autokauf Leasing birgt finanzielle Risiken

Viele Existenzgründer und Selbstständige setzen beim Firmenwagen aufs Leasen statt Kaufen – schließlich kann man die Raten als Betriebsausgaben abschreiben. Doch Vorsicht: Leasing birgt auch finanzielle Risiken gerade, wenn man nicht viel Geld übrig hat. Den Vertrag frühzeitig zu kündigen, klappt nur selten.

Ein Auto für 99 Euro pro Monat, das klingt nach einem verlockenden Angebot – ist aber risikoreich, weil der Kunde vor Ende der Laufzeit nicht aus dem Vertrag kommt. - © Foto: Andrea Warnecke

Leasing ist eigentlich eine komfortable Sache: Die große Anschaffungsinvestition entfällt, die monatlichen Raten sind überschaubar, und am Ende ist man den Wagen ohne viel Aufwand wieder los. Doch wie immer gilt es auch hier: das Kleingedruckte zählt. Wenn der Kunde die Raten aber nicht mehr bezahlen kann, steht er vor einem riesigen Problem: Vor Ende der Laufzeit kann er nicht aus dem Vertrag aussteigen. Das kann richtig teuer werden.

Kompromisse bei der Finanzierung selten

Die meisten Leasingverträge laufen drei Jahre. Vor Ablauf der Frist zu kündigen, geht nur in Ausnahmefällen: bei einem Totalschaden, bei Diebstahl des Wagens oder wenn der Leasingnehmer stirbt, erklärt ADAC-Rechtsexpertin Silvia Schattenkirchner. "Oder wenn das Fahrzeug gar nicht erst übergeben wird", ergänzt Rechtsanwalt Tobias Goldkamp aus Neuss. In allen anderen Fällen bleibt der Kunde in der Pflicht. Und selbst wenn es ein Gewährleistungsproblem gibt, müsste der Kunde sich an den Autohändler halten.

Verliert der Leasingnehmer seine Arbeit und damit das Einkommen, um die Raten zu stemmen, kann er nicht auf die Nachsicht der Leasingbank hoffen. "Es gibt gar keine Kulanz", betont Schattenkirchner. Das sei die Krux des Leasings, dass sich manche finanziell übernehmen, weil sie denken, sie könnten die drei Jahre überblicken. Diese Gefahr besteht vor allem für Existenzgründer und Selbstständige, die nicht wissen, wie sich Firma und Einnahmen entwickeln.

Ohne Rücklagen schwierig

Die Kompromisslosigkeit der Leasingbanken resultiert Goldkamp zufolge aus rein finanziellen Abwägungen: Aus Sicht der Bank ist es nötig, dass alle Raten voll bezahlt werden. "Sie zahlen als Kunde am Anfang manchmal eine Sonderzahlung, dann die Raten, am Ende geben Sie das Auto zurück, und die Leasingbank verkauft es." Darüber werde der Kaufpreis plus Kosten plus Gewinn gedeckt. "Könnte der Kunde jederzeit kündigen, funktioniert diese Kalkulation nicht mehr."

Die Leasingbank wiederum kann den Vertrag kündigen, wenn der Kunde mit den Raten in Verzug gerät. "Dann wird es richtig teuer", warnt Schattenkirchner. Beim Kilometerleasing müssen die ausstehenden Raten getilgt werden, beim Restwertleasing kommt noch der garantierte Restwert hinzu, der bei Vertragsbeginn festgesetzt wurde. Autofahrer ohne Rücklagen stehen dann vor einem finanziellen Fiasko.

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Es gibt zwar auch Leasingbörsen im Internet, die Verträge an Dritte vermitteln. Die Idee: Wenn der Leasingnehmer den Vertrag nicht mehr erfüllen kann, übergibt er das Fahrzeug jemand anderem, der den Kontrakt übernimmt. Doch das sei erstens ganz schwierig, und zweitens muss die Bank zustimmen.

Manche Leasinggeber bieten zusammen mit dem Vertrag auch eine Art Arbeitslosenversicherung an. Laut dem Bund des Versicherten ist das jedoch ein Nischenprodukt, das relativ wenig verkauft wird. Die Konditionen solcher Policen seien oft schwierig: Manchmal muss der Kunde überhaupt erst einmal längere Zeit einen Arbeitsplatz haben, oder es gibt die Versicherung nicht für jede Branche. Problematisch ist aber vor allem, dass die Leistung zeitlich befristet ist, oft auf sechs Monate.

Alternative: kleineres Fahrzeug wählen

Vertrag ist also Vertrag. Einmal unterschrieben, gibt es eigentlich keinen Spielraum für den Kunden. Deshalb sollten Autofahrer beim Leasing unbedingt eine Laufzeit wählen, die sie finanziell überblicken könne. Verträge über drei Jahre sind schließlich Standard, eine kürzere Zeitspanne ist selten. Viele wählten außerdem bewusst eine längere Laufzeit, weil sie dafür geringere Raten bekämen.

Man sollte sich sehr gut überlegen, ob man sich die Raten leisten kann. Vielleicht komme alternativ zum gewünschten Auto ja auch ein kleineres Fahrzeug mit niedrigeren Raten in Betracht. Der junge Firmengründer sollte also nicht unbedingt auf seinen BMW oder Mercedes bestehen, wenn er noch nicht weiß, wie sich seine Geschäfte entwickeln werden. dhz/dpa