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Steuertipp Kleinunternehmerregelung: Das gilt für Existenzgründer

Existenzgründer im Handwerk, die im ersten Jahr keine nennenswerten Ausgaben haben und damit keine nennenswerten Umsätze, können sich beim Finanzamt unter bestimmten Umständen umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer nach § 19 UStG registrieren lassen. Zu den Umsatzgrenzen im Jahr der Gründung musste das Finanzgericht Köln nun Stellung nehmen.

Existenzgründer dürfen sich demnach im Jahr der Existenzgründung als Kleinunternehmer beim Finanzamt registrieren lassen, wenn die Umsätze in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr als 17.500 Euro betragen. Bei Unternehmern die schon mehrere Jahre tätig sind, ist die Kleinunternehmerregelung dagegen möglich, wenn die Vorjahresumsätze den Betrag von 17.500 Euro nicht überschreiten und wenn die Umsätze des laufenden Jahres voraussichtlich nicht über 50.000 Euro klettern. Die 50.000-Euro-Grenze gilt für Existenzgründer aber nicht, weil diese ja keinen Vorjahresumsatz haben (FG Köln, Urteil v. 13.7.2016, Az. 5 K 1080/13).

Umsatzsteuer: Stolperstein für Existenzgründer beachten

Existenzgründer müssen sich nicht nur mit der niedrigeren Umsatzgrenze im Erstjahr abfinden, sie müssen auch eine Sonderregelung beachten. Denn das Finanzamt rechnet die voraussichtlichen Umsätze auf zwölf Monate hoch.

Konkret: Starten Sie mit Ihrem Handwerksbetrieb im August 2017 und nennen dem Finanzamt vom August bis Dezember voraussichtlich 10.000 Euro Umsatz, ist die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG in diesem Jahr nicht möglich, weil der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz 24.000 Euro beträgt und damit über der 17.500-Euro-Grenze liegt (10.000 Euro : 5 Monate x 12 Monate).

Steuertipp: Haben Sie die Sonderregelung nicht gekannt und im Jahr der Existenzgründung von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch gemacht, obwohl der auf zwölf Monate hochgerechnete Umsatz über 17.500 Euro lag, sollten Sie gegen den nachteiligen Umsatzsteuerbescheid des Finanzamts Einspruch einlegen und ein Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen. Denn der Urteilsfall des Finanzgerichts Köln liegt nun beim Bundesfinanzhof in einem Revisionsverfahren (BFH, Az. V R 1/17). Sollten die BFH-Richter die Sonderregelung kippen und die 50.000-Euro-Grenze im Gründungsjahr erlauben, muss das Finanzamt den nachteiligen Umsatzsteuerbescheid wieder aufheben.

Weitere Steuertipps gibt es im DHZ-Steuerarchiv. dhz

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