Noch nie war die Finanzierung von Eigenheimen so günstig wie derzeit. Viele, die Erspartes sonst in alternativen Geldanlagen anlegen würden, investieren stattdessen in Immobilien. Grund zur Sorge vor einer Immobilienblase? Eher nicht, denn zunächst kommt es zu einem Aufholprozess.
Von der Eurokrise profitieren Immobilienkäufer: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist zwar schlecht für Sparer, aber gut für diejenigen, die ihr Geld in Immobilien anlegen möchten. Nie zuvor konnte man in Deutschland das Eigenheim so günstig finanzieren: Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit sind momentan unter 2,5 Prozent zu haben. Vor zwei Jahren mussten Kreditnehmer laut FMH-Finanzberatung noch mit einem Effektivzins von 4,3 Prozent rechnen, vor fünf Jahren lag er durchschnittlich sogar bei 4,95 Prozent.
Ursächlich für diese Entwicklung ist die Krisenpolitik der EZB und dem daraus resultierenden niedrigen Leitzins, zu dem sich europäische Banken Geld von ihr leihen können. Die wiederum können das Geld zu günstigen Konditionen weitergeben. Davon profitieren diejenigen, die einen Kredit aufnehmen möchten oder eine Anschlussfinanzierung benötigen.
Darlehen jetzt abschließen
Im Juli 2012 hatte die EZB den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent gesenkt und seitdem auf diesem Stand belassen. Beobachter schließen angesichts der anhaltenden Rezession in Europa eine weitere Zinssenkung nicht aus.
Langfristig wird die EZB den Leitzins jedoch wieder anheben. Für Immobilienkäufer heißt das: nicht zu lange zögern. "Bei Abschluss eines Darlehens ist auf eine lange Zinsbindung in Kombination mit einer erhöhten Tilgung zu achten", rät Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher des Finanzdienstleisters Dr. Klein & Co.
Angesichts der Ungewissheit über die Inflationsentwicklung und schwache Renditeaussichten bei alternativen Geldanlagen, entscheiden sich immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. Das hat Auswirkungen auf die Preise, denn in Metropolen wird Wohnraum knapp. Allein 2012 stiegen die Preise für Eigentumswohnungen in den sieben größten deutschen Städten laut Bundesbank um 11 Prozent.
Immobilienpreise werden weiter steigen
So lange die Zinsen auf dem niedrigen Niveau bleiben, wird dieser Trend weitergehen. Und so lange die Krise in Staaten wie Zypern, Griechenland oder Spanien noch nicht überstanden ist, wird die EZB ihre expansive Geldpolitik weiter fortsetzen. "Wir erwarten in den kommenden Jahren einen Anstieg der Immobilienpreise um jährlich drei bis fünf Prozent, gestärkt durch spürbare Reallohnzuwächse, die hohe Beschäftigung und die niedrigen Zinsen", sagt Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf.
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Aufholprozess in Deutschland
Dass die derzeitige Entwicklung aber eine Immobilienblase sein könnte, wie es sie auch in Spanien gegeben hatte, ist jedoch unwahrscheinlich. "Eine Immobilienblase kann sich nur dann bilden, wenn es einen starken Anstieg des Kreditvolumens und des Anteils der Fremdfinanzierung gibt. Beides ist in Deutschland derzeit nicht zu beobachten", erläuterte ein Sprecher der Bundesbank gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung.
Hierzulande finde momentan eher ein Aufholprozess statt, denn im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn seien die hiesigen Immobilienpreise in der letzten Dekade eher verhalten gewachsen. Während nämlich in Deutschland die Preise seit 2009 nur um rund 8 Prozent gestiegen sind, hatten sich in Spanien Immobilien in den Jahren von 2000 bis 2007 um mehr als 130 Prozent verteuert.
Ungesunder Entwicklung entgegenwirken
Die Bundesbank beobachtet die Entwicklung gerade in Ballungszentren wie München und Berlin trotzdem sehr genau. Aus anderen Ländern wisse man, dass es in einer langen Phase niedriger Zinsen bei gleichzeitig hoher Liquidität zu ungesunden Entwicklungen am Immobilienmarkt kommen kann, sagte Notenbank-Vorstand Andreas Dombret. "Dem muss man entgegenwirken." sch/dpa